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Kaserne:Feldafing will hunderte Wohnungen bauen und um 600 Bürger wachsen

Was aussieht wie der Campus einer amerikanischen Universität, ist indes die IT-Schule der Bundeswehr. Auf dem 31,7 Hektar großen Gelände soll sich die Gemeinde Feldafing weiterentwickeln, wenn die Soldaten Ende 2020 abgezogen sind. Wohnungen, Gewerbe und Hotels sind geplant.

(Foto: Gemeinde Feldafing)

Einzigartig in der Region: Auf dem Gelände der Fernmeldeschule soll nach dem Abzug der Bundeswehr ein neuer Ortsteil entstehen - samt einer spektakulären Brücke.

Seit 2001 wird geplant, geredet und gewartet. Jetzt wird es aber ernst mit der Frage, was die Gemeinde Feldafing mit dem Gelände der Fernmeldeschule der Bundeswehr machen will, wenn die Kaserne in gut eineinhalb Jahren aufgelöst wird. Für die Fläche, die rund ein Siebtel des Gemeindegebiets ausmacht, stellten Bürgermeister Bernhard Sontheim und ein Expertenteam am Montagabend im Bürgersaal erstmals "Überlegungen" vor. Pläne könne man das noch nicht nennen, weil noch nichts beschlossen sei. Indes: In der 62-seitigen Präsentation finden sich schon sehr konkrete Vorschläge, die Feldafings Zukunft prägen werden.

Ein Expertenteam aus Stadtplanern, Landschaftsarchitekten, Ökonomen und Verkehrsfachleuten hat das Konversionsprojekt vorangetrieben. Dessen Pläne dienen als Vorstufe zum Integrierten städtebaulichen Entwicklungskonzept, das als Grundlage der Konversion vom Gemeinderat beschlossen werden soll. Federführend ist das Büro "Mahl Gebhard Konzepte" aus München. Andrea Gebhard hat den 70 Feldafingern, die zur Bürgerinfo ins Rathaus gekommen waren, die Pläne vorgestellt.

Das Gelände

31,7 Hektar groß ist das Kasernenareal, das bis Ende 2020 von der Bundeswehr genutzt wird - das entspricht etwa 45 Fußballfeldern. Dann soll die IT-Schule der Bundeswehr in die Pöckinger Maxhof-Kaserne umziehen. Auf dem Gelände befinden sich Wald, Bachläufe und Biotope, die geschützt sind. Rund die Hälfte der Fläche könnte für die Bebauung ins Auge gefasst werden. Die Gemeinde will dem Bund das Areal abkaufen. Über den möglichen Kaufpreis gibt es bisher nur Spekulationen, die Gemeinde hat aber rund sieben Millionen Euro auf die hohe Kante gelegt. "Nur wenn wir das gesamte Areal kaufen, haben wir es als Gemeinde voll und ganz in der Hand, was wir daraus machen wollen und wem wir Flächen geben", erklärt Bürgermeister Sontheim.

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Der Zeitplan

Die Konversion ist auf 15 Jahre ausgelegt. Sontheim spricht von einer "langsamen Herangehensweise, sonst würden wir Feldafing, aber auch den Landkreis, brutal überfordern". Geplant sind drei Bauabschnitte, begonnen werden soll bereits 2021. Den Anfang sollen Sanierung, Umbau und Abriss bestehender Gebäude machen. Von 2026 kämen dann Nachverdichtung und Neubauten zum Zug. 2030 dann der dritte Abschnitt mit einer noch nicht näher definierten "Sondernutzung".

Die Gebäude

Grob gesagt, ist eine Dreiteilung geplant: Entlang der Staatsstraße sollen umweltverträgliche Betriebe und womöglich Forschungseinrichtungen angesiedelt werden, auch als Lärmschutz für die dahinter geplante Wohnbebauung die Hügel hinauf. Ganz im Nordwesten des Areals soll eine "Sonderfläche Tourismus" ausgewiesen werden, womöglich für das erste Fünf-Sterne-Hotel in der Region. Zum im Norden benachbarten Neubau der Artemed-Klinik hin sind Einrichtungen für die Gemeinde vorgesehen: ein neues Feuerwehrhaus, der Bauhof, aber auch ein Kinderhaus und ein Museum.

Ein Sonderfall sind die acht unter Denkmalschutz stehenden Sturmblockhäuser, die 1938 von den Nazis für ihre Reichseliteschule gebaut worden waren. In zwei dieser Häuser könnten 64 kleine Appartements, in weiteren zwei 32 Wohnungen mit 70 Quadratmetern eingerichtet werden. In drei Sturmblockhäusern könnten Stadtvillen über zwei Geschosse gebaut werden. Ein Haus ist für kommunale Nutzungen vorgesehen. Alles soll barrierefrei sein und möglichst viel aus Holz errichtet werden.

Die Einwohner

Klar ist, dass bis 2035 Hunderte Wohnungen gebaut werden. Das wird zu einem Einwohnerzuwachs von jetzt 4400 auf dann rund 5000 Einwohner führen. "Es wird nicht so sein, dass wir laufend neue Kindergärten und Schulen bauen müssen", sagt Bürgermeister Sontheim. Die Gemeinde habe schon in der Vergangenheit großzügig geplant.

Der Verkehr

Das Gelände soll über die Seestraße, also die Staatsstraße in Richtung Tutzing über zwei Kreisverkehre erschlossen werden. Von einer Hauptstraße aus werden Wohn- und Gewerbebereiche erschlossen. Zwei Bushaltestellen in relativ geringem Abstand sind vorgesehen, sie sollen für die Anbindung der neuen Siedlung an das rund 1,2 bis 1,7 Kilometer entfernte Ortszentrum sorgen.

Die Planer haben auch an eine zentrale, riesige Tiefgarage gedacht, die sich in einen der Hänge leicht hineinbauen ließe. Der Nachteil: Sie müsste gleich am Anfang komplett gebaut werden - eine Rieseninvestition. Klar ist, dass die geparkten Autos im Untergrund verschwinden sollen. Die Siemensstraße - die kürzeste Verbindung zum Bahnhof - könnte als Fahrradstraße ausgewiesen werden, auf der auch die Busse fahren dürfen.

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Der Skywalk

Feldafing ist ein besonderer Ort. Er hatte einst die größte Sommervillen-Kolonie Deutschlands, dann später die Eliteschule der Nationalsozialisten. Jetzt nennt sich Feldafing "Die Perle am See", aufgrund der unvergleichlichen Landschaft. So müsse auch die Planung einzigartig sein, war man sich einig, und solch ein Alleinstellungsmerkmal wäre der Skywalk. Damit ist ein aufgeständerter, also auf Holzpfosten gebauter Weg, gemeint, der über eine Länge von 1,3 Kilometern vom Seeufer über den Golfplatz und das Kasernenareal hinweg bis zur Bahn führen würde. Es soll Verweilecken und Aussichtspunkte geben; der Weg überwindet eine Höhendifferenz von 65 Metern, er schlängelt sich wie ein mäandrierender Fluss über das Gelände.

Wie geht es weiter?

Am 9. Juli findet im Rathaus die erste große Bürgerbeteiligung statt. Dort können Bürger die Planung unter die Lupe nehmen, Anregungen und Bedenken äußern. Noch heuer wird der Gemeinderat zwei Wertgutachten in Auftrag geben, auch das Städtebauliche Entwicklungskonzept soll heuer vorgelegt, diskutiert und verabschiedet werden. Über Landeplätze für Lufttaxis, wie ein Bürger anregte, soll indes noch nicht diskutiert werden.

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