Freizeit Badebus gegen den Ansturm im Fünfseenland

Wie voll wird es an den Seen, wenn bald die Bewohner des Stadtteils Freiham im Münchner Westen anrollen? Einige Bürgermeister haben einen Hilferuf an OB Dieter Reiter gerichtet. Der macht einen Vorschlag.

Von Christine Setzwein

Zugeparkte Straßen, Wiesen und Rettungswege, überfüllte Badeplätze, volle Gaststätten, genervte Bürger - der Besucherstrom im Rekordsommer 2018 hat die Gemeinden im westlichen Landkreis Starnberg an ihre Grenzen gebracht. Schon jetzt ist die Belastung an schönen Tagen hoch, wie soll es erst werden, wenn im neuen Münchner Stadtteil Freiham 10 000 Wohnungen fertig sind? Die Bürgermeister der Gemeinden Inning, Andechs, Herrsching, Seefeld, Weßling, Wörthsee und Pähl haben nun im vergangenen Dezember einen Hilfeschrei nach München geschickt, verfasst von Wörthsees Gemeindechefin Christel Muggenthal. Oberbürgermeister Dieter Reiter zeigt Verständnis - und will sich, damit nicht noch mehr Münchner mit dem Auto ins Fünfseenland fahren, für einen Badebus einsetzen.

Einen Badebus für die Münchner gibt es bereits: Seit Jahren pendelt er im Sommer zwischen dem Langwieder See und dem S-Bahnhof Lochhausen im Nordwesten der Stadt. Eine ähnliche Linie kann OB Dieter Reiter sich ins Fünfseenland vorstellen, um die Gemeinden vom Verkehr zu entlasten.

(Foto: Andreas Heddergott)

Die vielen Münchner, die sommers und mittlerweile auch winters die Natur am Wörthsee, Pilsensee, Ammersee und Weßlinger See genießen, "sind uns alle willkommen", schreibt Muggenthal an Reiter. Aber der motorisierte Individualverkehr sei zu einem Problem geworden, das auch mit immer mehr absoluten Parkverbote nicht gelöst werden könne, sondern es nur verlagere. Auch die Neubürger in Freiham hätten das Bedürfnis nach Erholung und Entspannung. Für diese Erholungssuchenden "müssen wir eine Strategie erarbeiten, in die die Stadt und die Umlandgemeinden eingebunden werden sollten". Beitragen dazu könne die Stärkung des Nahverkehrs wie auch die Schaffung von Naherholungsgebieten in unmittelbarer Nähe von Freiham, meinen die Bürgermeister.

Viele Ausflügler

Zehn Millionen Tagesausflügler besuchen pro Jahr das Fünfseenland, schätzen die Tourismusexperten der Gesellschaft für Wirtschafts- und Tourismusentwicklung im Landkreis Starnberg (Gwt). Zuletzt waren 2015 Daten vom Deutschen Wirtschaftswissenschaftlichen Institut für Fremdenverkehr erhoben worden. Damals belief sich die Zahl auf acht Millionen Menschen, die durchschnittlich 22,50 Euro pro Kopf ausgegeben haben. Mittlerweile, so Klaus Götzl, stellvertretender Geschäftsführer der Gwt, sind auch die Einnahmen aus dieser Quelle gestiegen: auf etwa 30 Euro pro Kopf im Durchschnitt. Gwt-Geschäftsführer Christoph Winkelkötter drückt es so aus: Der Andrang aufs Fünfseenland sei "Fluch und Segen".csn

Der Meinung ist auch OB Reiter. Verkehr und Mobilität sei nicht nur in Freiham ein zentrales Thema, sondern insgesamt für München und die Region, antwortet er Muggenthal. Für Freiham werde derzeit ein Mobilitätskonzept im Sinne einer "Stadt der kurzen Wege" erarbeitet, das den Verzicht auf das eigene Auto ermöglichen soll. Tatsächlich, das räumt Reiter ein, fehle aber in Freiham eine Bademöglichkeit. Der zukünftige Landschaftspark sei aber für einen Badesee zu klein. Er habe jedoch den Zweckverband Freiham beauftragt, auf seinen Flächen westlich der A 99 nach der Möglichkeit für einen Badesee zu suchen. Dennoch, da ist sich der Oberbürgermeister sicher, werden die Münchner auch weiterhin "ins schöne Fünfseenland" fahren. Als kurzfristige Maßnahme könne er sich die Einrichtung eines Badebusses vorstellen. Er habe daher das Referat für Stadtplanung und Bauordnung beauftragt, "die notwendigen Modalitäten zu prüfen und für weiter Abstimmung auf Sie zuzukommen".

Im Wörthseer Gemeinderat wurde das gerne gehört. Vor allem der Ortsteil Steinebach war im Jahrhundertsommer 2018 völlig überlastet. Die CSU-Ortsverbände Weßling, Wörthsee, Seefeld und Inning hatten deshalb mit ihrer Veranstaltung "Nix geht mehr - wegen Überfüllung geschlossen! Das Ende der Naherholung im Fünfseenland?" im vergangenen November den Nerv der Bürger getroffen. An Vorschlägen, wie man dem Kollaps Herr werden könnte, mangelte es an diesem Abend nicht. Gefordert wurden strengere Parkkontrollen, höhere Gebühren oder preislich attraktivere MVV-Tickets am Wochenende. Ein Strafzettel über 15 Euro für Falschparken sei immer noch billiger als ein S-Bahn-Ticket für eine Familie, wurde moniert. Auch Durchsagen im Radio, dass alle Parkplätze an den Seen belegt seien, könnten helfen und Ausflügler abschrecken, mit dem Auto zu kommen. Gefragt ist die Politik. Für die Sicherung der Lebensqualität ihre Bürger wollen die Bürgermeister im Westen gerne mit der Stadt München zusammenarbeiten, bietet Muggenthal dem OB an.