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Flüchtlinge:Landkreis Starnberg soll im Mittelmeer Gerettete aufnehmen

A rescued migrant enters the Sea- Watch 4 ship helped by a rescue team, at sea off the coast of Libya

Die Sea-Watch 4 nimmt Flüchtlinge im Mittelmeer auf.

(Foto: Sea-Watch/Reuters)

Das "Bündnis für Menschlichkeit" fordert Unterstützung für das Rettungsschiff Sea-Watch.

Von Manuela Warkocz

Als in diesen Tagen das zivile Rettungsschiff Sea-Watch 4 vor der libyschen Küste bei seinem ersten Einsatz 200 Menschen aus Seenot rettete und vergangenen Samstag weitere 153 Migranten von der völlig überfüllten "Louise Michel"- einem privaten Schiff des Street-Art-Künstler Banksy - an Bord genommen hatte, haben auch Unterstützer aus dem Landkreis Starnberg gespannt diese Aktionen im Mittelmeer verfolgt. Sie gehören dem "Bündnis für Menschlichkeit" an, das sichere Häfen für Gerettete in den Landkreisen Starnberg und Weilheim-Schongau etablieren will. Sprich: In den beiden Landkreisen sollen sich Kommunen bereit erklären, ein gewisses Kontingent an geretteten Flüchtlingen aufzunehmen.

Die Grünen haben im Starnberger Kreistag einen entsprechenden Antrag eingebracht. Über ihn soll im Herbst entschieden werden. In Tutzing steht das Thema kommenden Dienstag im Gemeinderat auf der Tagesordnung. Der ökumenische Unterstützerkreis in Tutzing regt an, dass sich die Gemeinde mit der Aktion "Sichere Häfen" solidarisch zeigt. Bürgermeisterin Marlene Greinwald hofft "auf eine deutliche Mehrheit oder sogar Einstimmigkeit". Tutzinger stehen hinter dem im Mai gegründeten "Bündnis für Menschlichkeit" ebenso wie Ehrenamtliche aus den Asylhelferkreisen Starnberg, Berg und Gauting sowie aus dem Nachbarlandkreis Weilheim-Schongau, dazu Vertreter der evangelischen Kirche. Sprecherin Petra Fontana freut sich, dass die Sea-Watch 4 nun im zentralen Mittelmeer präsent ist. "Die Zivilgesellschaft sieht nicht zu, wie Menschen an Europas Außengrenzen ertrinken", zeigt sich die Starnbergerin erleichtert.

Die Lage vor der libyschen Küste sei nach wie vor dramatisch, teilte die Betreiberorganisation Sea-Watch zum Start der Mission Mitte August mit. Mehr als sechs Wochen seien keine zivilen Rettungskräfte mehr in der Such- und Rettungszone im Einsatz gewesen. Aktuell ist man erleichtert, dass die aufgenommenen 353 Migranten in Palermo an Land dürfen. 21 deutsche und internationale Crew-Mitglieder sind auf der Sea-Watch 4 im Einsatz, dazu sechs Mitglieder von Ärzte ohne Grenzen. Außerdem gehören zwei Medienvertreter zur Crew, darunter die junge Pastorin und Blogerin Constanze Broelemann. Dass sie aus eigenem Erleben von der Sea-Watch-4 berichtet, ist der besonderen Historie des Schiffes geschuldet. Der Kauf geschah maßgeblich auf Initiative der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD). Sie gründete das zivilgesellschaftliche Bündnis "United4Rescue" zur zivilen Seenotrettung und erwarb für 1,1 Millionen Euro das ehemalige Forschungsschiff "Poseidon". Kirchensteuern habe die EKD nicht investiert, betont "United4Rescue". Mehrere Landeskirchen hätten jedoch erhebliche Beträge gespendet, so dass über diesen Weg Kirchensteuern geflossen seien.

In der Evangelischen Kirchengemeinde Starnberg wird das Engagement nicht nur wegen des finanziellen Aspekts vereinzelt kritisch gesehen. "Das ist ein heikles Thema", sagt Pfarrer Stefan Koch der SZ. "Es kamen schon Kirchenaustritte." Konkret wisse er von zwei, die ihren Schritt mit der kirchlichen Unterstützung der Rettungsmission begründet hätten. Er höre aber auch viele positive, unterstützenden Stimmen. Was ihn und viele ehrenamtliche Asylhelfer schmerzt: "Dass die Situation der Flüchtlinge derzeit so in den Hintergrund getreten ist. Sie ist aber weiter Thema." Deshalb müsse die Kirche "dranbleiben, auch wenn's für uns selbst manchmal schwierig ist."

Das "Bündnis für Menschlichkeit - Sichere Häfen Landkreise Starnberg und Weilheim-Schongau" informiert am Donnerstag, 17. September, um 19 Uhr im Evangelischen Gemeindesaal in Starnberg über "United4Rescue". Erwartet wird der Starnberger Kapitän Sampo Widmann, der vor Libyen unterwegs war. Weitere Infos unter www.sicherehaefen.de.

© SZ vom 03.09.2020

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