Flächenfraß:Feste Stellflächen statt Provisorium

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Behelfsparkplatz an Dießens Realschule soll versiegelt werden

Von Armin Greune, Dießen

Noch ist die Marktgemeinde relativ reich an innerörtlichen Grünflächen. Doch der nächste Schritt in Richtung Asphaltwüste ist schon abzusehen: Auf der nur als Entlastungsparkplatz genutzten Wiese gegenüber der Realschule will der Gemeinderat nun dauerhaft 92 befestigte Abstellplätze für Autos einrichten. Pläne, dort an der Rotter Straße zudem Wohnhäuser zu errichten, hat man hingegen begraben: Die Regierung von Oberbayern, von der sich das Rathaus Zuschüsse erhofft, habe signalisiert, dem Bau "sehr kritisch" gegenüberzustehen, sagte Bürgermeister Herbert Kirsch in der jüngsten Sitzung.

2014 wurden erstmals Pläne für das 4744 Quadratmeter große Grundstück vorgestellt, das bislang lediglich mit einigen Kiesstreifen und Absperrbändern markiert ist. Nur bei großen Veranstaltungen in Kloster, Marienmünster oder Mehrzweckhalle sowie beim Töpfermarkt wird das Areal als öffentlicher Parkplatz genutzt, sonst stellen dort allenfalls einzelne Realschullehrer Autos ab. Dennoch wollte die Kommune schon 2016 ihre Fläche asphaltieren und 147 Parkplätze abgrenzen lassen - was der Entwurfsplanung zufolge 557 000 Euro gekostet hätte, 220 000 Euro wurden als Förderung erwartet. Das Vorhaben rief seinerzeit scharfe Kritik hervor: Eberhard Sening, Ortsvorsitzender des Bunds Naturschutz, bezeichnete die Versiegelung als "totalen Blödsinn".

In der Sitzung am Montag legte die beim Integrierten Städtebaulichen Entwicklungskonzept beratende Planerin Barbara Hummel einen neuen Entwurf vor, der zunächst nur im westlichen Bereich 48 Parkplätze vorsah. Es handle sich um eine der für Dießen typischen Freiflächen und "eine wichtige Wiese, mit der man vorsichtig umgehen muss": Über das abfallende Gelände ergäben sich wertvolle Blickbeziehungen zum Ortsrand. Ihr Entwurf betone den "grünen Charakter" mit prägenden Bäumen und könne eventuell nach Osten auf 92 Stellplätze erweitert werden. Auch für eine zwischenzeitlich erwogene Bebauung hatte sie eine Skizze mit zwei zweigeschossigen Häusern angefertigt, meinte aber: "Ich kann's mir nicht vorstellen."

Im Gemeinderat wurden Stimmen laut, die fürchteten, dass die Fläche wie der Platz an der Von-Eichendorff-Straße von Dauerparkern blockiert werde. Kirsch entgegnete, gegebenenfalls müsse man dann Beschränkungen erlassen. Er sah Handlungsbedarf, weil das Provisorium nach Regenfällen aufweicht "und die meiste Zeit nicht befahrbar und gesperrt ist". Michael Hofmann fand hingegen, "man müsse gar nichts machen, Parkplätze ziehen bloß Autos an". Doch seine Warnung verhallte ungehört: Alle übrigen Gemeinderäte votierten dafür, die Planung für den großen Parkplatz weiterzuverfolgen.

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