Festival in Dießen Zurück zum frühen Tollwood

Tom Bohn plant nach seinen Filmtagen den zweiten Streich: ein Festival in Dießen, das mit Bands wie "Selig" und den "Fishbones", gutem Essen und Kunsthandwerk 10 000 Besucher anlocken soll.

Von Astrid Becker

Es soll Menschen geben, die von sich behaupten, unter der Dusche die besten Ideen zu haben. Tom Bohn ist so ein Mensch. Eines Tages jedenfalls stand der 1959 geborene Mann, der unter anderem als Werbefilmer, Autor und Regisseur fürs Fernsehen gearbeitet hat, unter dem kühlen Nass und dachte sich, warum nicht mal was am Ammersee machen. Ein Festival. Genauer gesagt das "Magic Lake Festival". Mit Musik, gutem Essen und Kunsthandwerk. Und zwar genau in Dießen. Direkt am Seeufer.

Weil es da so schön ist, weil dort viele Kreative und Künstler leben und sogar ein paar "Durchgeknallte". So formuliert es Bohn jedenfalls. Und er muss es wissen. Er lebt abwechselnd in Landsberg, in Berlin - und eben in Dießen. Und er kennt die Gegend und ihre Befindlichkeiten noch aus einem anderen Grund: Zusammen mit Jürgen Farenholtz hat er das Showdance Independent Filmfestival in Landsberg initiiert, das heuer bereits zum vierten Mal stattgefunden hat. Und nach dem großen Erfolg in Landsberg wollen Bohn und Farenholtz nun den Ammersee "rocken" - und zwar im wahrsten Sinne des Wortes. Etwa zehntausend Besucher erwarten sie zu ihrem Festival, das von 22. bis 24. September auf einer Freifläche in See- und Bahnhofsnähe gefeiert werden soll. Das ist definitiv schon mal praktisch, vor allem für diejenigen, die gern ihr Auto zu Hause lassen wollen. Die Veranstalter hoffen, dass dies möglichst viele sein werden, denn eines wollen sie partout nicht: Anwohner durch Lärm stören und die Umwelt in irgendeiner Form belasten. Deshalb legen sie auch Wert darauf, möglichst auf Plastikbecher zu verzichten, überhaupt Müll und Dreck so weit möglich zu vermeiden und "nachhaltig" zu sein, wie sie sagen. Spätestens an diesem Punkt könnte klar werden, wo sich Bohn und Co. Anleihen für ihr Festivalkonzept genommen haben: von Tollwood.

Tom Bohn (3.v.li) und seinTeam legen Wert auf entspannte Atmosphäre.

(Foto: Astrid Becker)

Das verhehlen sie auch nicht. Allerdings, so sagen sie, "ist unsere Idee eher so wie die Anfangsidee von Tollwood." Deshalb darf unter dem Magic Lake Festival auch kein reines Musikfestival verstanden werden, auch wenn die Bands und DJs, die bereits zugesagt haben, den Eindruck durchaus erwecken könnten: die Hamburger Band Selig, Supercharge aus England, die Bananafishbones aus Bad Tölz, die DJane Marusha, der DJ Tom Novy, der DJ Niels van Gogh - sie alle werden am Ammerseeufer live zu erleben sein. Und das ist schon mal recht beachtlich für ein Festival, von dem gegenwärtig niemand wissen kann, ob es funktionieren wird. Denn einfach kann es nicht gewesen, all diese Musiker für einen Event zu gewinnen, der keinerlei aussagekräftige Referenzen besitzt, zum Beispiel, wie viele Menschen es besuchen werden. Theoretisch könnten das 18 000 Zuschauer sein. So viele würden nach den Berechnungen der Veranstalter auf dem einstigen Volksfestgelände in den Seeanlagen Platz finden. Doch Gedränge wollen sie bei ihrem Festival vermeiden, daher werden nur 3000 Menschen gleichzeitig das Areal betreten dürfen. Schon aus Sicherheitsgründen, wie Bohn sagt. Daher werde das Gelände abgeriegelt und Taschen kontrolliert. Möglicherweise wird die Mitnahme von Rucksäcken sogar noch verboten. "Wir behalten uns auch vor, Leute nicht reinzulassen", kündigt Bohn an.

Dafür soll es beim Festival selbst recht entspannt zugehen. Neben den zwei Bühnen, die abwechselnd bespielt werden, wird es eine "Chill-Area" geben, die zu Gesprächen einladen soll. Kommunikation ist daher eines der Worte, die Bohn häufig benutzt, wenn er über sein neuestes Projekt spricht. Allzu laut soll es ebenfalls nicht werden: "Niemand soll mit einem Pfeifen im Ohr vom Gelände gehen", sagt er. Dafür will auch die AOK sorgen, die das Festival unter anderem sponsert und schon mal von Ohrstöpseln spricht, die man ans Publikum verteilen könnte. Ob das allerdings nötig sein wird, muss sich erweisen. Auf dem Programm stehen auch sogenannte Walking Acts mit Stelzenkünstlern, ein Schauspiel-Workshop, ein Poetry Slam und ein Newcomer-Band-Wettbewerb. Zugesagt dafür haben bereits Wiener Blond aus Österreich: "Nun suchen wir noch nach Nachwuchsbands aus der Region", sagt Bohn. Wer sich beteiligen will, kann unter www.magic-lake-festival.de Kontakt mit den Veranstaltern aufnehmen.

Das Marktangebot à la Tollwood steht ebenfalls schon fest: In diversen Foodtrucks werden regionale Spezialitäten wie Fisch von Händler Mato oder internationale Küche angeboten - etwa aus Sri Lanka vom Restaurant Susantha. Neben Essen und Trinken werden zudem Kunst und Kleidung angeboten. Es gibt aber auch einen Tätowierer, der sein Handwerk während des Festivals großflächig demonstrieren wird, wie es heißt. "Cool, bunt und einzigartig" soll es jedenfalls zugehen, sagen die Veranstalter. Mal schauen.

Das Festival findet am Freitag, 22. September, 15 bis 24 Uhr, am Samstag, 23. September, 11 bis 24 Uhr, und am Sonntag, 10 bis 17 Uhr statt. Tages- und Dreitageskombitickets gibt es unter www.muenchenticket.de. Sie kosten zwischen 23,80 Euro und 85,40 Euro.