Freizeit Alpenverein will Kletterhalle in Gilching erweitern

Immer mehr Kletterer wollen auch Bouldern, weil dies ohne Einweisung und Seil vielen attraktiver erscheint und vor allem Jugendliche magisch anzieht. Doch in Gilching ist der Boulderbereich zu klein.

(Foto: Arlet Ulfers)

Die Besucherzahlen stürzen ab, weil immer mehr Menschen lieber bouldern. Der Gemeinderat stimmt dem ersten Umbau-Entwurf zu.

Von Christian Deussing

Der Boom ist längst vorbei: Immer weniger Freizeitsportler kommen in das Gilchinger Kletter- und Boulderzentrum des Deutschen Alpenvereins (DAV). Die Besucherzahlen sollen von jährlich etwa 80 000 auf bis zu 60 000 abgestürzt sein. Diesen negativen Trend bei dem einstigen Vorzeigeprojekt bestätigt Ralph Gierlinger, der die DAV-Kletterhalle in Gilching vor zwölf Jahren erbaut hat. Das Gebäude mit den 13 Meter hohen Wänden, 230 Routen sowie künstlichen Felsen im Außenbereich hatte 3,25 Millionen Euro gekostet und galt als einer der modernsten Anlagen dieser Art in Europa. Doch die Indoor-Boulderfläche von etwa 120 Quadratmetern kann mit neuen Hallen und "Boulderwelten" in der Region - wie in Freiham - bei Weitem nicht mithalten. Zudem ist auch in Krailling eine Boulderanlage geplant.

Damit der Gilchinger Standort konkurrenzfähig bleibt und nicht abgehängt wird, hat der DAV jetzt reagiert. Der Großverein beauftragte seinen Architekten Gierlinger, einen Anbau mit etwa 600 Quadratmetern Boulderfläche zu schaffen. Denn dieses spezielle Klettern ohne Seil und Gurt in geringer Absprunghöhe, mit Matten abgesichert, wird vor allem bei Kindern und jungen Leuten immer beliebter. Es zeige sich nun, dass dieses Angebot im Gilchinger Komplex "viel zu klein geworden" sei, sagte Architekt Gierlinger am Dienstag im Gilchinger Gemeinderat. Er legte einen Planungsentwurf vor, bei dem auch ein barrierefreier Umbau der Kletterhalle mit einem behindertengerechten Aufzug vorgesehen ist. Damit sollen auch Personen mit Handicaps einen besseren Zugang zur Halle erhalten. Denn auch das "therapeutische Klettern" gewinne immer mehr an Bedeutung, erläutert Gierlinger.

Nach seinen Angaben will der DAV maximal zwei Millionen Euro in das neue Projekt investieren, wobei der Anbau über einen Parkplatz erstellt werden soll. Es gehe daher fast kein Stellplatz verloren, betont der Planer. Er hofft, noch im Herbst nächsten Jahres mit dem Bau beginnen zu können. Die erste Hürde hat Gierlinger zumindest genommen, denn der Gemeinderat stimmte mit großer Mehrheit dem Entwurf zu, der nun im Bebauungsplan-Verfahren genauer geprüft wird.

Allerdings hat vor allem CSU-Fraktionssprecher Paul Vogl erhebliche Bedenken geäußert. Er warnt davor, zu schnell und "unüberlegt zu handeln", denn es würden durchaus Parkplätze verloren gehen. Bei Veranstaltungen und Wettbewerben in der Kletterhalle würde "schon jetzt die Frühlingstraße zugeparkt", mahnte Vogl in der Sitzung. Zwar sei die geplante Boulderhalle sicherlich eine "Bereicherung", man müsse aber auch die Folgen beachten - zum Beispiel befinde sich am Ende des Zuwegs kein Wendehammer für die Feuerwehr, führte Vogl an.

Die Debatte entzündete sich auch um die Skateranlage, die südlich der Kletterhalle auf gemeindeeigene Fläche verlegt werden soll. Dieser Standort soll dauerhaft sein und ist nach einem Lärmschutzgutachten dort denkbar. Diese Lösung begrüßte die Mehrheit des Gremiums und auch der DAV-Architekt Gierlinger findet diese Variante sinnvoll und gut - weil somit auf dem Gelände mit der Kletterhalle, dem Boulderanbau und Außenareal sich ein "Sportband" ergeben würde.

Die Skateranlage füge sich dort "hervorragend ein", betonte Thomas Reich, Sprecher der Freien Wähler. Dagegen ist für Vogl und CSU-Fraktionskollege Harald Schwab die Fläche in der Nähe des Abenteuerspielplatzes geeigneter. Dort wäre die Skateranlage schneller von der S-Bahn aus erreichbar und besser einsehbar. Schwab meinte auch, dass das angedachte Areal hinter der Kletterhalle in Richtung Frühlingstraße zu weit entfernt sei und sich dort ein "sozialer Brennpunkt" entwickeln könnte. Dem hielt Peter Unger von den Grünen entgegen, doch den "Jugendlichen mehr Vertrauen zu schenken".

Auch Michael Rappenglück (SPD) und Geschäftsführer der Volkshochschule (VHS) lehnte den Skaterstandort am Abenteuerspielplatz ab, weil er den VHS-Unterricht in der Nähe stören würde.