Ernährung Kita-Essen aus der Tiefkühltruhe - Eltern protestieren

Um das Essen in zwei Feldafinger Kindergärten ist eine Kontroverse entstanden.

(Foto: DPA)

Das Rote Kreuz erwägt, die Verpflegung in allen 28 Häusern im Kreis umzustellen. Ein Großcaterer beliefert bereits probeweise Einrichtungen in Gauting und Feldafing.

Von Otto Fritscher

Feldafinger Eltern sind alarmiert. Sie sorgen sich um die Mittagsverpflegung ihrer Kinder in den örtlichen Kitas, die das Rote Kreuz betreibt. Für die "Dorfspatzen" und den "Zauberwald"-Hort wurde bislang das frisch zubereitete Essen aus der Küche des nur wenige Kilometer entfernten BRK-Altenheims in Garatshausen geliefert. Zurzeit kommt das Essen jedoch tiefgefroren aus München, von einem österreichischen Großcaterer, und es wird in Feldafing aufgewärmt. Das sei nicht nur gesundheitlich, sondern auch ökologisch höchst bedenklich, heißt es in einer Petition, die von Eltern an Bürgermeister Bernhard Sontheim geschickt und im Internet veröffentlicht wurde. Bislang verzeichnet sie 243 Unterstützer - sprich Klicks.

Jan Lang, Geschäftsführer des Rotkreuz-Kreisverbandes Starnberg, begründet die Umstellung so: Bisher haben 15 regionale Caterer die 28 Einrichtungen des BRK im Landkreis mit Essen versorgt. Dies sind 22 Kinderbetreuungseinrichtungen, vier Mittagstische in Schulen und zwei Ganztagesklassen. "Bei 15 unterschiedlichen Caterern ist das Handling sehr kompliziert", sagt er. Und: "Die Professionalität ist sehr unterschiedlich ausgeprägt." Es sei "unterschiedliche Qualität" geliefert worden, immer wieder mal habe es "hygienische Probleme" gegeben, in einem Fall sei sogar "Schwarzschimmel" aufgetaucht.

So habe das BRK neue Wege gesucht und sich für das "Cook and freeze"-Verfahren entschieden, bei dem die Speisen nach der Zubereitung tiefgefroren geliefert und in den Kitas dann "in speziellen Öfen von einer hauswirtschaftlichen Kraft aufgewärmt" werden. Dazu kämen frisch zubereitete Beilagen wie Wintergemüse aus der Schlossküche Garatshausen oder vor Ort gekochter Pudding auf den Teller. Man habe von drei Firmen Angebote bekommen: von der Firma "Appetito" aus Rheine, die bundesweit und auch im Landkreis Starnberg "Essen auf Rädern" liefert, vom Konrad-Hof aus Unering und der österreichischen Firma "Gourmet" aus St. Pölten.

Gourmet bekam den Zuschlag für die Probephase. Seit Anfang Oktober läuft sie in den Kitas in Feldafing und Gauting. "Das sind größere Einrichtungen, von dort aus werden drei oder vier kleinere beliefert", erklärt Lang. Warum ausgerechnet mit Essen der Österreicher? Lang begründet das so: Gourmet hat den Zuschlag für die Belieferung von Kitas in der Landeshauptstadt erhalten und dort eine entsprechende Infrastruktur aufgebaut. "Was die Münchner Kinder essen, kann in Starnberg doch nicht schlecht sein", sagt Lang mit einem Verweis auf das langwierige und komplizierte Ausschreibungsverfahren der Stadt München. Das Angebot des Konradhofs sei "mehr als doppelt so teuer" gewesen, so Lang. Sollten tatsächlich alle 28 BRK-Einrichtungen von einem Caterer versorgt werden, ginge es täglich um zirka 950 Essen, mithin um 180 000 bis 200 000 Essen pro Jahr mit einem Auftragsvolumen von gut 400 000 Euro.

Feldafings Bürgermeister Bernhard Sontheim kann die Sorgen der Eltern durchaus nachvollziehen. "Ich werde die Petition unterstützen, auch wenn ich das mit dem Gift beim Aufwärmen etwas an den Haaren herbeigezogen finde", sagte Sontheim auf Anfrage der SZ. Ihn ärgert besonders, "dass wir uns seit Jahren mit unserer Regionsmarke und der Regionalität beschäftigen - und dann kommt das Rote Kreuz daher und konterkariert unsere Bemühungen." Und: "Wir haben im Landkreis genug Küchen, die so etwas können."

"Ich kann schon verstehen, dass sich die Eltern intensiv um das Mittagessen ihrer Kinder kümmern", sagt auch Lang. Nicht nachvollziehen könne er die Befürchtung, dass eine mögliche Umstellung auf "Cook and freeze" zu einer "Kontaminierung mit potenziell krebserregenden Stoffen durch das Aufwärmen" der Tiefkühlkost führen könne. Zudem führen die Eltern in der Petition "massive ökologische Bedenken" durch "unnötig lange Transportwege" ins Feld. Dieses Argument lässt Lang nicht gelten: "Das Essen wird von München aus in den Landkreis Starnberg geliefert."

Wie geht es nun weiter? Die Feldafinger Eltern treffen sich nächste Woche, um das weitere Vorgehen zu beraten. Auch Bürgermeister Bernhard Sontheim will kommen. Für BRK-Geschäftsführer Lang ist indes noch nichts entschieden. "Die Pilotphase dauert bis Ende des Jahres. Dann werden wir nachdenken, ob alle 28 BRK-Einrichtungen von einem Caterer beliefert werden, oder ob aus der Schlossküche in Garatshausen die Kindergärten in der Umgebung weiter beliefert werden." Für Felix Hummel, dessen Tochter das Feldafinger Kinderhaus besucht, ist indes klar: "Ich möchte nicht, dass unsere Kinder über Jahre hinweg Tiefkühlkost essen müssen."