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Öffentlicher Nahverkehr:Mit dem Expressbus zur U-Bahn

Die neue Linie X920 fährt über Gilching und Krailling nach Großhadern und bindet etwa das Gewerbegebiet KIM zum Sparpreis an. Die Angestellten haben schon auf die Eröffnung hingefiebert.

Einfach einsteigen und mitfahren, ohne ein Ticket lösen zu müssen: Luxemburgische Verhältnisse herrschen für die kommenden zwei Wochen für alle Fahrgäste, die die neue Expressbuslinie X920 nutzen wollen. Diese fährt in 50 Minuten von Fürstenfeldbruck über Alling, Gilching, Krailling, Planegg und Gräfelfing nach München Großhadern zur U-Bahn und zurück. Nach der "Probephase" freilich müssen alle Fahrgäste bezahlen, wie Landrat Karl Roth (CSU) am Montag bei der Eröffnung im Kraillinger Gewerbegebiet sagte. Seit der Tarifreform im Dezember kostet die Fahrt zwischen KIM und Landeshauptstadt nur noch den städtischen Tarif - die Monatskarte etwa 55,20 Euro statt 90,40 Euro. Zunächst soll es das Angebot für vier Jahre geben.

Die Verkehrsmanagerin Susanne Münster, der Landtagsabgeordnete Hans Friedl, Gilchings Bürgermeister Manfred Walter, Allings Bürgermeister Frederik Röder, Fürstenfeldbrucks Landrat Thomas Karmasin, der Fürstenfeldbrucker Kreisrat Hubert Ficker, Kraillings Altbürgermeisterin Christine Borst, Kraillings Bürgermeister Rudolph Haux, Starnbergs Landrat Karl Roth und Fürstenfeldbrucks Bürgermeister Erich Raff (vorne, von links) eröffnen die neue Buslinie.

(Foto: Arlet Ulfers)

Der X920 ist der dritte Expressbus im Landkreis Starnberg und der zweite, der landkreisübergreifend mit Fürstenfeldbruck Kommunen, Ausflugsziele und Gewerbegebiete an S- und U-Bahn anbindet. Der X900 fährt von Fürstenfeldbruck über Gilching zum Starnberger See. Sein Linienweg ändert sich mit der Inbetriebnahme des X920 leicht und schließt nun mit den Haltestellen Thalhofstraße das Gilchinger Gewerbe- und Einkaufszentrum an sowie mit der Haltestelle Waaghäusl das dortige Alten- und Pflegeheim. Seit Sommer vergangenen Jahres gibt es zudem den X910, der von Weßling über den Sonderflughafen in Oberpaffenhofen und Gauting die U-Bahn-Stationen in Großhadern und am dortigen Klinikum anfährt.

Die 907 fällt weg, die 966 springt ein

Mit der Einführung der dritten Expressbuslinie stellt der Landkreis die Regionalbuslinie 907 ein, die bislang das Gewerbegebiet KIM mit Gauting und Germering verbunden hat. Laut Landrat Karl Roth habe man die Fahrgäste, die diesen Bus genutzt haben, aber nicht vergessen. Die wichtigsten Fahrten fange die Regionalbuslinie 966 auf, die zwischen Planegg und Gauting pendelt. Diese fahre morgens um 7.50 Uhr zusätzlich vom Gautinger Bahnhof zur KIM und viermal täglich von der KIM zum Gautinger Bahnhof: Um 12.12 Uhr, um 14.30 Uhr, um 15.15 Uhr und um 16.42 Uhr. Von der KIM (Haltestelle Pionierstraße) zum S-Bahnhof nach Germering werden um 15.55 Uhr und um 17.22 Uhr zwei umsteigefreie Fahrten angeboten. "Damit kommen wir den KIM-Mitarbeitern entgegen", sagt Starnbergs Verkehrsmanagerin Susanne Münster. Sie weist auf zwei weitere Fahrplanänderungen bei der Linie 966 hin: Die Fahrt um 16.40 Uhr ab Oberbrunn wird künftig nicht mehr Planegg anfahren. Und die Fahrt, die um 17.40 Uhr am Bahnhof in Planegg in Richtung Gauting startet, entfällt auf dem Streckenabschnitt von Planegg über die KIM. frie

Der neue X920 wird zweimal in der Stunde im 20/40-Minuten-Takt montags bis samstags von morgens um etwa 5.30 Uhr bis abends um 22.30 Uhr fahren. Das Kraillinger Gewerbegebiet KIM sei damit "schnell, bequem und direkt" mit öffentlichen Verkehrsmitteln zu erreichen, so Karl Roth. Das sei allein das Verdienst von Kraillings Altbürgermeisterin Christine Borst, welche vor drei Jahren im Kreistag auf einer Anbindung bestanden habe. "Die Mitarbeiter hier haben schon auf die neue Linie hingefiebert", sagte Kraillings Bürgermeister Rudolph Haux (FDP). Und nicht nur sie. Die drei Haltestellen im Ort - Erlenweg, Mitterweg und Forst-Kasten-Straße - würden allen Kraillingern zugutekommen. "Wir sind sicher die Hauptprofiteure." Von der Kraillinger Ortsmitte bis zum Marienplatz seien es mit Bus und U-Bahn nurmehr 35 Minuten - "das geht mit dem Auto nicht schneller". Kraillings Altbürgermeister Dieter Hager kündigte an, künftig nur noch bis zur KIM mit dem Auto zu fahren, wenn er von Pentenried in die Stadt wolle. Er sei gespannt, ob und wie der Bus angenommen werde. Mit einem Blick auf die Kennzeichen der abgestellten Autos in der KIM fügte er hinzu: "Alle können wir sicher nicht abholen." Doch die Kritiker der Gewerbegebiete, welche den Pendlerverkehr bemängeln, könne man vielleicht ein Stück weit versöhnen.

MVV-Geschäftsführer Bernd Rosenbusch ist zuversichtlich, dass das Taktangebot des X920 überzeugen wird. Im Skiurlaub erst habe er das erlebt: Der Skibus, der einmal in der Stunde fuhr, sei leer gewesen. "Jener, der alle zwanzig Minuten und morgens und nachmittags sogar im Zehn-Minuten-Takt fuhr, war voll." Der öffentliche Nahverkehr werde nur angenommen, wenn er nahezu so flexibel genutzt werden könne wie das Auto.

"Wir geben dafür richtig viel Geld aus", sagte der Fürstenfeldbrucker Landrat Thomas Karmasin. Etwa 960 000 Euro koste die Buslinie jedes Jahr ohne Berücksichtigung der Einnahmen. An den Kosten beteiligen sich neben den Landkreisen auch die Gemeinden Krailling und Gilching. Wie hoch die Investition am Ende ausfällt, wird auch daran liegen, wie viele Menschen das Angebot nutzen. "Wenn es gut läuft, decken die Fahrtkosten etwa 45 Prozent der Gesamtkosten ab", so Starnbergs Verkehrsmanagerin Susanne Münster.

© SZ vom 03.03.2020

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