Initiative in Feldafing:Wie ein stillgelegtes Schwimmbad wiederbelebt werden soll

Die alte Halle in der Feldafinger Kaserne wird schon lange nicht mehr genutzt. Gerd Schramm hat sich 1972 als Sportlehrer für den Bau eingesetzt - nun kämpft er für die Sanierung.

Von Kim Fischer

"Olympioniken aus 32 Nationen haben dort trainiert", sagt Gerd Schramm. Die Augen des 82-Jährigen fangen an zu leuchten und in seiner Stimme schwingt eine fast kindliche Begeisterung mit, wenn er von dem Schwimmbad spricht, das er mit aufgebaut hat. Er sitzt am Esstisch in seiner Wohnung in Bernried. Vor ihm sind Fotos und Zeitungsausschnitte ausgebreitet, alles fein säuberlich auf buntes Tonpapier geklebt und beschriftet. Schon seit einiger Zeit sammelt er Material für seine Mission: Er will das Schwimmbad auf dem Gelände der Fernmeldeschule der Bundeswehr reaktivieren.

Genutzt wird das Bad schon lange nicht mehr. Auch um die Nutzung des Geländes der Fernmeldeschule der Bundeswehr in Feldafing gibt es seit Jahren Diskussionen. 2001 kündigte die Bundeswehr an, in die Kaserne in Pöcking umzuziehen, woraufhin die Gemeinde Feldafing Pläne schmiedete, wie das Gelände bebaut werden könne. Mehr als 1,6 Millionen Euro flossen bisher in die Planungen, im August 2019 kam dann die Nachricht: Die Bundeswehr zieht doch nicht ab, sie benötigen Teile des Areals noch bis 2027. Damals, als die Gemeinde noch von der Übernahme des Geländes ausging, habe Gerd Schramm erfahren, dass das Schwimmbad abgerissen würde. "Das darf nicht sein", habe er gedacht.

Initiative in Feldafing: Das Schwimmbad war mit 25-Meter-Bahnen, Sprungtürmen und Sauna ausgestattet.

Das Schwimmbad war mit 25-Meter-Bahnen, Sprungtürmen und Sauna ausgestattet.

(Foto: Arlet Ulfers)

Über die Jahre hat der Bernrieder das Dilemma um seinen ehemaligen Arbeitsplatz verfolgt. Den Anstoß für seine Mission gab ein Zeitungsartikel der Süddeutschen Zeitung vom 18. August diesen Jahres: "Sanierungsstau im Schwimmbad." In diesem ging es darum, dass immer mehr Kinder in Bayern nicht schwimmen können. Der Hauptgrund sei, dass immer weniger Schwimmbäder funktionstüchtig sind und deswegen weniger Schulen und Vereine Schwimmunterricht anbieten können. Die Corona-Pandemie hat durch die Schließungen der Bäder die Problematik noch vergrößert.

Doch auch schon vor dieser Zeit konnten knapp 25 Prozent der Grundschulen in Bayern aufgrund des Bädermangels keinen Schwimmunterricht anbieten. Eine deutschlandweite Umfrage aus dem Jahr 2017, die von der Deutschen Lebens-Rettungs-Gesellschaft (DLRG) in Auftrag gegeben worden ist, liefert Zahlen zur Lage: 59 Prozent der Zehnjährigen seien keine sicheren Schwimmer. Denn hierfür brauche man das Jugendschwimmabzeichen in Bronze. 77 Prozent der Grundschüler haben zwar ein Seepferdchen, das aber nicht als Schwimmabzeichen gilt. Es ist lediglich ein Nachweis, dass sich das Kind über 25 Meter über Wasser halten kann.

Initiative in Feldafing: Gerd Schramm kümmert sich auch um seine erblindete Hündin Ronja.

Gerd Schramm kümmert sich auch um seine erblindete Hündin Ronja.

(Foto: Arlet Ulfers)

Der Bädermangel verursacht auch im Landkreis Starnberg Probleme. Laut Sarah Schweighofer, Kreisjugendleiterin der Wasserwacht Starnberg, gibt es nur zwei Schwimmbäder in Starnberg und Pöcking, die Vereinen und Schulen die Möglichkeit für Schwimmkurse bieten. Für die Größe des Landkreises und die Zahl der Einwohner sei das zu wenig. Schon vor Corona betrug die Wartezeit für einen Schwimmkurs bei der Wasserwacht etwa ein Jahr. Nach Corona hat sich diese nun auf eineinhalb Jahre verlängert.

Deswegen möchte Gerd Schramm sich für die Reaktivierung des Schwimmbades einsetzen. "Für die Jugend. Das ist meine Berufung, die liegt mir am Herzen. Das Schwimmbad und die Jugend." Der 82-Jährige war Sportlehrer an der Fernmeldeschule der Bundeswehr in Feldafing, und das 32 Jahre lang. Geboren wurde er in Neustadt in Oberschlesien, im heutigen polnischen Verwaltungsbezirk Oppeln. Nachdem er als Kind mit seiner Familie von dort vertrieben wurde, ließen sie sich in einem kleinen Ort in der Nähe von Schweinfurt in Unterfranken nieder. Seine große Leidenschaft war immer der Sport, deswegen habe er auch später an der Deutschen Sporthochschule in Köln studiert. Nach seiner Ausbildung fing er an der Fernmeldeschule der Bundeswehr in Feldafing als ziviler Sportlehrer an.

Stillgelegtes Hallenschwimmbad der Bundeswehr; Auf dem Feldafinger Kasernengelände:

Das Schwimmbad wird schon lange nicht mehr genutzt.

(Foto: Franz Xaver Fuchs)

In seiner Laufbahn, habe er Tausende Schüler ausgebildet, viele Offiziersanwärter und spätere Generäle, unter anderem auch den heutigen Brigadegeneral Rainer Simon. "Ich war Lehrer aus Leidenschaft", sagt Schramm. "Mir war es sehr wichtig, dass die jungen Leute eine gute Sportausbildung erhalten." Deswegen habe er sich dann auch für den Bau einer Turnhalle, eines Sportplatzes mit Tartanbahn - und eines Schwimmbades eingesetzt.

Als leitender Sportlehrer sei er für die Antragstellung und Planung mitverantwortlich gewesen. "Ich war damals mehrere Male im Verteidigungsministerium in Bonn", erzählt er. "Damals hieß es nur: Ihr habt doch den See vor der Haustür, wofür braucht ihr da ein Schwimmbad?" Er wäre schon immer hartnäckig gewesen und für eine gute Ausbildung haben sie nun einmal eines gebraucht. Schließlich bekam die Schule die entsprechenden finanziellen Mittel und 1972 wurde das Schwimmbad fertig gestellt.

Schramm erinnert sich noch gerne an eine der größten Veranstaltungen dort: Das CISM-Dorf im Rahmen der Olympischen Sommerspiele 1972 in München. Der weltweite Militärsportverband Conseil International du Sport Militaire (CISM) veranstaltete einen Sportwettkampf, um die Beziehungen zwischen Streitkräften verschiedener Länder zu stärken. Schramm war damals als Mitorganisator und Kampfrichter vor Ort. "Das war eine ganz tolle Zeit, so viele Menschen aus aller Welt."

Das Telefon auf dem Esstisch klingelt mit einem schrillen Ton. Gerd Schramm hält es ans Ohr und eine männliche Stimme meldet sich laut zu Wort: "Servus Gerd, hier ist Gernot." Das sei Gernot Abendt, ein ehemaliger Schüler und guter Freund, erklärt der pensionierte Sportlehrer. Abendt war lange Zeit SPD-Gemeinderat in Tutzing und hat auf dem Bundeswehrgelände Führungen durch das Thomas Mann-Haus "Villino" veranstaltet. Jetzt unterstützt er Gerd Schramm bei seinem Vorhaben. Sie haben vor, die Tutzinger Rathauschefin Marlene Greinwald mit ins Boot zu holen, erklärt Schramm. Ziel sei es, mehrere Gemeinden wie beispielsweise Bernried, Tutzing und Feldafing für die Aktivierung an einen Tisch zu bringen. Mit Georg Malterer, dem Bürgermeister von Bernried, habe er sich bereits einmal getroffen. Die Bundeswehr will ausdrücklich keine Stellung zu dem Vorhaben nehmen. Laut Gerd Schramm sollte man die laufenden Schwimmhallenkosten und auch die Renovierungskosten auf mehreren Schultern verteilen.

Als Beispiel führt er das interkommunale Hallenbad in Geretsried im Landkreis Bad Tölz-Wolfratshausen an. Dort haben sich zwei Städte und sechs Gemeinden zusammengeschlossen, um das Hallenbad gemeinsam zu finanzieren, wie sogar die Tagesschau berichtete. Für den Neubau des Hallenbads nahmen die beteiligten Parteien 19 Millionen Euro in die Hand, der Freistaat Bayern beteiligte sich mit 4,2 Millionen.

Gerd Schramms Appell an die Gemeinden ist: Mitmachen und Geld locker machen. "Das ist ja schließlich für ihre Jugend. Sie ist das Wichtigste, das Wertvollste, das wir haben!" Seine Freunde und Familie unterstützen ihn auf seiner Mission, erzählt der Vater von vier Kindern und mittlerweile sechsfache Großvater. "Meine Frau sagte schon zu mir: Du bist jetzt 82 und tust so, als wärst du 60. Du kannst wirklich keine Ruhe geben." Und das stimme, sagt der Bernrieder. Er habe ja schließlich einen Auftrag.

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