Der Blick geht hinüber zur Roseninsel, dem Lieblingsort des im vergangenen Jahr unerwartet verstorbenen Fährmanns Stefan Seerieder. Seine Freunde waren sich schon auf der Beerdigung einig: Sie wollten ihren Stammtischbruder in guter Erinnerung behalten und zum Andenken ein Bankerl im Feldafinger Strandbad aufstellen. Denn dort hat er fast täglich gefrühstückt, bevor er seinen Dienst als Roseninsel-Fährmann antrat oder ist spätestens zu einem Feierabend-Bier eingekehrt. "Ich kannte ihn mehr als zehn Jahre", sagt Strandbad-Pächterin Sarah Wiesböck. Für sie und ihre Familie war Seerieder nicht nur ein Stammgast, der regelmäßig ins Strandbad kam, er sei auch ein sehr guter Freund gewesen.
Stammtisch-Spezl Thomas Schmöger aus Possenhofen kannte Seerieder ein halbes Leben lang. Früher hatten sich die Freunde regelmäßig im Presse-Stüberl am S-Bahnhof getroffen. Seerieder habe den Stammtisch vor drei Jahren ins Strandbad gebracht, erklärt er. Seither treffen sie sich jede Woche hier. Auch an diesem Freitag sitzen sie an ihrem Tisch und zu Seerieders Todestag haben sie sich zu einem Frühschoppen verabredet. Schon auf der Beerdigung haben die Freunde Geld für das Bankerl gesammelt und den Hadorfer Holzbildhauer und Schnitzer Martin Reichart damit beauftragt, eine Büste von dem Fährmann zu schaffen. Die Sitzgelegenheit hat der Vater der Pächterin, Anton Wiesböck, aus dem mächtigen Stamm einer Esche herausgesägt, die krankheitsbedingt gefällt werden musste. "Zur Erinnerung an unseren Spezl Stefan Seerieder" ist auf der Rückenlehne zu lesen. Die Kopfform wurde aus einem dicken Ast herausgesägt, die Gesichtszüge anschließend nach einer Fotovorlage mit Schnitzwerkzeugen verfeinert. Wiesböck hat die Büste mit Hartwachs und Öl nachbehandelt, damit sie Wind und Wetter trotzt. Wie er erklärt, ist das Holz einer Esche sehr schwer zu bearbeiten, weil es sehr hart ist und leicht splittert. Daher hat Reichart auch immer wieder Pausen einlegen müssen. "So etwas macht man nicht an einem Stück", erklärt Reichart. Er könne daher nicht genau sagten, wie viel Zeit er für das Kunstwerk benötigt habe.
Der bekannte Fährmann Seerieder war gebürtiger Pöckinger und in seiner Heimat fest verwurzelt. Er sei ein Mann mit Ecken und Kanten gewesen, aber dennoch sehr beliebt, erinnert sich Stammtischbruder Schmöger und blickt zufrieden auf die Büste, ganz so, als ob sein Freund noch am Leben wäre.
