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Fasching in Dießen:Bunter Bonbonregen

Dießen: Faschingstreiben im Rathaus mit BM Herbert Kirsch

Als Obernarr 350 Grundschüler mit einem Bonbon-Regen ruhig stellen - Dießens Bürgermeister Herbert Kirsch genießt seinen letzten Auftritt in dieser Rolle. Bei der Kommunalwahl tritt er nach 24 Jahren nicht mehr an.

(Foto: Nila Thiel)

Grundschüler feiern vor dem Rathaus

Löwen, Piraten, Hexen, Katzen, Punks, Cowboys und Zigeuner stürmen auf das Rathaus zu und versammeln sich unter dem Amtszimmer von Bürgermeister Herbert Kirsch. "Süßes, Süßes, Süßes", schreien die Kinder im Chor. Es ist Tradition, dass am "Lumpigen Donnerstag" die etwa 350 Grundschüler der Carl-Orff-Schule hier so lange Krawall machen, bis der amtierende Bürgermeister einen Bonbonregen auf sie niederlässt.

Mit plärrenden Stimmen singen die Kinder Lieder und fordern lautstark Süßigkeiten. Oben am Fenster steht Bürgermeister Herbert Kirsch mit einer blauen Perücke, auf dem Fensterbrett vor ihm stapeln sich Kisten voller Bonbons. Lange lässt er die Buben und Mädchen nicht warten, dann wirft er die erste Handvoll Süßigkeiten herunter, dann noch eine und noch eine. Es gehen Jubelschreie durch die Gruppe und die Kinder versuchen so viele Bonbons wie möglich aufzusammeln. Peter aus der vierten Klasse ist zufrieden mit seiner Ausbeute. Der Zehnjährige mag Fasching gerne: "Es ist toll, dass die Menschen so höflich sind und den Kindern so viel geben. Aber die Erwachsenen trinken an Fasching immer so viel", findet der Bub. Er ist heute als Astronaut gekommen, dass war früher mal sein Traumberuf. "Jetzt will ich das nicht mehr werden, weil meine Schwester sonst ein bisschen alleine ist auf der Erde." Frida aus der zweiten Klasse ist als Maus verkleidet, sie finde den Schülerfasching immer schön, "weil wir da so viele Süßigkeiten bekommen." Ihre Freundin Rebecca, die als Meerjungfrau gekommen ist, dagegen freue sich immer darauf, "weil man sich da nach Lust verkleiden kann." Manchen ist das Tohuwabohu aber dann doch zu viel, einige Mädchen stehen eher abseits. "Ich bin nicht so auf Guttis aus", sagt eine davon, die als Zigeunerin verkleidet ist.

Die Tradition gibt es schon seit Jahrzehnten, auf jeden Fall schon seit Kirschs erster Amtszeit, also seit mehr als 24 Jahren. "Es ist immer wieder schön, weil sich die Kinder über die Bonbons freuen", sagt er. "Ob sich die Eltern freuen, das weiß ich nicht, aber der ein oder andere Zahnarzt freut sich sicher auch." Der Kontakt zu Kindern sei ihm als Bürgermeister immer wichtig gewesen, deswegen ist der "Lumpige Donnerstag" auch das einzige Event, an dem er während der Faschingszeit immer teilnimmt. Nach fünfzehn Minuten ziehen die Kinder lärmend weiter. Auf dem Boden verstreut bleiben lediglich schon ausgepackte Bonbonpapiere.

© SZ vom 21.02.2020
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