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Evangelische Kirche in Starnberg:Ein Schelm, der Herr Pfarrer

Starnbergs evangelischer Pfarrer Stefan Koch zieht Bilanz und formuliert seine Wünsche im Till-Eulenspiegel-Kostüm mit Narrenkappe.

(Foto: Youtube)

Stefan Koch wurde vor 25 Jahren ordiniert und blickt zu seinem Jubiläum als Till Eulenspiegel in einer Videobotschaft zurück.

Von Sabine Bader

Das ganz Normale ist seine Sache nicht. Er liebt das Besondere. Seit 25 Jahren und vier Tagen ist Stefan Koch nun evangelischer Pfarrer. Am 15. November 1995 wurde er in der Matthäuskirche in Ingolstadt ordiniert. Er bekleidete Stellen in München und Fürth, bevor er vor sechs Jahren als Pfarrer nach Starnberg wechselte. Jetzt sei es an der Zeit für eine Bilanz, findet er. In der Corona-Pandemie empfiehlt es sich, das per Video zu tun. Und weil er seiner Botschaft eine "besondere Note" geben will, tritt er als Till Eulenspiegel vor die Kamera - mit einer rot-grün-gelben Schelmenhaube auf dem Kopf.

Was er zu sagen hat, ist dann aber doch überwiegend ernst. Er spricht über das, was ihn hier freut, auf das er auch ein wenig stolz ist, und das, was er sich für die Zukunft noch erhofft und wünscht. Wenn er aber von seinem Start in der Kreisstadt berichtet, muss man schmunzeln, denn er sagt: Seinen ersten Tag in Starnberg habe außer ihm eigentlich niemand so recht bemerkt. Eine Dame des Sozialpsychiatrischen Dienstes habe ihn gar für den Praktikanten gehalten. Und der Kirchenvorstand sei schon aus Angst, man müsse ihm jetzt eine Wohnung hier besorgen, nicht besonders begeistert gewesen. Dabei hatte Koch, der heute längst im Pfarrhaus wohnt, damals gar nicht vorgehabt, in die Kreisstadt zu ziehen. Er lebte nämlich im Münchner Lehel in der Himmelreichstraße. "Das kann man nicht mehr steigern."

Es gibt etliches, auf das er in Starnberg stolz ist. Dazu zählen die Kirchensanierung mit dem Mittelgang, die wöchentlichen Andachten im Rummelsberger Stift und im Malteserstift in Percha - mittlerweile sind es gut 250, schätzt er - und Videogottesdienste. "Das hätte uns auch ohne Corona längst einfallen sollen", sagt er der 55-Jährige, der keinen Hehl draus macht, das er dieses Kommunikationsmittel auch gerne nutzt. Mittlerweile hat er zwei Büchlein mit seinen "Starnberger Predigten" herausgebracht und denkt über eine Veröffentlichung seiner Corona-Predigten nach. Das Netzwerk "Starnberger Dialog", zu dessen Gründungsmitgliedern er zählt, hält er für ebenso wichtig, wie das "Bündnis für Seenotrettung", das von der evangelische Kirche mitinitiiert wurde.

Doch Menschen haben bekanntlich auch Wünsche, und die Liste Kochs ist stattlich. An erster Stelle nennt er den Abschluss der Sanierung der Friedenskirche in der Kaiser-Wilhelm-Straße mit einem neuen Altarpodest, einem passenden Gesangbuchregal, einer fest installierten Videoanlage, einer kuschligen Kinderkirchenecke und einem Windfang. Er würde gerne auch viermal im Jahr spannende Kunst in der Kirche zeigen und träumt von einer Videoinstallation à la Bill Viola. Als er eine seiner Installationen gesehen habe, sei er minutenlang sprachlos gewesen, erzählt er.

Koch fände es auch schön, wenn die Friedenskirche nachts zu einem Symbol im Stadtbild würde, in dem man sie bis 23 Uhr bunt anstrahle - natürlich mit lichtverschmutzungsfreier Beleuchtung. Und ein großes Buntglasfenster für die Kirche steht ebenso auf seiner persönlichen Wunschliste, wie die innengedämmte Kirchendecke und die Photovoltaikanlage auf dem Gemeindehausdach. Ein wichtiges Anliegen wäre ihm auch ein kleines Gebäude für die Starnberger Tafel, sodass sich das Grundstück optisch zu einer Art Klosterhof entwickle.

Ja, und dann erhofft sich Till Eulenspiegel alias Stefan Koch noch einen dauerhaft konsolidierten Haushalt seiner Landeskirche, damit es in den einzelnen Kirchengemeinden auch Planungssicherheit gebe. Ein frommer Wunsch, der sich in Eulenspiegelmontur leichter mit einem Augenzwinkern formulieren lässt.

Im Internet unter: www.pfarrer-dr-koch.de

© SZ vom 19.11.2020

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