Feldafing Jazzklassiker runderneuert

Feldafinger Premiere: Bühne: Ulf Wakenius, Nils Landgren und Lars Danielsson (von links) bei ihrem Gastspiel im Bürgersaal der kleinen Seegemeinde.

(Foto: Franz Xaver Fuchs)

Welturaufführung zum Auftakt der 900-Jahr-Feiern in Feldafing: Die Ausnahmemusiker Nils Landgren, Lars Danielsson und Ulf Wakenius treten erstmals im Trio auf

Von Armin Greune, Feldafing

Jazz im Saal statt auf der Insel, die Nerven des Bürgermeisters und Jazz-Am-See-Vorstands Bernhard Sontheim sind angespannt: Es soll doch alles passen zum Auftakt der 900-Jahr-Feiern von Feldafing. Doch noch während seiner Ansage wird klar, dass es tatsächlich gelungen ist, zu diesem Anlass "etwas ganz Besonderes" zu machen: "Nichts von der Stange", wie es sich der Verein zur Aufgabe gestellt hatte. Denn das Publikum durfte eine Welturaufführung miterleben: Nils Landgren, Lars Danielsson und Ulf Wakenius waren noch nie zuvor im Trio aufgetreten.

Eigentlich erstaunlich - sind diese drei Größen des europäischen Jazz nicht nur alle innerhalb von zwei Jahren in Schweden zur Welt gekommen, sondern stehen zudem beim gleichen Label unter Vertrag. Das erklärt auch, wie es Sontheim gelungen war, drei Musiker in die Provinz zu locken, die jederzeit jeden Club oder Saal einer Großstadt füllen könnten. Denn Siggi Loch und sein Label Act waren von 1998 bis 2007 in Feldafing zu Hause: Damit sei auch ein Bezug zum Ort hergestellt, sagte Sontheim. Als zweiter lokaler Aspekt wäre aufzuführen, dass die Musiker alle schon mal Gastspiele bei Jazz am See gegeben hatte: Gitarrist Wakenius war mit Sohn 2015 da, der Bassist Danielsson spielte 2012 auf der Roseninsel mit Landgren. Und der Starposaunist selbst ist bereits seit 2006 in Feldafing ein alter Bekannter.

Einen dritten lokalen Bezug der Veranstaltung hatte das launische Wetter zunichte gemacht: Eigentlich sollte das Konzert des Jahres wieder auf der Roseninsel stattfinden, wo die Geschichte des Orts vor weit mehr als 900 Jahren begann. Doch das romantische Eiland war im Bürgersaal rasch vergessen, als ein musikalischer Höhepunkt auf den anderen folgte und das Publikum bald jubelnd erkannte, Zeuge eines wirklich einzigartigen Ereignisses zu sein. Das zeigte sich schon im ersten Stück "Joe's Moonblues", das Landgren als Hommage an Joe Sample von den Crusaders geschrieben hatte: Zu Beginn hatte Wakenius noch Schwierigkeiten, seinen Part zwischen den anderen beiden zu finden. Bis er dann im Solo den ganzen Regenbogen an Klangfarben aus seiner E-Gitarre holen durfte, flink die Themen und Tempi wechselte, scheinbar beliebig Melodieläufe aufgriff und sie wieder fallen ließ. Es folgte Quincy Jones' "The Midnight Sun Will Never Set", eine romantische Ballade, der Landgrens sensibles Posaunenspiel eine unverwechselbare raue Wärme verlieh.

Mit Miles Davis' "So What" stellten die drei Künstler erneut unter Beweis, dass sie Klassikern ein völlig neues Gesicht verleihen können: mit gefühlt doppelt so vielen Beats per minute wie im Original, einem rockigen Gitarrenintro und einem Posaunensolo, das schon allein wegen der physischen Leistung Bewunderung hervorrief. Gleich darauf ließ Landgren seine charakteristische Altstimme hören, als er mit zartem, ja zerbrechlichen Timbre "How Fragile We Are" von Sting intonierte und auf seinem berühmten Red Horn mit Loops eine zauberhafte, ätherische Stimmung schuf.

Danielsson steuerte wiederum mit "Double Dance" eine filigrane und humorvoll montierte Kombination zweier Tänze bei, zu der er sich mit Wakenius ein rasantes Duell lieferte: Es war ein wahres Vergnügen, mitzuerleben, wie diese 20 Finger über die Saiten galoppierten. "Moon River", "My Funny Valentine" oder "This Masquerade": Die drei Spitzenmusiker führten in Feldafing keine akademische Debatte über die reine Lehre des Jazz, sondern erforschten eher intuitiv die Seele von Melodie, Harmonie und Rhythmus. "Wir wollen tolle Musik spielen", hatte Landgren zu Beginn angekündigt. Und dazu gehörte tatsächlich auch ein Medley mit Elementen aus dem Beatles-Song "Come Together", bei dem der ganze Saal aufstand und den Rhythmus aufnahm: Jazz zum Mitklatschen - auch damit konnte dieses seit langem ausverkaufte Konzert dienen.