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Fischerei:Die Durststrecke hält an

Fischer überprüfen Fischbestände

Mit viel feinmaschigeren Netzen als Berufsfischer hoffen Mitarbeiter des Starnberger Instituts für Fischerei, im Rahmen eines internationalen Projekts mehr über das Artenspektrum im Starnberger See zu erfahren.

(Foto: Franz-Xaver Fuchs)

Am Starnberger See warten die Berufsfischer weiter vergeblich darauf, dass die Renkenerträge endlich wieder zunehmen. Dafür wurden heuer viele Karpfen, Aale und Waller gefangen - darunter auch der größte Fisch, der dort jemals in die Netze ging

2,08 Meter lang und 45 Kilo schwer: Vor sechs Wochen haben Katrin Kirner, Elisabeth Huber und Rudolf Müller diese neue Bestmarke gesetzt. Der Waller, der ihnen bei Sankt Heinrich ins Trappnetz ging, dürfte der größte - nicht aber der schwerste - Fisch sein, der seit Menschengedenken im Starnberger See erbeutet wurde. Die Berufsfischer dort sind freilich weit von Rekordfängen entfernt. Andreas Gastl-Pischetsrieder, Vorsitzender der Fischereigenossenschaft Würmsee, zog am Freitag beim Fischerjahrtag ernüchtert Bilanz: "In der Summe müssen wir wieder von einem mäßigen Fangjahr sprechen", sagte er vor rund 60 Anwesenden im Seesaal der Bernrieder Marina.

Bei denjenigen unter den 34 Genossen, die bei ihren Einkünften wesentlich auf Fische angewiesen sind, entscheidet vor allem der Renkenertrag über den Erfolg einer Saison. Wiederholt wurde in den Vorjahren die Erwartung laut, dass sich der seit 2011 beobachtete Rückgang des "Brotfisches" endlich umkehrt - so auch beim Fischerjahrtag 2018. Doch die Hoffnung auf eine Wende wurde auch heuer enttäuscht, meinte Gastl-Pischetsrieder: "Gab es zu Beginn des Jahres verhältnismäßig gute Renkenfänge, mussten wir anschließend eine sehr lange Durststrecke durchstehen." Nur mit Bodennetzen konnten im Juni und Juli mehrere große Renken gefangen werden. Erst in den letzten Wochen hätten die Erträge wieder zugenommen: An einzelnen Tagen wurden auch mal wieder mehr als 100 Renken aus dem See gezogen. Die einzelnen Fische sind aber nach wie vor recht klein: Ihr Durchschnittsgewicht liegt unter 200 Gramm.

Als Ursache dafür vermutet der Vorsitzende das weiterhin geringe Planktonaufkommen im See. Im Rahmen des Nitroflex-Projekts werde derzeit untersucht, inwieweit das Verhältnis von Stickstoff zu Phosphor im See die Plankton-Entwicklung und das Renkenwachstum beeinflusst, berichtete Michael Schubert, Bereichsleiter am Starnberger Institut für Fischerei. Er bat die Genossen, weiterhin Fischmägen zur Verfügung zu stellen, um darin den Planktongehalt ermitteln zu können. Seit 2014 sei das Durchschnittsgewicht der Renken eines Jahrgangs beständig gesunken - doch immerhin hätte die Versuchsfischerei des Instituts heuer deutlich bessere Ergebnisse als in den Vorjahren gezeigt.

In diesen Tagen seien Institutsmitarbeiter auf dem See im Dienste einer anderen Versuchsfischerei unterwegs, sagte Schubert. Im Rahmen des internationalen Projekts "Eco-AlpsWater" soll die Artenzusammensetzung im Starnberger See erfasst werden. Im ersten Schritt habe man dazu in nördlichen Teil Boden- und Schwebnetze mit engen Maschen ausgelegt. Dabei wurden 1700 Fische gefangen, zu 78 Prozent waren es bis zu 10 Zentimeter große Barsche. In der nächsten Woche werde mit 80 Netzen das Artenspektrum im Südteil des Sees erfasst, im Oktober soll Elektrofischerei an den Ufern weitere Erkenntnisse bringen. Schubert hofft, die Ergebnisse im November bei einer Tagung in Starnberg vorstellen zu können.

Für die Genossen sind nicht alle der 26 Fischarten interessant, die im Starnberger See vermutet werden. Dafür setzen sie neben Renken, Seeforellen, Saiblingen und Hechten auch Aale und Karpfen aus, die nicht natürlich im See vorkommen. Beide Arten lieferten heuer ansehnliche Erträge: Aale wurden vor allem zum Sommeranfang nach Starkregenfällen erwischt, "bei den Karpfen sind zum Teil wirklich gute Fänge möglich", sagte Gastl-Pischetsrieder. Gleiches gelte für Hechte und Waller, während Zander fast überhaupt nicht mehr in die Netze gingen.