Als die Schauspielerin Marie Leuenberger in der ersten Reihe Platz nahm, war es eigentlich schon klar: „Mother’s Baby“ hat im Hauptwettbewerb des Fünf-Seen-Filmfestivals das Rennen gemacht. Die Hauptdarstellerin nahm stellvertretend für die Regisseurin und Drehbuchautorin Johanna Mader den mit 5000 Euro dotierten Fünf-Seen-Filmpreis entgegen, der vom Landkreis Starnberg gestiftet wird.
Landrat Stefan Frey, der den Preis überreichte, bedankte sich bei Festivalleiter Matthias Helwig für fast zwanzig Jahre „ganz großes Kino“: Der Landkreis dürfe stolz sein, ein solches Festival zu beheimaten, man werde es weiterhin unterstützen. Die mit der Schauspielerin Barbara Auer, der Regisseurin Katalin Gödrös, dem Drehbuchautor Ulrich Limmer, der Dramaturgin Laila Stieler und dem Filmeditor Hansjörg Weißbrich hochkarätig besetzte Jury des Hauptwettbewerbs hatte „Mother’s Baby“ aus den insgesamt sechs Beiträgen ausgewählt.
Der Film, der eine traumatische Geburt und eine schwere postpartale Depression thematisiert, entfalte seine Geschichte „zuerst mit leiser Intensität und dann mit immer größerer Wucht“, hieß es in der Jurybegründung. Und von dieser Wucht konnte sich das Publikum bei der anschließenden Vorführung des Films überzeugen. Vor allem aber von der herausragenden schauspielerischen Leistung von Marie Leuenberger in der Rolle der erfolgreichen vierzigjährigen Dirigentin Julia, deren Kinderwunsch mit einer experimentellen Methode in einer Privatklinik erfüllt wird und deren Leben nach der Geburt des Kindes aus der Bahn gerät.
Bevor aber Leuenberger den Kinosaal verließ und auf der Leinwand wieder erschien, wurden die weiteren Preise des Festivals verliehen: Der mit 4000 Euro dotierte Dokumentarfilmpreis ging an die deutsch-polnische Produktion „Briefe aus der Wilcza“ des indischen Filmemachers Arjun Talwar, der in Warschau lebt und sich in diesem Film „neugierig und offen“, so die Jury, den Menschen nähert, die in seiner Straße wohnen. Talwar, so heißt es weiter, „verwebt ihre Geschichten erzählerisch geschickt mit seiner eigenen Biografie“ und fragt „nach Zugehörigkeit, nach Heimat, nach der Möglichkeit des Miteinanders“. Den von Barbara Rosenthal gestifteten „Perspektive Spielfilmpreis“, der an Debütfilme verliehen wird, gewann Alissa Jung mit „Paternal Leave“. Die Regisseurin habe eine komplexe Vater-Tochter-Beziehung „mit großem handwerklichem Geschick, viel Herz und klugen Dialogen erzählt“, so die Jury.


Mit dem „Short Plus Award“ wird ein mittellanger Film aus dem deutschsprachigen Raum mit einer Länge zwischen 21 und 59 Minuten prämiert. Der von der Gemeinde Weßling gestiftete Preis ging an „Som dorma“ von Luca-Els Mauritz und Lukas Mutschler. Ihr Film sei ein „mutiger Beitrag zur Sichtbarkeit sorbischen queeren Lebens“, befand die Jury. Der Kurzfilmpreis „Goldenes Glühwürmchen“ wird von Witha Veronelli und vom Verein Weitwinkel gestiftet und ist der älteste Preis des Festivals. Er ging in diesem Jahr an „Rückblickend betrachtet/in Retrospect“ von Mila Zhluktenko und Daniel Asadi Faezi . Eine lobende Erwähnung ging in dieser Kategorie an den Film „Between the Lines“ von Niklas Pollmann. Der mit 500 Euro dotierte Video-Art-Kurzfilmpreis ist der kleinste unter den acht Preisen des Festivals.


Er wird von der Stephan und Christoph Kaske Stiftung gestiftet und ging in diesem Jahr an „Love at First Byte“ von Felizitas und Theresa Hoffmann. Mit der Verleihung des Publikumspreises „Best of Festivals“ für einen aktuellen Langfilm, der noch nicht im Kino war, geht das 19. Fünf-Seen-Filmfestival am Dienstag, 16. September, zu Ende.

