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Kupfermuseum in Fischen:Rotes Gold

Eine Sonderausstellung im Kupfermuseum in Fischen beschäftigt sich mit österlichen Bräuchen Es wird aber auch wertvolles Geschirr wie das aus der Schlossküche von Sisi in Possenhofen gezeigt

Die Fastenzeit ist zu Ende und manch einer hat es vielleicht in den vergangenen Tagen mit dem selbst auferlegten Verzicht schon ein wenig lockerer genommen. Dass vor dem Osterfest noch die Karwoche kommt, eine stille Trauerwoche im Gedenken des Leidens und Sterbens Jesu, in der noch vor wenigen Jahrzehnten neben einem strengen Fastengebot auch ein Verbot aller öffentlichen Feierlichkeiten galt - das ist in unseren modernen Zeiten beinahe in Vergessenheit geraten. Allerdings haben auch die unterschiedlichsten Versuche, die Verbote der vorösterlichen Fastenzeit zu umgehen, eine sehr lange Tradition. Im Kupfermuseum in Fischen am Ammersee ist derzeit eine Sonderausstellung zu sehen, die kirchliche wie auch weltliche Bräuche, Kunst, Kunsthandwerk und Kitsch rund ums Osterfest veranschaulicht.

Das Prunkstück der Ausstellung im Kupfermuseum ist ein lebensgroßes und lebensechtes Lamm.

(Foto: Arlet Ulfers)

Legendär war der Erfindungsreichtum der genussfreudigen barocken Klosterherren, wenn es darum ging, verbotenes Fleisch in erlaubten Fisch zu verwandeln. Weil Biber, Fischotter oder Wildgänse ja mehrheitlich im Wasser lebten, wurden sie kurzerhand den Fischen zugeschlagen, ebenso wie Krebse, Schnecken und Frösche. Im Kupfermuseum sind es kunstvoll gefertigte Pasteten- und Bratenformen, die große Schalentiere oder Fische darstellen und ein beredtes Zeugnis von klösterlichen Fastenspeisen ablegen: Man pürierte das Fleisch und servierte es in Form eines Fisches, wie der Kunsthändler Siegfried Kuhnke erläutert. Seit einem halben Jahrhundert sammelt er alles, was aus dem "roten Gold" gefertigt wurde. Seit zehn Jahren präsentiert er rund 1000 Objekte aus Kupfer in der Tenne eines alten Gutshofs im Pähler Ortsteil Fischen, mittlerweile hat er die Sammlung in eine Stiftung eingebracht. Auch ein kupferner Fastenzeit-Bierkrug aus dem 17. Jahrhundert gehört zu den Exponaten. Während Kupfer heute auf dem Kunstmarkt eher gering geschätzt wird, konnten sich in früheren Zeiten nur Adelshäuser und Klöster Küchengerätschaften aus Kupfer leisten.

Siegfried und Evelyn Kuhnke zeigen in ihrem Kupfermuseum die Prunkstücke der Ausstellung.

(Foto: Arlet Ulfers)

Vieles dürfte in den beiden Weltkriegen verloren gegangen sein, als Kupfergegenstände zur Herstellung von Patronenhülsen eingezogen wurden. Ein Kupferkessel, in dem in der Wiener Hofzuckerbäckerei Mandeln geröstet wurden, und das Kupfergeschirr aus der Possenhofener Schlossküche dürften nicht zuletzt die Herzen von Sisi-Fans höher schlagen lassen.

Für Siegfried Kuhnke, der das Museum zusammen mit seiner Frau Evelyn und seiner Tochter Madlon führt, ist das Prunkstück der Ausstellung ein lebensgroßes und ungewöhnlich lebensechtes Lamm. Es gehörte ursprünglich zur Ausstattung einer Kirche im süddeutschen Raum und stand in der Karwoche als Symbol für die Auferstehung auf dem Altar. Vermutlich wegen der Langlebigkeit des Materials ließ man es aus Kupfer treiben. Aber auch unter dem Edelmetall vieler wertvoller Silber- und Goldschmiedearbeiten findet sich Kupfer, bei einer Arbeit aus einer Augsburger Werkstatt ist es als rotes Herz Jesu sogar sichtbar. Kuhnke zeigt außerdem eine ungewöhnliche Reliefplatte aus dem 18. Jahrhundert mit der Grablegung Christi: Unter dem Sargdeckel, der sich öffnen lässt, befindet sich ein Stück des Turiner Grabtuchs als Reliquie. Auch eine Ikone mit Silber-Oklad und verschiedene kostbare Vortragekreuze gehören zur Ausstellung.

Aus dem einstmals edlen Werkstoff Kupfer wurden in der Osterzeit auch Hennen-Motive gefertigt.

(Foto: Arlet Ulfers)

Einen weiteren Bereich der Osterbräuche deckt die Ausstellung mit einer Reihe von bezaubernden Hasenmodeln ab, in denen in einer Schweizer Konfiserie Schokoladenhasen in verschiedenen Größen hergestellt wurden. Auch das Osterlamm als sogenanntes Gebildbrot wurde in früheren Zeiten in einer kupfernen Form gebacken. In einer um 1700 gefertigten Prunkschüssel bilden drei Hasen mit ihren Löffeln das Auge Gottes. Und schließlich darf auch das berühmte Huhn, das Richard Riemerschmid 1896 für die Firma Winhart & Co. entwarf und in dessen Kupferkörper man drei Eier kochen konnte, als durchaus kuriose Design-Ikone nicht fehlen.

Die Grenzen zwischen Kunst und Kitsch werden freilich nur von einem vermeintlichen Fabergé-Ei, das in China hergestellt wurde, überschritten. Insgesamt ist die - ohnehin schon mehr als sehenswerte - Kupfersammlung für die aktuelle Ausstellung durch weitere 200 Exponate ergänzt worden. Der tote Feldhase auf einem Mahlzeitenstillleben mit Kupfergeschirr ist aber wohl nur zufällig hineingeraten und man darf hoffen, dass es sich nicht um den echten Osterhasen handelt.

Die Ausstellung "Ostern. Kunst und Kitsch" ist noch bis zum 8. Juni 2017 jeweils mittwochs bis samstags von 10 bis 16 Uhr Im Kupfermuseum Fischen, Herrschinger Straße 1, zu sehen.

© SZ vom 15.04.2017
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