Fünfseen-Filmfestival:Drastische Action-Komödie

"Helden der Wahrscheinlichkeit" auf dem Kinofest

Die Mischung hat's in sich. Anfang und Schluss dieser drastischen Action-Komödie von Anders Thomas Jensen könnten auch aus einem lieblichen Weihnachtsfilm stammen, aber zwischendrin knacken Knochen und stapeln sich die Leichen. Weil Mathematiker Otto davon überzeugt ist, dass ein Zugunglück, bei dem die Frau des Soldaten Markus ums Leben kommt, kein Zufall, sondern ein Attentat der Rockergang mit dem schönen Namen "Riders of Justice" war, startet der Kriegsveteran einen Rachefeldzug. Zum Ende hin mähen er, Otto und dessen Freunde die ganze Bande um. Okay, war Notwehr. Aber ob sie die Richtigen getroffen haben? Zumindest das erste Opfer, der Bruder des Riders-Präsidenten, war der Falsche. Unschuldig dürfte er allerdings nicht gewesen sein.

"Helden der Wahrscheinlichkeit", das sei hochgradig schwarzer dänischer Humor, sagt eine Mitarbeiterin des Fünfseen-Festivals, als sie den Film über Zufälle, die Grenzen von Algorithmen und über Traumata im Kino Gauting kurz vorstellt. Dabei liegt die Stärke dieser Geschichte, die so politisch unkorrekt ist, dass es kracht, in der Zeichnung der Charaktere, in absurd komischen Dialogen und der Grundkonstellation: Drei friedfertige Nerds, die allesamt Anti-Helden sind, und ein wüster Krieger ziehen zusammen los - das nimmt sich aus wie eine aberwitzig in den Graben sausende Gruppentherapie mit kleineren tödlichen Ausflügen und funktioniert deshalb so gut, weil die Schauspieler zu Hochform auflaufen (Mads Mikkelsen, Nikolaj Lie Kaas, Nicolas Bro, Lars Brygmann). Wobei die Rambo-Szenen konventionelles Action-Kino und kein bisschen heiter sind. Aber das muss so sein, wahrscheinlich.

© SZ vom 01.09.2021 / sum
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