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Hadorfer Kinderfeuerwehr:Nachwuchs für den Notfall

Bei der Freiwilligen Feuerwehr im Starnberger Ortsteil gibt es erstmals eine Kindergruppe. Die Buben und Mädchen werden spielerisch auf den Einsatz im Ernstfall vorbereitet. Noch dürfen sie aber nur Attrappen löschen.

Ein Einfamilienhaus steht in Brand, Flammen lodern aus den Fenstern im Erdgeschoß. Die Feuerwehr ist vor Ort und richtet ihre Löschschläuche auf das Gebäude, bis das Feuer bekämpft ist. Mit diesem Szenario waren die Kinder der Hadorfer Kinderfeuerwehr kürzlich bei einer Übung konfrontiert. Natürlich stand kein echtes Haus in Flammen. Mit einer Attrappe aus Holz, hinter dessen Fenstern hölzerne Flammen zu sehen sind, stellten die Mädchen und Buben einen Einsatz nach.

Wenn sie den Wasserstrahl des Löschschlauchs auf die Fenster richten, füllt sich ein Behälter, der auf der Innenseite montiert ist. Durch das Gewicht sinkt dieser nach unten und die "Flammen" verschwinden. Der "Brand" ist somit gelöscht und der Einsatz ein voller Erfolg. Die 20 Mitglieder der neu gegründeten Kinderfeuerwehr bringen frischen Wind ins Hadorfer Feuerwehrhaus. Beim Feuerwehrfest des Ortsverbandes an diesem Samstag stellt sich der Nachwuchs als offizieller Teil der Truppe vor.

Kinderfeuerwehr in Hadorf

Wasser marsch: Bianca Walther, Lucia, Louis, Larissa, Loui und Alex (v.l.) bei der Kinderfeuerwehr. Hinter allem steht Marcus Fohrmann.

(Foto: Franz Xaver Fuchs)

Spielerisch lernen die Kinder die Arbeit einer Feuerwehr kennen. Wie man Brände bekämpft, ist aber nicht das einzige, was ihnen vermittelt wird. Auf dem Lehrplan stehen auch Erste Hilfe, Brandschutz oder das richtige Absetzten eines Notrufs. Zudem wird es auch Ausflüge geben, zum Beispiel zur Feuerwehr am Flughafen oder zum Technischen Hilfswerk. In Zukunft soll mindestens ein Mal pro Monat mit den Kindern gearbeitet werden, während der Sommermonate sind alle zwei Wochen Gruppenstunden geplant.

"Die Übungen machen großen Spaß. Vor allem, weil viele meiner Freunde dabei sind", sagt die achtjährige Lucia. Für Alex, 10, ist es das Feuerwehrauto, was ihn am meisten beeindruckt. "Aber das Löschen finde ich auch cool", berichtet der Grundschüler. Der zehnjährige Luis eifert seinem Papa Marcus Fohrmann, dem stellvertretenden Kommandanten der Ortsgruppe, nach. "Ich möchte lernen, wie ich mich im Notfall verhalten muss", sagt er. Auch der Vater von Loui, 7, ist bei der Feuerwehr aktiv. "Das ist cool", meint er. "Ich möchte auch Menschen retten."

Kinderfeuerwehr in Hadorf

Auf dem Schlauch stehen die Kinder der Freiwilligen Feuerwehr Hadorf definitiv nicht.

(Foto: Franz Xaver Fuchs)

Jugendfeuerwehrgruppen gibt es Unzählige, so gut wie jede Freiwillige Feuerwehr hat eine. Um Mitglied zu werden, muss man mindestens zwölf Jahre alt sein. Kinder unter zwölf in den Verein zu integrieren, war unter anderem aus versicherungstechnischen Gründen lange Zeit schwierig. Seit einer Gesetzesänderung vor gut zwei Jahren können nun auch Kinder ab sechs Jahren bei der Feuerwehr aktiv werden. Die einzige Voraussetzung ist, dass die Gemeinde zustimmen muss. Seit der Gründung am 1. Mai sind die Kinder in Hadorf offiziell Teil des Ortsverbandes und somit die erste Kinderfeuerwehr der Kommune. Im Landkreis gibt es momentan noch vier weitere, zum Beispiel in Berg oder Kempfenhausen.

Es ist vor allem Teamgeist, was Fohrmann und Kinder- und Jugendwartin Bianca Walther den Kindern beibringen möchten. "Sie lernen, Aufgaben als Team zu lösen", erklärt der 50-Jährige. Schon nach so kurzer Zeit sei der Zusammenhalt in der Gruppe ungemein gewachsen. Ein weiteres Ziel sei, die Kinder früh an den Verein zu binden. Bei den Übungen werden auch die verschiedenen Talente der Nachwuchsfeuerwehrleute gefördert. "Jedes Kind kann etwas, das es in das Team einbringen kann", sagt Walther, die bereits seit 20 Jahren Mitglied der freiwilligen Feuerwehr ist. Die Aktivitäten der Kinderfeuerwehr seien auch eine sinnvolle Beschäftigung, sagt die 32-Jährige. "Und das Ganze ist kostenlos", betont sie.

Das Hadorfer Feuerwehrfest findet am Samstag, 13. Juli, beim Feuerwehrhaus, Maurerberg 5, statt. Beginn ist um zehn Uhr.