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Forstwirtschaft:Borkenkäfer hält Förster auf Trab

Tornado zertrümmert Baumriesen; Sturmschäden bei Aschering

Die Stürme im August haben wie hier bei Aschering neue Schneisen in die ohnehin vom Borkenkäfer angegriffenen Wälder des Fünfseenlands geschlagen. Die gefällten Fichten können vorerst als Fangbäume für die Käfer dienen, müssen aber bis zum Schwärmflug im März aus den Beständen entfernt werden.

(Foto: Franz Xaver Fuchs)

Seit Mai läuft praktisch pausenlos die Aufarbeitung des Schadholzes. Über den Winter müssen zudem viele umgestürzte Bäume aus den Wäldern gezogen werden

"Wir machen seit Mai nichts anderes, als dem Borkenkäfer hinterher zu rennen", sagt Martin Springer. "Und den Herbst und Winter hindurch wird es unsere Daueraufgabe sein, neue Befallsherde aufzuspüren und sie möglichst gründlich aufzuarbeiten". Springer betreut als Revierförster von Starnberg aus private Waldbesitzer und Gemeinden ohne eigenes Forstpersonal. Er ist sich mit den Kollegen einig, dass die Befallsituation seit mehr als zehn Jahren nicht so kritisch war wie heuer: "Drei Jahre lang haben sich jeweils drei Käfergenerationen entwickelt, das ist schon heftig", sagt Wilhelm Seerieder, Leiter des Staatsforstbetriebs München.

Aber wenigstens hat sich die Lage im Fünfseenland mit den Sturmschäden vom 1. und 18. August nicht - wie zunächst befürchtet - weiter verschärft. Dank der feuchtkühlen Witterung wird der gefährlichste Borkenkäfer, der Buchdrucker, in diesem Jahr keine weiteren Stämme mehr infizieren. Seerieder war vor wenigen Tagen in den Forsten um Aschering und Kerschlach unterwegs. Er konnte beobachten, dass sich die Schädlinge kurz zuvor durch die Fichtenrinden gebohrt hatten: "Der Buchdrucker befindet sich gerade im beginnenden Larvenstadium." Es dauere auf jeden Fall noch sechs Wochen, bis die neue Generation aus den Stämmen schlüpft - ein Schwärmflug aber ist Ende Oktober ausgeschlossen. Die Käfer werden unter der Rinde überwintern und erst im nächsten Frühjahr neue Bäume befallen.

Der Zeitdruck, das Schadholz möglichst rasch aus den Beständen zu entfernen, hat also etwas nachgelassen. Nach wie vor sollten stehende Stämme, in denen die Larven nagen, zügig aufgearbeitet werden. Doch die kürzlich vom Sturm gefällten Fichten sollte man erst noch als Fangbäume nutzen, sagt Seerieder: Sie können dann Mitte März mitsamt der Buchdruckerbrut aus den Wäldern gezogen werden. Der Staatsforstbetrieb München - der unter anderem die Reviere Gauting und Erling im Landkreis Starnberg umfasst - hat bei Buchendorf ein Lager für 2500 Festmeter Holz angelegt. Zudem werden 40 000 Festmeter in Nasslagern aufbewahrt, wo die Stämme künstlich beregnet werden und sich so drei Jahre lang ohne Qualitätsverluste lagern lassen. Seerieder ist zuversichtlich, dass sich die Holzpreise, die nun durch das viele Käferholz gefallen sind, bis dahin wieder erholen: "Die Baukonjunktur brummt weiter und die Sägewerke haben noch große Kapazitäten".

Viele kleine Waldbauern hingegen können kaum auf die derzeit ungünstige Marktlage reagieren. Anton Bernhard, Geschäftsführer der Waldbesitzervereinigung Starnberg (WBV), empfiehlt ihnen dringend, bei den Finanzbehörden eine sogenannte Kalamitätsnutzung zu beantragen. Dann werde für Holz, dass wegen Borkenkäferbefall und Sturm angefallen ist, nur der halbe Steuersatz berechnet. Für einige Waldbauern dürfte dies nur ein schwacher Trost sein: WBV-Förster Christian Gick kennt Fälle, die heuer wegen des Buchdrucker auf zwei Hektar Fläche ihren gesamten Altholzbestand verloren haben. Und bei Pöcking etwa seien nach den jüngsten Stürmen eineinhalb Hektar Wald "komplett flach gelegen: Auf einen Schlag sind da 900 Festmeter Holz angefallen."

Grundsätzlich leiden Fichten, die auf durchlässigen Böden wie Kies oder Schotter wurzeln, eher unter Trockenstress und werden deshalb zuerst vom Borkenkäfer angegriffen. Weil aber kaum Dürreperioden auftraten, ließen sich heuer keine Befallsschwerpunkte feststellen: "Das zieht sich durch den ganzen Landkreis", sagt Martin Springer: "Stellenweise hat der Käfer ganze Altbestände weggefressen." Der bereite sich jetzt zwar auf den Winterschlaf vor, doch die Waldbesitzer dürften deswegen noch lange nicht auf der faulen Haut liegen.