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Filmtheater in der Krise:Liebesgrüße aus Tutzing

Tutzing: Kurtheater: Kichael Teubig in der Coronakrise

Kommt vorerst über die Runden: Michael Teubig in seinem leeren Tutzinger Filmtheaters.

(Foto: Nila Thiel)

Kinofreunde sichern mit Spenden vorerst das Kurtheater in Tutzing. Welche Produktionen der Betreiber Michael Teubig nach der Zwangspause zeigen kann, ist noch ungewiss

Das Überleben des Tutzinger Kinos ist erst einmal gesichert. Michael Teubig, Betreiber des Kurtheaters, freut sich sehr über die große Spendenbereitschaft vieler Tutzinger. Damit hofft er die wochenlange, wegen der Corona-Krise erzwungene Schließung des beliebten kleinen Kinos in der Kirchenstraße überstehen zu können. Am 17. März hatte er mit Hilfe des Kurtheater-Fördervereins eine Spendenaktion gestartet. 22 Besucher und Freunde des Hauses überwiesen innerhalb weniger Tage einen "namhaften Betrag", so Teubig.

Eine genaue Summe will er nicht nennen, um in diesen Tagen keinen Neid zu wecken. "Aber vom kleinen Mädchen, das 15 Euro gegeben hat, bis zur reichen Dame aus Kampberg mit 500 Euro war alles dabei", sagt er mit Blick auf die Überweisungen, die natürlich als Spenden gegenüber dem Finanzamt deklariert würden. "Es ist schön zu wissen, dass die Tutzinger das Kurtheater und mich persönlich nicht im Stich lassen und mithelfen, die unverschuldete und so noch nie dagewesene Krise zu überstehen", bedankt sich Teubig.

Das Geld ist dringend nötig, um weiter Pacht und Nebenkosten für das Kino bestreiten zu können - auch wenn sich der Eigentümer des Lichtspielhauses schon entgegenkommend gezeigt habe, wie Teubig betont. "Es ist klar, dass ein wochenlanger Null-Umsatz die wenigen Rücklagen schnell schmelzen lässt und mit jedem Euro, der hereinkommt, das Risiko, dass das Kurtheater für immer schließen muss, minimiert wird", so die Hoffnung. Gut kommt offenbar auch der Aufruf der Tutzinger Grünen an, für einen fiktiven Kinobesuch Geld zu überweisen. Man sucht sich daheim eine DVD aus, macht es sich auf dem Sofa bequem und spendet den üblichen Tichetpreis von 8,50 Euro pro Person. Näheres unter www.gruene-tutzing.de/fiktive-kinovorstellung.

Der leidenschaftliche Cineast führt das Kino seit 17 Jahren mit großem persönlichen Einsatz. Zwischen 12 000 und 15 000 Besucher nutzen jedes Jahr das lokale Angebot. Dass das Kino jetzt bis 19. April zubleibt, hält Teubig für richtig, hofft aber dann, wieder den normalen Betrieb zu starten. Welche Filme er zeigen kann, weiß er nicht. Die Situation ist für die ganze Branche kompliziert. Der für den 2. April angesetzt Start des neuen James Bond, auf den viele Kino-Betreiber gesetzt hätten, ist auf November verschoben. Die meisten Filmverleiher verlegen auch alle anderen Filme in den Herbst. "Es häuft sich alles nach hinten, da haben wir nichts davon", befürchtet der Tutzinger. Was ist, wenn er über den 19. April hinaus dicht machen müsste, will er sich gar nicht ausmalen. Momentan nutzt er die Zeit, das Kino ordentlich aufzuhübschen. "Ein gründlicher Frühjahrsputz ist angesagt", signalisiert Teubig Optimismus, dass er bald wieder aufsperren wird.

© SZ vom 27.03.2020

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