Süddeutsche Zeitung

Forstwirtschaft im Landkreis Starnberg:Der nächste Käfer ist unterwegs

Waldbauern befürchten, dass ihnen noch ein weiterer Holzschädling zu schaffen machen wird.

Der Borkenkäfer hält die Waldbauern im Fünfseenland weiterhin auf Trab. Auch Jahre nach den starken Orkanen, die unzählige Bäume umgerissen und somit dem kleinen Insekt, das sich durch die Stämme frisst, ideale Lebensbedingungen verschaffen haben, gibt der Schädling den Takt vor. Das wurde bei der Jahresversammlung der Waldbauernvereinigung (WBV) Starnberg am Freitag in Drößling wieder deutlich. Stephan Gampe vom Amt für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten in Weilheim nutzte das Treffen, um erneut zu appellieren "alles brutfähige Material" herauszunehmen, nichts stehen zu lassen. Und der Käfer, der auch als Buchdrucker bekannt ist, bekommt wohl noch Verstärkung: den Nordischen Fichtenborkenkäfer. "Das ist der zweite Käfer, der uns gefährlich werden kann. Wahrscheinlich ist er schon da", warnte Gampe vor etwa 60 Zuhörern.

Der Käfer mit dem lateinischen Namen Ips duplicatus ist ursprünglich in den Fichtenwäldern Nordeuropas und Asiens beheimatet, hat aber mittlerweile auch seinen Weg nach Mitteleuropa gefunden. Er ist etwas kleiner als der hierzulande schon bekannte Buchdrucker, kann aber ebenso große Schäden anrichten. In der Tschechischen Republik hat der Schädling schon seine Spuren hinterlassen. "Dort wurden ganze Landkreise leergefressen", berichtete Hans Ludwig Körner, Geschäftsführer des bayerischen Waldbesitzerverbandes, in Drößling. Dort gebe es bis zu 600 Hektar große Brachflächen. "Da ist Gefahr in Verzug, wenn ein weiterer Käfer daher kommt und den Wäldern den Rest gibt", sagte der Referent.

Die Waldbesitzer leiden schon genug unter den Schäden durch den Buchdrucker. Zum Beispiel verdirbt er ihnen die Holzpreise. Sägewerke bezahlen weniger für Stämme, in denen die typischen Bohrlöcher zu erkennen sind, oder die sich schon verfärbt haben. Das große Angebot auf dem Markt wirkt sich ebenfalls aus. Die Preise pro Festmeter seien deutlich zurückgegangen, berichtete Anton Bernhard, Geschäftsführer des WBV-Kreisverbandes. So würden für bestimmte Sorten 20 Euro weniger bezahlt. Wie Bernhard vorrechnete, bleiben nach diversen Abschlägen manchmal nur zehn Euro pro Festmeter, wenn das Holz zu einem Sägewerk in Österreich geliefert wird. Die Ausgaben für Ernte und Transport könnten da im Einzelfall höher ausfallen. "Momentan ist das nicht mehr lustig", so der Kreisgeschäftsführer. Eine Preissteigerung sei in der nächsten Zeit nicht zu erwarten.

Den Umsatz der Waldbauernvereinigung im vergangenen Jahr bezifferte Bernhard auf etwa vier Millionen Euro, der damit im Vergleich zum Vorjahr etwa gleich geblieben ist. Die Fichte spielt bei der Verwertung mit weitem Abstand die größte Rolle. In Zahlen: Im vergangenen Jahr wurden mehr als 50 000 Kubikmeter Fichtenholz verwertet. Buchen und andere Laubbäume machen dagegen nur etwa ein Zehntel dieser Menge aus.

"Der Waldumbau gelingt nur mit den Jägern, nicht gegen die Jäger"

Die Zahl der Mitglieder ist auf etwa 900 nochmals angestiegen. "In einem Kalamitätsjahr gibt es immer einen Zuwachs", sagte Bernhard; dann suchten die Waldbesitzer Rat und Unterstützung. Den Mitgliedern gehören zusammen etwa 7800 Hektar Wald. Darüber hinaus kümmert sich die Vereinigung auch um Flächen, die verschiedenen Privatpersonen gehören. So gibt es mittlerweile 114 Waldpflegeverträge für eine Gesamtfläche von 892 Hektar, wie aus Bernhards Geschäftsbericht hervorgeht. Wo Sturm und Käfer Lücken reißen und auch dort, wo ganz regulär gefällt wird, muss auch wieder aufgeforstet werden. Und auch dabei erhalten die Waldbauern Unterstützung von ihrer Vereinigung, die auch bei der Pflanzenbeschaffung bei Baumschulen mithilft. Mehr als 150 000 Stück waren es laut Geschäftsbericht im vergangenen Jahr, Nadelhölzer machen dabei mit 73 Prozent den größten Anteil aus.

Ein Problem, wenn es um die Wiederaufforstung geht, ist stets der Wildverbiss. Wie Gampe erläuterte, fallen die Zahlen im aktuellen Vegetationsgutachten etwas schlechter aus als vor drei Jahren; das bedeutet, dass Rehe mehr Pflanzen angeknabbert und damit beschädigt haben. WBV-Landesgeschäftsführer Körner mahnte daher, dass auch die Jagdpächter ihre Aufgaben erfüllen müssten. "Der Waldumbau gelingt nur mit den Jägern, nicht gegen die Jäger", sagte er.

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SZ vom 09.03.2019/smb
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