SZ-Kolumne: Ham Ham Hemminger, Folge 23Bellini würde jubeln

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Oh, du schönes Sizilien: Die Insel im Süden Italiens lockt nicht nur mit malerischen Stränden wie hier in Mondello bei Palermo, sondern auch mit einer kulinarischen Vielfalt, die ihresgleichen sucht.
Oh, du schönes Sizilien: Die Insel im Süden Italiens lockt nicht nur mit malerischen Stränden wie hier in Mondello bei Palermo, sondern auch mit einer kulinarischen Vielfalt, die ihresgleichen sucht. Günter Gräfenhain/Mauritius Images

Auf Sizilien erkundet Familie Hemminger die kulinarische Vielfalt der Insel und stellt fest: Sogar bei der Pasta alla Norma, einem Klassiker der italienischen Küche, gibt es verschiedene Abwandlungen.

Von Anna Hemminger

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„Wir haben hier auf Sizilien schon aus Gläsern getrunken, von Tellern gegessen und sind ins Theater gegangen, als ihr im Norden noch auf den Bäumen gekauert habt.“ Diesen Spruch eines Sternekochs erzählt Cettina Vicenzino gerne. Sie ist Sizilianerin und Kochbuchautorin. Wir treffen sie im Nachbardorf Graniti im Ristorante Flora. Der Laden ist rappelvoll. An langen Tischen mit weißen Decken sitzen Familien und Freunde. Wir müssen schreien, um unsere pasta alla norma zu bestellen. 

Sizilien hat eine fast 4000 Jahre alte Geschichte. Griechen, Römer, Araber, Normannen, Staufer – sie alle waren hier und haben ihre Einflüsse auf die Küche hinterlassen. Als die Franzosen die Insel beherrschten, wurden die damaligen Köche in den Adelshäusern zu Superstars. Die sogenannten monsieurs schufteten nächtelang, um neue ungewöhnliche Kreationen zu kochen. Die Sizilianer konnten das Wort „Monsieur“ allerdings kaum aussprechen. So wurden aus dem französischen Koch ein monsú und die Küche, die sich daraus entwickelte, heißt cucina dei monsù. Und die vermischte sich im Laufe der Jahre mit den einfachen Gerichten des Volkes. 

Eine Hauptzutat ist la melanzana, die Aubergine. Die Sizilianer haben mehr als 80 Rezepte für die Eierfrucht, es gibt 14 verschiedene Sorten. Die melanzana nera di Palermo nutzt man zum Beispiel für die caponata, eines der bekanntesten Gemüsegerichte Siziliens. Jedes Dorf macht seine caponata anders, verrät Cettina. Sie bereitet ihre in einer antiken Version zu, mit Eiern und salzig-saurer Soße nach einem Rezept, das auf die Benediktinermönche zurückgeht.

Uns läuft das Wasser im Mund zusammen. Wie gut, dass gerade die Pasta alla Norma, ein weiteres typisches Auberginengericht, serviert wird. Auch hier hat Cettina eine schöne Geschichte. Das Nudelgericht erinnert an die Oper „Norma“ von Vincenzo Bellini. Als der Dichter und Dramatiker Nino Martoglio das erste Mal diese Pasta probierte, rief er genüsslich aus: „Chista è ’na vera Norma“ -das ist eine echte Norma. Denn, so sagt Cettina, eine echte Norma muss wie eine Oper komponiert werden. 

Anna Hemminger mit Cettina Vicenzino.
Anna Hemminger mit Cettina Vicenzino. Patrick Hemminger/oh

Auf unserem Teller sind hausgemachte Maccheroni, Tomatensoße und Auberginenwürfel, darüber ricotta salata aus dem Ofen. Diesen Ricotta gibt es nur hier im Tal. Er schmeckt salzig und süßlich zugleich. „Und ist das eine wahre Norma?“, frage ich neugierig.

Cettina schüttelt den Kopf, ihr fehlt die Komposition. In ihrem Rezept serviert sie Spaghetti, die sind viel eleganter als die kurzen Maccheroni. Und die Auberginen werden in Scheiben gebraten und dekorativ darüber gelegt. Bellini würde jubeln.

Kantinenessen, Hortpampe, Alltagsbrei – Familie Hemminger aus Bernried hat es satt und bricht auf. Das Ziel: Das beste Essen in Europa finden. Was sie dabei erlebt, erzählt die Familie an dieser Stelle in der wöchentlichen Kolumne „Ham Ham Hemminger“. Mehr Informationen gibt es im Blog www.travelandtaste.world und im Podcast „Bock auf Regional – Reise durch Europa“. Alle weiteren Folgen der Kolumne gibt es hier. 

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