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Verkehr:Wo Radfahrer an Starnberger See und Ammersee ausgebremst werden

Ende, Gelände: Wenn ein Radweg wie hier im Berger Ortsteil Allmannshausen plötzlich endet, müssen Radfahrer entweder auf Forstwege ausweichen oder die Staatsstraßen nutzen.

(Foto: Arlet Ulfers)
  • Im Radwegenetz des Fünfseenlandes klaffen viele Lücken.
  • Ganz oben auf der Liste stehen die sichere Umrundung von Starnberger und Ammersee sowie der Abschnitt zwischen Andechs und Herrsching.
  • Alle Lücken zu schließen, würde laut Landratsamt 11,4 Millionen Euro kosten.

Der Weg von Gauting Richtung Weßling könnte so eine schöne Strecke zum Radeln sein - für Ausflügler an den See oder für Pendler nach Oberpfaffenhofen. Die Hälfte der Strecke lässt sich auch gut auf dem Radweg entlang der Staatsstraße abstrampeln, doch von Unterbrunn an wird es gefährlich. Da müssen sich die Radfahrer die Fahrbahn zum Beispiel mit den Lastern des nahen Kieswerks teilen.

Viele Lücken klaffen im Radwegenetz des Fünfseenlandes, viele Hürden hindern die Menschen daran, komfortabel und sicher mit eigener Muskelkraft ans Ziel zu kommen und das Auto stehen zu lassen. Das hat der Landkreis erkannt und zusammen mit einem Planungsbüro ein Konzept für ein "Alltagsradroutennetz" erarbeitet, das derzeit zwischen Landratsamt und Gemeinden beraten wird - es geht weniger um Sonntagsradler, sondern um Strecken, die Radler das ganze Jahr über zur Arbeit, zur Schule oder zum Einkaufen nutzen können. Und natürlich die Sportlichen, die nach Feierabend schnell an den Ammersee düsen.

Nicht weniger als 23 Stellen hat das Landratsamt ausgemacht, an denen Radfahrer derzeit ausgebremst werden, teilweise kilometerlange Etappen vor allem entlang von Staatsstraßen. Alle Lücken zu schließen, würde laut Landratsamt 11,4 Millionen Euro kosten.

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Ganz oben auf der Liste stehen die sichere Umrundung von Starnberger und Ammersee sowie der Abschnitt zwischen Andechs und Herrsching, um eine direkte Verbindung zwischen den beiden großen Seen zu schaffen. "Der Zusammenschluss von Starnberger und Ammersee hat natürlich eine große symbolische Kraft", sagt die Verkehrsmanagerin im Landratsamt, Susanne Münster. "Der Radweg von Andechs nach Herrsching ist nicht nur wichtig, um See mit See zu verbinden, sondern auch, um den Besuchern des Klosters endlich einen familientauglichen Radweg zu bieten." Und spätestens wenn das Gymnasium in Herrsching gebaut ist, wird diese Strecke auch Schulweg sein.

"Mit dem Konzept ist der Landkreis Starnberg schon ziemlich gut aufgestellt", erklärt Münster. Dank der detaillierten Erfassung könnten einzelne Projekte gezielt angegangen werden und ihre Finanzierung über das von der Staatsregierung eingerichtete Radwegebauprogramm beantragt werden. An die 50 kleinere Maßnahmen wurden in den vergangenen beiden Jahren realisiert. "Nun geht es darum, wie wir auch mit den größeren Projekten weiterkommen", sagt Münster. Dazu hat sie die Gemeinden und das Staatliche Bauamt mit ins Boot geholt.

Der Fahrradclub fordert den Ausbau zwischen Gilching und Oberpfaffenhofen

Die Radfahrer klingen nicht so euphorisch: Leider herrsche im Landkreis Starnberg nach wie vor die Rangfolge Autofahren, Parken und erst an dritter Stelle der Radverkehr, kritisiert Anton Maier, Kreisvorsitzender des Fahrradclubs ADFC. Das Radwegenetz müsse vor allem für Pendler attraktiv sein, um ihnen die Möglichkeit zu geben, ganzjährig auf das Auto zu verzichten. Einen Ausbauschwerpunkt sieht er auf der Achse Germering, Gilching, Oberpfaffenhofen. Hier sind laut Maier schon heute viele Pendler unterwegs, die mit dem Rad zur Arbeit fahren. Doch die Situation sei alles andere als radfahrerfreundlich. Besonders ärgerlich ist aus Maiers Sicht auch, dass bei Baustellen wie der am Ortsausgang von Gilching noch zu wenig an Umleitungen für Radfahrer gedacht wird.

Die Distanz zwischen Starnberg und Gilching betrage nur neun Kilometer, sagt Maier, eigentlich ideal zum Radfahren, und doch gibt es zwischen Unterbrunn und Gilching nur einen Waldweg, der im Winter nicht befahrbar ist. Um auf diese und andere Missstände aufmerksam zu machen, veranstaltet der ADFC an diesem Sonntag eine Radl-Demo und lädt zur Sternfahrt nach München.

Immerhin: Beim runden Tisch zum Thema Alltagsradroutennetz, zu dem Verkehrsmanagerin Susanne Münster im Januar Vertreter der Gemeinden und des Staatlichen Bauamtes eingeladen hatte, war der ADFC auch mit dabei.

Größtes Hindernis beim Bau von Radwegen ist und bleibt der Grunderwerb. Viele Eigentümer weigern sich schlicht, Boden zu verkaufen. Bislang war eine Enteignung nicht möglich. Das wird sich in Zukunft ändern. Das Staatliche Bauamt signalisiert die Bereitschaft, Trassen künftig auch per Planfeststellungsverfahren zu realisieren. Dann wären zwar Enteignungen möglich, allerdings müssten dafür andere bürokratische Hürden genommen werden, die den Bau verzögern.

242 Radfahrer

sind im vergangenen Jahr bei 248 Unfällen im Landkreis Starnberg verletzt worden, zwei starben. Im Vorjahr waren es noch 204 Unglücke. Das entspricht einem Anstieg von 22 Prozent, nachdem zuvor die Zahl der Unfälle zurückgegangen war. Im Bereich der Starnberger Polizeiinspektion waren die meisten der im Verkehr verletzten Personen Radfahrer, gefolgt von Autoinsassen und Motorradfahrern. In den meisten Fällen - bei 182 Unglücken im Landkreis - fanden die Beamten die Ursache bei den Radfahrern.

Wollen die Gemeinden nicht abwarten, bis das Staatliche Bauamt in Weilheim eine Trasse planen und zahlen kann, können sie selbst aktiv werden. Wenn Kommunen den Bau selbst vorfinanzieren, können sie 80 Prozent der Kosten aus dem Radwegeprogramm des Freistaats erstattet bekommen - "kommunale Sonderbaulast" nennen das die Verwaltungen.

Die Weilheimer Straßenbaubehörde verweist sogar ausdrücklich auf diese Möglichkeit. "Wir haben gar nicht die Mittel noch die Menschen, um alle Radwegprojekte anzugehen", sagt Raphael Zuber, der im Bauamt als Abteilungsleiter für den Landkreis Starnberg verantwortlich ist. Wie viele Radwege die Behörde in diesem Jahr abarbeiten kann? Sie hat die Regie für den Ausbau zwischen Breitbrunn und Herrsching übernommen, nachdem die Gemeinde wichtige Planungen selbst geleistet hat. Das ist allerdings der einzige Radweg, den die Weilheimer in diesem Jahr angehen - eine von 23 Lücken.

Zur Demo am 7. April am Münchner Königsplatz veranstaltet der ADFC eine Sternfahrt. Die Abfahrten im Landkreis Starnberg sind: Herrsching/Bhf. 9.30 Uhr, Seefeld/Bhf. 9.55 Uhr, Weßling/Bhf. 10.30 Uhr, Gilching/Marktplatz 11 Uhr, Tutzing/Bhf. 9.30 Uhr, Feldafing/Bhf. 10 Uhr, Pöcking/Haupt-, Feldafinger Straße 10.15 Uhr, Starnberg/Bhf. See 10.40 Uhr, Gauting/Bhf. 11.25 Uhr, Krailling Brauerei 11.45 Uhr. Informationen im Internet unter: www.adfc-muenchen.de/sternfahrt

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