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Landwirtschaft im Landkreis Starnberg:Ernte gut, alles gut

Gilching: Bauernverband

Kein schlechtes, aber auch kein gutes Jahr stellen die Bauern-Vertreter (v. li.) Thomas Müller, Anita Painhofer, Georg Zankl und Thomas Berchtold fest.

(Foto: Nila Thiel)

Landwirte müssen wegen der Corona-Krise Preisrückgänge in Kauf nehmen. Die Erträge beim Getreide sind ordentlich.

Von Armin Greune

"Man kann nicht jammern - aber auch nicht von einem guten Jahr sprechen": So fasst Kreisobmann Georg Zankl die abgelaufene Saison aus Sicht der Landwirte im Landkreis Starnberg zusammen. Nach anfänglicher Trockenheit seien von Mai an kontinuierlich Niederschläge gefallen, sodass die Böden und Pflanzen im Fünfseenland die gesamte Vegetationsperiode über ausreichend mit Wasser versorgt waren - ganz anders als etwa in Franken, wo die Kollegen erneut unter Dürre litten, sagte Zankl am Kirchweihmontag beim Erntegespräch mit Pressevertretern in Gilching. Im Landkreis aber sei die Ernte etwa beim Getreide oder Mais zufriedenstellend bis gut ausgefallen.

Freilich sind und waren auch die hiesigen Landwirte zumindest indirekt von der Pandemie betroffen. Vor allem der Shutdown der Gastronomie habe zu nachlassenden Erlösen geführt: So sank etwa die Nachfrage nach Pommes frites, was zu einem Einbruch der Kartoffelpreise führte. Bei Weizen und Braugerste mussten die Bauern einen Rückgang von einem bis drei Euro pro Doppelzentner hinnehmen, was Zankl vor allem auf ausgefallene Veranstaltungen und Volksfeste wie die Wiesn zurückführte. Der Preis für konventionell produzierte Milch sank um zwei bis drei Cent pro Kilogramm, wofür vor allem die Exportrestriktionen verantwortlich waren. Zwar verharren die Erzeugerpreise seitdem auf dem niedrigen Niveau, dennoch findet Zankl, "in Corona-Zeiten sind die Landwirte noch mit einem blauen Auge davongekommen."

Sorge bereitet ihm als Schweinehalter der Ausbruch der afrikanischen Schweinepest in Ostdeutschland Anfang September. In der Folge sind die Preise binnen Tagen von 1,47 auf 1,27 Euro pro Kilo Schlachtgewicht zurückgegangen. Mittlerweile seien rund 50 Schweinehalter mit etwa 15 000 Tieren betroffen und das Seuchengebiet wächst weiter. Sollten auch im Fünfseenland Schweinepest-Fälle auftreten, wäre "das bei uns eine Katastrophe", warnt Zankl: Bei dem großen Erholungsdruck hier ließen sich die Auflagen für Restriktionsgebiete kaum in die Praxis umsetzen. Immerhin sei es im vergangenen Jahr gelungen, die Zahl der Wildschweine spürbar zu reduzieren: Die Jäger hätten 2019 dankenswerterweise mehr als 1000 Sauen geschossen, berichtete Zankl.

Die Zahl der landwirtschaftlichen Betriebe im Landkreis scheint mit etwa 390 in den vergangenen vier Jahren konstant geblieben zu sein, wenn man die Mehrfachanträge beim Amt für Landwirtschaft als Maßstab heranzieht. Allerdings schlägt sich darin nicht jeder aufgegebene Betrieb nieder. Klar zugenommen haben im Starnberger Raum die ökologisch bewirtschafteten Flächen: Waren es 2017 noch 2325, sind

es heuer bereits 2872 Hektar, was einem jährlichen Zuwachs von sechs Prozent entspricht. Die Zahl der Milchviehhalter hingegen ist seit Längerem rückläufig, sagt Thomas Berchtold vom Milcherzeugerring Fünfseenland: Vor 13 Jahren gehörten dem Verband noch 49 Betriebe an, nun sind es nur noch 13.

Mitverantwortlich für das Höfesterben sei das generell schlechte Image der Landwirtschaft, meint Zankl: "Wir brauchen junge Betriebsleiter, aber die werden verunsichert, weil unser Berufsstand immer nur schlecht gemacht wird." Deshalb geht der Bayerische Bauernverband jetzt in die Offensive und will mit der Aktion "Schule fürs Leben" Schüler und Lehrer zu Projektwochen auf Bauernhöfen einladen sowie Agrarexperten in den Unterricht entsenden. Dabei sollen die Beiträge der Landwirtschaft für die Versorgung mit gesunden, regionalen Lebensmitteln sowie für Umwelt- und Klimaschutz vermittelt werden. Im Landkreis standen heuer schon drei Höfe in den Startlöchern, doch die Pandemie machte alle Vorbereitungen zunichte.

Der Klimaschutz werde auch in seiner Branche "immer massiver zum Thema", sagt Zankl, "wenn die CO₂-Steuer kommt, wir es noch interessanter." Mit dem Aufbau von Humus lasse sich das klimaschädliche Gas sehr effektiv im Boden zurückhalten. Und vielleicht trage ja auch die Pandemie zur Behebung des Nachwuchsproblems bei: "In der Krise zeigt sich, dass die Landwirtschaft doch noch eine relativ sichere Burg ist."

© SZ vom 20.10.2020
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