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Führung auf der Roseninsel:Schnupperstunde

Feldafing Roseninsel,  Rosen

Sibilla Porta (mit Hut) geleitet die Besucher durch die Anlage und zeigt ihnen unter anderem auch Rosa alba 'Maxima'.

(Foto: Georgine Treybal)

Ein Rosarium mit mehr als 100 hochstämmigen, stark duftenden Zierpflanzen hat dem Eiland im Starnberger See bei Feldafing ihren Namen gegeben. Sibilla Porta zeigt Besuchern die Anlage.

"Schnuppern Sie", fordert Sibilla Porta die Teilnehmer der Führung "Faszination Rose - eine Liebeserklärung an die historische Rose" auf. An die 20 Leute stehen stehen vor der Damaszenerrose "Leda". Sie ist nach Leda aus der griechischen Mythologie benannt, die von Zeus in Gestalt eines Schwanes verführt wurde. Weil der Schwan das Wappentier der Wittelsbacher ist, hat diese Sorte einen Platz im Rosarium auf der Roseninsel gefunden. "Leda" verströmt laut Museumsführerin Porta das wohl stärkste Parfum unter allen Rosen, die übrigens in Klassen eingeteilt werden und keine Dornen, sondern Stacheln haben.

Eine Frau beugt sich vorsichtig über eine dieser stark duftenden, weißen Blüten mit rotem Rand und riecht daran. Der Duft ist tatsächlich betörend. Ob diese Rosensorte allerdings noch blüht, wenn Sibilla Porta ihre nächste Führung anbietet, ist fraglich. Denn auf der Roseninsel wurden ausschließlich historische Rosen angepflanzt, und deren Blüte ist im Gegensatz zu den modernen Züchtungen nur kurz. Der Rosengarten wurde von Peter Joseph Lenné ums Jahr 1854 angelegt; er gestaltete auch den Feldafinger Landschaftspark. Wie die Museumsführerin erklärt, vertrug sich der mit dem Bau des Casinos beauftragte Architekt Franz Jakob Kreuter nicht mit dem Gärtner und schlug daher vor, dass Lenné die Landschaftsplanung übernehmen soll. Laut Porta legte Lenné einen Entwurf nach dem Vorbild von Schloss Charlottenburg in Potsdam vor, ohne die Insel gesehen zu haben. Ludwig II. ließ später gravierende Änderungen vornehmen, nachdem er die Insel ebenso wie sein Schiff Tristan aus dem Erbe der Familie herausgekauft hatte.

Laut Tobias Schlenker von der Schlösser- und Seenverwaltung wurde der Rosengarten mehrmals neu angelegt, etwa 1912, als die Pflanzen wegen der schlechten Bodenqualität eingegangen waren. Dann fiel die Anlage erneut in einen Dornröschenschlaf. Zwischen 1997 bis 2003 wurde sie mit großem Aufwand wieder zum Leben erweckt. Ob der heutige Rosengarten dem Originalentwurf von Lenné entspricht, lässt sich nicht genau nachprüfen, denn laut Schlenker gibt es keinen Pflanzplan.

Damit die Besucher die mehr als 100 Rosen, die alle Namen haben, während der Blütenzeit von nur wenigen Wochen bestaunen können, werden die Zierpflanzen täglich von den Gärtnern der Schlösser- und Seenverwaltung gepflegt, übrigens rein biologisch. Denn die Königin unter den Blumen ist eine Mimose. Nur unter größter Aufmerksamkeit gedeiht sie, wird sie nicht beachtet, geht sie ein.

Und die Bewunderung der Menschen war ihr in allen Zeiten sicher. Man ließ Blütenblätter auf Gäste regnen oder in Kissen füllten. Unter Ludwig XIV. wurde die Hochstammrose gezüchtet, weil sich der Sonnenkönig nicht bücken wollte, um ihren Duft zu genießen. In gotischen Kirchen ist sie als Rosette zu finden, für die Freimaurer war sie das Zeichen der Verschwiegenheit. Kaiserin Josephine, die die größte Rosensammlung der Welt hatte, verarmte wegen ihres kostspieligen Hobbys. Ihr Ehemann indes erhielt mit "Chapeau de Napoléon" eine eigene Rose, die Knospe erinnert an den Hut des Kaisers. Die österreichische Kaiserin Elisabeth, die die Insel mehrmals besuchte, erfuhr solche Ehre erst posthum. Zu ihrem 100. Todestag wurde eine Rose nach ihr benannt.

Bei der Führung erfährt man, dass "Viridiflora" grüne Blüten hat, und für König Maximilian II, der das Rosarium in Auftrag gegeben hatte, die Jakobiten-Rose 1854 in Rosa alba "Maxima" umbenannt wurde. Porta informiert ausschließlich über die Geschichte der Rosen, Tipps für den eigenen Garten gibt sie nicht. Die Teilnehmer lauschen andächtig und stellen keine Fragen. Stattdessen genießen sie mit allen Sinnen. Sie haben offenbar Respekt vor der Rose, ebenso wie andere Roseninselbesucher. Denn Schlenker zufolge gibt es so gut wie keinen Zerstörungen auf der Insel. Nur manchmal werde heimlich eine Rosenblüte abgeknipst, sagt er.

Die Führungen werden während der Rosenblüte an Sonntagen im Juni jeweils um 14 und 16 Uhr angeboten. Eine Anmeldung ist erforderlich (Telefon 08157/924162). Der Eintritt kostet 3,50 Euro plus Fährticket . Die Fähre setzt von Dienstag bis Sonntag jeweils von 10 bis 18 Uhr über, montags von 12 bis 17 Uhr (außer bei Regen). Infos unter www.roseninsel.bayern.de.