Fahrradklima-Test im Landkreis Starnberg Schlechte Noten von den Radlern

Eine Umfrage des ADFC macht die Unzufriedenheit im Fünfseenland deutlich. Die Bewertungen fallen diesmal sogar noch negativer aus als zuvor. Starnberg liegt im landesweiten Ranking fast am Schluss.

Von Michael Berzl

Viele Lücken klaffen im Wegenetz im Landkreis Starnberg, zu einer Demo in München sind auch viele Radler aus dem Fünfseenland und dem Würmtal gefahren, um Verbesserungen zu fordern. Der Nachholbedarf ist groß. Das machen auch die Ergebnisse einer Umfrage des Fahrradclubs ADFC deutlich. Nach den am Dienstag veröffentlichten Zahlen sind die Radfahrer in Gemeinden im Fünfseenland eher noch unzufriedener als in den Vorjahren. In Schulnoten ausgedrückt reicht es oft nur für eine vier.

Auf dem Gilchinger Marktplatz demonstrierten ADFC-Mitglieder im Februar für das Recht, dort mit dem Rad fahren zu dürfen.

(Foto: Franz Xaver Fuchs)

"Es ist nicht so, dass der Radverkehr oberste Priorität hat. Mit Recht fühlen sich Radler etwas im Hintertreffen", sagt dazu der ADFC-Kreisvorsitzende Anton Maier. Nach seinen Worten wird sehr "autoorientiert investiert". So seien der erste Spatenstich für die Gilchinger Umgehungsstraße und die Eröffnung der Starnberger Umgehung genau in den Befragungszeitraum gefallen.

Das Fahrradklima-Ranking veranstaltet der ADFC seit 1988 alle zwei Jahre. Bundesweit wurden in diesem Jahr etwa 170 000 Menschen in Deutschland befragt. Von Anfang September bis Ende November konnten sie über das Radklima in ihren Städten und Gemeinden abstimmen. In das Ranking aufgenommen werden nur Kommunen ab mindestens 50 Teilnehmern. Die Gesamtnote setzt sich aus Einzelnoten zusammen. Eine interaktive Landkarte im Internet (fahrradklima-test.de) zeigt nach Orten aufgeschlüsselt detailliert die Resultate.

Die Noten

Weßling Note 3,7 (2014: 3,4)

Gilching Note 4,0 (2016: 4,1)

Seeshaupt Note 4,0 (neu)

Herrsching Note 4,1 (2014: 4,1)

Inning Note 4,1 (neu)

Dießen Note 4,1 (neu)

Tutzing Note 4,1 (neu)

Gauting Note 4,3 (2016: 4,2)

Starnberg Note 4,5 (2016: 4,2)

Quelle: ADFC Fahrradklima-Test 2018

In Starnberg zum Beispiel haben 119 Teilnehmer ihre Bewertungen abgegeben, in Gauting waren es fast ebenso viele, in Gilching waren es 123. Was in der Kreisstadt und den beiden größten Gemeinden im Landkreis auffällt: Überall fallen die neuen Noten etwas schlechter aus als zwei Jahre zuvor. "Radfahren ist Stress", heißt es jeweils unter den Negativ-Punkten. Die Starnberger beklagen unter anderem, dass das Stadtzentrum schlecht zu erreichen ist, Gautinger und Gilchinger stellen ein "geringes Sicherheitsgefühl" fest, ein Manko, das auch in Tutzing, Herrsching und Dießen zu den Schwächen zählt. Im landesweiten Vergleich landet Starnberg im Ranking weit hinten auf Platz 31 von 33.

Am zufriedensten äußern sich im Vergleich mit den anderen Kommunen im Fünfseenland noch die Weßlinger; dort wurden die Angaben von 52 Teilnehmern ausgewertet wurden, so dass es die Gemeinde gerade noch in die Statistik geschafft hat. Als Stärke wurde dort unter anderem der gute Winterdienst auf den Radwegen gewertet. Ein Kriterium, das auch in anderen Kommunen wie Starnberg, Gilching und Inning auftaucht.

Zugleich steigt das Interesse an diesem Fahrradklima-Test. Im vergangenen Jahr haben im Fünfseenland mehr Teilnehmer die Fragen beantwortet als zuvor. Die Gemeinden Seeshaupt, Inning, Dießen und Tutzing wurden neu aufgenommen.

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