bedeckt München
vgwortpixel

Verkehr:Umstrittener Radwege-Test in Weßling

"Radfahren auf der Fahrbahn erlaubt" heißt es auf dem neuen Schild an der Hauptstraße. Umweltausschuss und Mobilitätswende kritisieren das.

(Foto: Gerhard Hippmann)

Radfahrer dürfen statt des Radwegs nun auch die Straße nehmen. Der Umweltausschuss und die Initiative Mobilitätswende fürchten gefährliche Situationen.

Die Weßlinger Radfahrer sollen nicht als Versuchskaninchen in Gefahr gebracht werden. Das forderte der Weßlinger Umweltausschuss in der jüngsten Sitzung. Unterstützung bekam er von Gerhard Hippmann von der Bürgerinitiative Mobilitätswende Weßling. Er kritisierte ein Modellprojekt zum "Radverkehr an innerörtlichen Hauptverkehrsstraßen". Ziel ist es dabei, die Wirkung von verschiedenen Schildern zu untersuchen, um dann eine Beschilderung für Situationen einzuführen, bei denen sich Radfahrer entscheiden können, ob sie lieber auf dem Geh- und Radweg oder auf der Straße radeln möchten.

Die Oberste Baubehörde führt gemeinsam mit der Technischen Hochschule Nürnberg und der Arbeitsgemeinschaft fahrradfreundliche Kommunen in Bayern dazu Versuche in mehreren Gemeinden durch.

Die Versuchsanordnung führe zu gefährlichen Situationen auf der Hauptstraße, klagte Zweiter Bürgermeister Michael Sturm. Nicht einmal versierte Alltagsradler verstünden die Schilder, stimmte Hippmann zu. Beide wünschen sich anstelle des neuen rechteckigen Zeichens "Radfahren auf der Fahrbahn erlaubt" die frühere Beschilderung "Gemeinsamer Geh- und Radweg" zurück.

Das Starnberger Landratsamts sieht allerdings keinen Handlungsbedarf. Der Modellversuch soll wie von der Obersten Baubehörde geplant durchgeführt werden, zitierte Sturm aus einem Schreiben. Monika Schwarzhuber, Verkehrsmanagerin im Landratsamt Starnberg, hat in einem Schreiben die Hintergründe des Versuchs erläutert. In der Straßenverkehrsordnung gibt es nur Verkehrszeichen für benutzungspflichtige Radwege, erklärte sie. Aber nicht jeder Radweg müsse zwingend genutzt werden, auf der Straße fahren könne auch erlaubt sein. Dort käme es jedoch "immer wieder zu Konflikten zwischen Autofahrern und Radfahrern". Die Radler würden bedrängt, beschimpft oder angehupt, hat auch Hippmann festgestellt. Das neue Verkehrsschild soll Abhilfe schaffen.

Bei dem Verkehrsversuch wurden im September Videoaufnahmen entlang der Weßlinger Hauptstraße Straße gemacht, um zu dokumentieren, wo geradelt wird, welches Geschlecht und geschätztes Alter die Fahrradfahrer hätten. Auch die Geschwindigkeiten und die Sicherheitsabstände beim Überholen wurden aufgezeichnet.

Anschließend entfernten die Verkehrsplaner das blaue Verkehrszeichen. Damit entfiel die Benutzungspflicht für den Geh- und Radweg. Die neuen Schilder wurden installiert. Die Radler lesen nun "Radfahren auf der Fahrbahn erlaubt" und können sich entscheiden, ob sie lieber die Straße oder den Geh- und Radweg nutzen wollen - so hoffen die Tester. Hippmann ist allerdings sicher, dass alle Radler auf die Straße auswichen, weil sie annähmen, dass der Gehweg nicht mehr für Radler erlaubt sei. Dadurch entstünden gefährliche Situationen. Im Frühjahr soll per Videoaufnahmen und Zählungen untersucht werden, ob die Schilder gewirkt haben. Anschließend werden zusätzlich Piktogramme auf Fahrbahn und Gehsteig gepinselt. Im Herbst 2019 wird abschließend kontrolliert, ob die Kombination von Schildern und Piktogrammen funktioniert und wie sich das Verhalten der Verkehrsteilnehmer geändert hat. Im Jahr 2020 wird die TU den Abschlussbericht vorlegen.