FußballnachwuchsMeistertrainer Magath sichtet Talente in Tutzing

Lesezeit: 3 Min.

Startrainer Felix Magath schaut genau hin, wie die Kinder die Slalomstangen mit dem Ball umkurven.
Startrainer Felix Magath schaut genau hin, wie die Kinder die Slalomstangen mit dem Ball umkurven.
Nila Thiel
  • Ex-Nationalspieler und Meistertrainer Felix Magath besucht ein Fußball-Feriencamp des TSV Tutzing mit 50 Kindern im Würmseestadion.
  • Der 73-Jährige zeigt sich nahbar und ohne Allüren, gibt den Kids Tipps zu Technik und Taktik.
  • Magath betont die Wichtigkeit der ehrenamtlichen Jugendarbeit an der Basis und fordert mehr Unterstützung durch die Verbände.
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Der Ex-Nationalspieler beobachtet bei einem Feriencamp im Würmseestadion, was die Kids schon können. Der Experte hält die Basisarbeit für die Zukunft des Fußballs für sehr wichtig.

Von Christian Deussing, Tutzing

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Aufmerksam beobachtet er an Station eins, wie eng die Kinder den Ball beim Dribbling um die Slalomstangen am Fuß halten. „Ja, das machen die schon recht gut. Ich erkenne bei manchem Potenzial und Talent“, sagt der prominente Gasttrainer. Es ist kein Geringerer als Felix Magath, einst Meistertrainer vom FC Bayern München und VfL Wolfsburg, Ex-Nationalspieler, Vizeweltmeister und HSV-Legende. Der TSV Tutzing konnte über einen persönlichen Kontakt Magath dafür gewinnen, am ersten Tag des Fußball-Feriencamps für Sieben- bis 14-Jährige im Würmseestadion teilzunehmen. Dafür haben sich 50 Kids angemeldet. Und sie überreichen ihm als Dank ein TSV-Trikot mit ihren Unterschriften, nachdem sie in einem kurzen Film die Höhepunkte der Magath-Karriere zur Einstimmung ansehen durften.

Inzwischen trägt der 73-Jährige ein TSV-Käppi und sieht, wie ein Spieler bei einer Übung den Ball einige Meter übers Tor schießt. Das Standbein sei zu weit hinten gewesen, sodass die Rückenlage zu dem zu hohen Schuss geführt habe, erläutert Magath. Nun zeigt er Anton, Samuel und Leopold die Technik des Übersteigers und will auch einen Ball hochhalten, was nicht gleich gelingt. „Das könntet ihr besser“, sagt der Erfolgstrainer bescheiden. Magath war wegen seiner harten Trainingsmethoden – unter anderem mit Medizinbällen – in der Branche als „Quälix“ gefürchtet. Davon ist aber hier nichts zu spüren, ohnehin leiten die Übungen die TSV-Jugendtrainer und Betreuer.

„Charakter, Ausdauer und der Wille, sich was zuzutrauen und weiterzumachen, auch wenn man müde ist“: Das sind für Magath wichtige Kriterien, ebenso, die Entwicklung von Spielern zu fördern. Dabei lobt er die Jugendtrainer, wie zum Beispiel beim TSV Tutzing. Diese ehrenamtliche Arbeit an der Basis, die er bewundere, müsse noch viel stärker unterstützt werden, auch von den Verbänden, fordert Magath. Umso mehr erfreut er sich an den disziplinierten Abläufen und am Teamgeist auf dem Fußballcamp.

Nun ist wieder Trinkpause im Schatten. Der zwölfjährige Luis ist Mittelfeldspieler, laufstark und quirlig. Das gefällt dem früheren Mittelfeld-Regisseur, der mit dem HSV unter anderem zwei Europapokalsiege errungen hat. Das Spiel ohne Ball und „den Raum zu begreifen“ seien äußert bedeutsam, betont der Gasttrainer. Das müsse funktionieren, wie auch eine gesunde Zweikampfhärte und ausreichende Fitness. Überdies sei der kurze Pass im richtigen Moment oft entscheidender als der „lange Traumpass“. Luis hört sehr aufmerksam zu.

Felix Magath erklärt den Kids, wie man Bälle  gut stoppt, sich schnell bewegt und genaue Pässe schlägt.
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Nila Thiel

Aber noch ist Pause, denn es ist heiß. Und jede Überforderung soll vermieden werden. „Hast du auch Harry Kane trainiert?“, fragt ein Bub aus der Runde. „Nein, sonst wäre er ja Weltmeister geworden“, witzelt Magath. Der sechsfache Vater zeigt Sinn für Humor. Trainiert habe er aber bei Bayern unter anderem Schweinsteiger, Ballack, Kahn und Pizarro. Diese Spielernamen dürften allerdings eher den Eltern geläufig sein.

Einer von ihnen ist Philipp Münch, der zu den Betreuern des dreitägigen Feriencamps gehört, das der TSV Tutzing zum ersten Mal in dieser Form anbietet. Er ist von Magaths umgänglicher Art beeindruckt. Der sei nahbar, sympathisch und ohne Allüren, findet der Vater. Das unterstreicht auch Sven Klement, Co-Trainer der D-Jugend. Zudem motiviere ein solch bekannter Experte als „Impuls von außen“. Magath ist zwar als neuer Sportvorstand seines Heimatvereins Viktoria Aschaffenburg nicht mehr im ganz großen Fußballgeschäft unterwegs, doch seine Meinung hat immer noch Gewicht. Dazu zählt auch seine Mahnung, dass sich überehrgeizige Eltern nicht Illusionen hingeben sollten. Denn der Weg zum Profifußball sei hart und sehr lang. Und Glück gehöre auch dazu, sagt Magath, der das Konzept der Kinder-Fußballcamps begrüßt. Dabei sollten aber die Freude und der Spaß im Vordergrund stehen.

Gasttrainer Felix Magath erklärt dem SZ-Reporter, worauf es ankommt, um mit Mannschaften erfolgreich zu sein.
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Nila Thiel

Diese spezielle Förderung ist auch ein Anliegen anderer Vereine wie etwa vom FT Starnberg 09. Dessen Vorsitzender Robert Weiß hat nicht nur Talentsichtung und Trainingseinheiten, sondern auch den sozialen Aspekt im Blick, den Kindern mit den Camps zusätzlich etwas zu bieten. Sein Verein arbeitet hierbei mit der „Münchner Fußball-Schule“ (MFS) zusammen. Zudem bietet der SC Pöcking-Possenhofen vom 17. bis  20. August das Joe Albersinger-Fußballcamp für Kinder an. Und auch der SV Planegg-Kralling unterstützt den Nachwuchs mit einem jährlichen Camp, bei dem nach Übungskonzepten des FC Bayern trainiert wird.

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