Freizeit Fischwandl-Rennen und Rockklänge

Der Landkreis feiert am heißesten Wochenende des Jahres: Zwischen Herrsching und Berg steigen viele Feste, auf denen sich die Bürger tummeln. Da hält es nur wenige im heimischen Garten

Von Marcella Rau und Christine Setzwein

Vor Wochen schon hat er eine Wetterkerze angezündet, damit an diesem Wochenende an alles gut geht, verrät Ludwig Darchinger, CSU-Gemeinderat, Vereinsvorsitzender von D'Herrschinger, Cheforganisator des Schlossgartenfestes und jüngster Träger der goldenen Bürgermedaille. Und es ging alles gut, das Wetter hätte kaum besser sein können. "Schon beeindruckend, was der Ludwig da jedes Jahr auf die Beine stellt. In diesem Jahr hat er sogar eine Mondfinsternis organisiert", lobt Herrschings Bürgermeister Christian Schiller, der das Fest am Samstag standesgemäß mit Bierfassanstich eröffnete. "Man muss eben wissen, wie man seine Termine legt", antwortet Darchinger auf seine typisch sympatisch-trockene Art.

Schon vor der offizielle Eröffnung konnte man am Freitag das ein oder andere Glas im herrlich gelegenen Biergarten vor der Kulisse des Kurparkschlösschens genießen. "Es war rammelvoll", bestätigt Darchinger. Dabei sind es, wie Schiller betont, vor allem Menschen aus dem Ort, die man auf diesem Fest antrifft; Zugereiste aus München begegne man eher selten. Es ist eben vor allem ein Fest von Herrschingern für Herrschinger - das zeigt bereits der Festumzug vom Rathaus zum Park, an dem örtliche Vereine teilnehmen. Aber auch viele der Essen- und Getränkestände sind von Herrschinger Vereinen oder Gaststätten betrieben.

Wer etwas für historische Traktoren übrig hat, kommt zum Oldtimertreffen nach Höhenrain.

(Foto: Arlet Ulfers)

6000 bis 7000 Besuchern werden an diesem Wochenende wohl kommen, schätzt Darchinger, ebenso viele Liter Bier über die Theke gehen. Eigentlich ist aber auch in diesem Jahr alles beim Alten geblieben, so der Chef der D'Herrschinger. Lediglich die Beleuchtung wurde auf LED umgestellt, da spare man sich schon einiges an Strom. Auch musikalisch ist viel geboten. Es spielen die Herrschinger Blaskapelle sowie die Bands "Kzwoa" und "Da Blechhauffa". Das besondere Highlight am Samstagabend aber ist "Dr. Schiwagu": Die Band der drei Bürgermeister Christian Schiller aus Herrsching, Wolfram Gum aus Seefeld und Manfred Walter aus Gilching rockte richtig ab, wobei letzterer jedoch an diesem Abend verhindert war. Eine würdige und nicht minder politische Vertretung am Mikrofon fand sich mit dem Weßlinger Gemeinderat Claus Angerbauer an der Gitarre und Musiklehrer Christoph Zöller (Bass).

Leckereien vom Grill: Steckerlfisch für die Besucher des Herrschinger Schlossgartenfestes

(Foto: Arlet Ulfers)

Aber auch alle, die es nicht nur gemütlich angehen wollten, kamen an diesem Wochenende mit Sautrogrennen und Fischerstechen bayerisch-traditionell auf ihre Kosten. Dabei sah es am Samstag zunächst so aus, als müsse das Fischerstechen ins Wasser fallen. Kräftiger Wind erschwerte nicht nur die Bedingungen für die Teilnehmer, sondern stellte auch die Ruderer auf eine harte Probe. Das Stechen konnte dennoch stattfinden, im Laufe des Wettkampfs beruhigte sich der See. Als Gewinner ging Lars Schöppe hervor. Siegerin der Herzen dürfte aber seine Kontrahentin Natalia Velasko bleiben: Das erst 19 Jahre alte Au-pair-Mädchen aus Mexiko schlug sich wacker und stieß im Halbfinale sogar den eigenen Gastvater ins Wasser. Dass am Sonntag eigens Mitarbeiter der Gemeindeverwaltung in den Kurpark kamen, um Verzehrgutscheine für den Seniorennachmittag auszugeben, gehört zu den Kuriositäten dieses Festes. Grund: Die Datenschutzgrundverordnung verbietet es, eine Liste der Senioren an freiwillige Helfer herauszugeben.

Hinten der Mond, vorn der Wörthsee und dazwischen Hunderte gut gelaunter Gäste: Seit Jahren ist das Seefest des Steinebacher Trachtenvereins D'Donarbichler ein Besuchermagnet. Bald wird es die 30. Auflage geben, sagte der Vorsitzende Jakob Aumiller, nachdem er dem König der Fischerstecher 2018 den Siegerpokal überreicht hatte. Thomas Aumiller hat sich am besten gehalten auf der wackligen Plätte. Zweiter wurde Till Benz, Dritter Flo Aumiller. Immerhin auf Platz vier landete Lena Sauter. Vier Mädchen haben sich heuer getraut, beim Fischerstechen anzutreten, und sie haben sich wacker geschlagen und viel Applaus bekommen. Weil zu Spielen auch Brot gehört, waren die Schlangen vor den Grills lang: Steckerlfisch, Halsgrat, Bratwurst, Semmelknödelsalat hatten die Trachtler im Angebot, aber auch Pizzen, Pommes und Eis vom Il Kiosko waren heiß begehrt. Als es schließlich finster war, wurde ein minutenlanges Feuerwerk auf dem See gezündet. Dann durfte weiter Blutmond geschaut und zur Musik von den "jungen Pfaffenwinklern" getanzt werden. So schnell wie Bühne, Bar und Biertische am Freitag aufgebaut waren, waren sie auch wieder weg. Am Samstagmorgen gab es am Badeplatz Birkenweg keine Spuren mehr von der ausgelassenen Feier.

Lustig ging es auch in Tutzing beim ersten Fischwandl-Rennen der Tutzinger Gilde zu. Ähnlich dem Sautrogrennen traten beherzte Tutzinger gegen einander an und Hunderte schauten zu. Die Burschenschaft in Berg lud zum Dorffest ein, und in Höhenrain traf man sich mit seinen Oldtimern. Besinnlich feierten die Weßlinger ihr traditionelles Grünsinker Fest. Selbst all diejenigen, die trotz der Hitze noch Lust auf Sport hatten, kamen an diesem Wochenende auf ihre Kosten: So gingen in Wörthsee rund 700 Triathleten an den Start. Vom Tutzinger Würmseestadion aus starteten zudem 1700 Unermüdliche zum 100-Kilometer-Marsch, auf dem Starnberger See trugen die Ruderer ihr Drachenbootrennen aus.