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Flächenfraß:Wortklauberei ums Aubachtal

Das Gelände bleibt für ein Gewerbegebiet im Gespräch. Dagegen sammeln Naturschützer mehr als 5000 Unterschriften.

Von Patrizia Steipe, Seefeld

Nach einer leidenschaftlichen Diskussion im Seefelder Gemeinderat bleibt das Aubachtal im Gespräch für ein Gewerbegebiet. Angesichts drohender Einbußen bei den Steuern befürchtet die Gemeinde bis zu drei Millionen Euro weniger Einnahmen, ein neues Gewerbegebiet sei also dringend notwendig. Dabei sollte jedoch das Aubachtal von vornherein aus den Untersuchungen ausgeschlossen werden, forderten CSU, SPD und Grüne/BI in einem Antrag. In der Sitzung vom Dienstag haben sie allerdings nur einen Teilerfolg erreichen können.

Mehrheitlich beschloss der Gemeinderat, lediglich den Begriff "Scoping" aus dem Januarbeschluss durch "informelles Fachgespräch" zu ersetzen. Noch vor der Sommerpause sollen jetzt die zuständigen Fachbehörden eine Einschätzung über die Standorte bei Gut Delling (Aubachtal), an der Inninger Straße (westlicher Ortsausgang von Hechendorf), am Kammerloher Stadl sowie über die Standorte aus der Bürgerbeteiligung geben. Abgelehnt wurde der Antrag der CSU-, SPD- und Grünen/BI-Fraktion. Sie hatten sich dafür eingesetzt, dass nur die Standorte Inninger Straße und Gewerbepark Seefeld untersucht werden. Auch der Antrag, dass das Aubachtal aus der Untersuchung herausgenommen werden soll, fiel in der Abstimmung durch.

Seefeld: Aubachtal mit Blick auf Seefeld

Im Aubachtal bei Seefeld darf kein Gewerbegebiet entstehen.

(Foto: Nila Thiel)

Den Beginn der Debatte machte ein Geschäftsordnungsantrag von Oswald Gasser (FDP). Er wollte den Tagesordnungspunkt absetzen, "weil es keine neuen Erkenntnisse gibt". Das sahen die Antragssteller anders. "Scoping ist ein falscher Begriff", betonte Ortwin Gentz (Grüne/BI). Bei einem Scoping-Termin würde der Untersuchungsrahmen für eine Umweltverträglichkeitsprüfung einer Baumaßnahme abgegrenzt. Da es tatsächlich noch kein konkretes Bauvorhaben gibt, stimmte das Gremium zu, den umstrittenen Begriff zu ersetzen.

Nicht einverstanden war die Mehrheit damit, dass das Aubachtal, aber auch die Lama-Wiese aus der Untersuchung ausgeschlossen werden sollten. "Mit uns gibt es kein Gewerbegebiet im Aubachtal. Das widerspricht dem, was sich die Bürger gewünscht haben", mahnte Sonja Hoppe (Grüne/BI). Deswegen brauche dieser Standort gar nicht erst beurteilt werden. Das sah Ulrich Pirzer (FWG) ganz anders: "Ich möchte von den Fachbehörden hören, wie wertvoll der Standort Aubachtal ist, und es nicht aus den Parteiprogrammen herauslesen." Die Beurteilung der Behörden sei außerdem nur eine Einschätzung und noch lange kein Auftrag, stimmte Johanna Senft (BVS) zu.

Seefeld: Petition : Kein Gewerbegebiet im Aubachtal

5401 Unterstützer hat die Petition des Bundes Naturschutz.

(Foto: Nila Thiel)

Die Mehrheit im Gemeinderat schloss sich schließlich der Auffassung von Stefan Futterknecht von der Bauverwaltung an. Die über das ganze Gemeindegebiet verteilten Standortvorschläge würden eine "umfassende Untersuchung" gewährleisten. "Eine Vorauswahl könnte hingegen dazu führen, dass in der öffentlichen Diskussion das Verfahren angezweifelt wird und offene Fragen bleiben", befürchtete Futterknecht.

Bei dem informellen Fachgespräch soll es darum gehen, ob Standorte für eine Gewerbeansiedlung grundsätzlich geeignet oder nicht erscheinen. Dies soll in einer Bewertungsmatrix festgehalten werden. Das Ergebnis der Prüfung soll anschließend als Entscheidungshilfe für den Gemeinderat dienen. Der könne sich dann auf einen konkreten Standort festlegen.

Dass die Wahl keinesfalls auf das Aubachtal fallen dürfe, das unterstrich die Ortsgruppe Seefeld und die Kreisgruppe des Bundes Naturschutz (BN) mit einer Unterschriftensammlung. Sie überreichten am Mittwochnachmittag 5401 Unterschriften ihrer Petition "Kein Gewerbegebiet im Aubachtal an der Eichenallee" an Bürgermeister Klaus Kögel.

© SZ vom 02.07.2020

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