Banken bauen Wohnraum:Neue Filiale am Heiligen Berg

Lesezeit: 3 min

Banken bauen Wohnraum: Ritual bei Neubauvorhaben ist der offizielle erste Spatenstich. In Andechs griffen (v.li.) Zweiter Bürgermeister Robert Klier, Bauunternehmer Matthias Reinhard, Thomas Vogl (VR-Bank), stellvertretende Landrätin Britta Hundesrügge sowie Konrad Hallhuber und Martin Barth (beide VR-Bank) für das neue Bankgebäude den Spaten in die Hand.

Ritual bei Neubauvorhaben ist der offizielle erste Spatenstich. In Andechs griffen (v.li.) Zweiter Bürgermeister Robert Klier, Bauunternehmer Matthias Reinhard, Thomas Vogl (VR-Bank), stellvertretende Landrätin Britta Hundesrügge sowie Konrad Hallhuber und Martin Barth (beide VR-Bank) für das neue Bankgebäude den Spaten in die Hand.

(Foto: Georgine Treybal)

Während andere Geldinstitute sich vom Land zurückziehen und auf den digitalen Markt setzen, baut die VR-Bank in der Gemeinde Andechs aus.

Von Tim Graser, Andechs

Banken sterben aus: Vielerorts schließen Filialen, da sich der Aufwand des direkten Kundenkontakts - vor allem im ländlichen Raum - angeblich nicht mehr lohnt: Geldtransfers und sonstige Geschäfte sollen die Kunden bequem vom Computer oder Smartphone aus erledigen. In Berg, Feldafing, Inning und Seeshaupt etwa schloss die Kreissparkasse letztes Jahr ihre Filialen für Publikumsverkehr und eröffnete stattdessen sogenannte "SB-Filialen" zur Selbstbedienung. In Weßling wurde schon 2016 das Personal abgezogen, stattdessen gibt es Automaten. Gleichzeitig werden die Online-Kanäle erweitert. Einen physisch anwesenden Bankberater können die Kunden der Kreissparkasse nur mehr in sechs Filialen im Landkreis antreffen.

Da verwundert es, wenn die Volks- und Raiffeisenbank (VR-Bank), das zweite große Bankinstitut im Landkreis Starnberg, zum Spatenstich für den Bau eines neuen Gebäudes in Andechs einlädt. Im Ortsteil Erling am Heiligen Berg, der kleinsten Gemeinde im Landkreis, soll die Bankfiliale Nummer 16 mit Live-Betreuung entstehen. Von der Politik der Standortschließungen, wie sie die Konkurrenz betreibt, hält Konrad Hallhuber, Vorstand der VR-Bank Starnberg-Herrsching-Landsberg, wenig: "Den Leuten ist es wichtig, dass wir hier vor Ort bleiben."

Es geht auch um das Geschäft mit Schließfächern

Und damit meint Hallhuber nicht nur die ältere Landbevölkerung: Auch junge Leute schätzen den persönlichen Bankberater vor Ort. Diese Menschen wolle man bedienen - auch, um die Nase in der Konkurrenz zur Sparkasse vorn zu haben. Nicht ohne Grund hat die VR-Bank in Andechs den größten Marktanteil. Ein weiterer Grund für die Filiale mit direkter Kundenbetreuung sei das Angebot mit Schließfächern: "Die sind überall ausgebucht", sagte Hallhuber. Um dieser großen Nachfrage zu entsprechen, sollen in Erling zunächst 220 neue Schließfächer entstehen, bei Bedarf könne man auf 350 erweitern.

Banken bauen Wohnraum: Bank mit Schließfächern, Einzelhandel und Wohnungen: So soll das neue Gebäude der VR-Bank in Erling aussehen, wenn es 2024 fertiggestellt ist.

Bank mit Schließfächern, Einzelhandel und Wohnungen: So soll das neue Gebäude der VR-Bank in Erling aussehen, wenn es 2024 fertiggestellt ist.

(Foto: CSMM GmbH)

Dabei bleibt es nicht nur bei der Bank: Zusammen mit der Filiale sollen zwanzig Wohnungen und vier Gewerbeeinheiten in dem Gebäude an der Herrschinger Straße entstehen. Eine Tier- und eine Zahnarztpraxis sowie die bisher im Edeka beheimatete Bäckerei Benedikter mit Tagescafe sowie ein örtliches Start-Up sollen bei den Genossenschaftlern einziehen. Bei den Erlingern dürfte die Erleichterung darüber groß sein, dass der örtliche Traditionsbäcker den Platz im neuen Gebäude bekommt: Es hatten schon Gerüchte über eine neue Bäcker-Kette im Ort die Runde gemacht. Gute Nachrichten für die Kunden, denn beim Benedikter wird - anders als bei vielen Ketten - noch frisch gebacken. Dafür nehmen auch viele Auswärtige den Weg nach Erling in Kauf.

Die ländliche Bevölkerung soll weiter bedient werden

Der Neubau ist dabei auch sehr im Sinne der Lokalpolitik. Als Repräsentantin des Landkreises gratulierte die stellvertretende Landrätin Britta Hundesrügge (FDP) den Bankvertretern zum Baubeginn und betonte, wie wichtig es sei, ländliche Infrastruktur zu erhalten und den Menschen kurze Wege zu bieten. "Damit man nicht ins Auto steigen muss, um zum Arzt zu kommen", sagte Hundesbrügge. Auch die Gewerbesteuern, die im Zusammenhang des Projekts zu erwarten seien, begrüßte sie sehr. Die aktuellen Bauvorhaben, wie zum Beispiel das neue Gymnasium in Herrsching, seien teuer, da komme das Vorhaben der VR-Bank sehr gelegen.

Froh über den Neubau zeigt sich auch die Gemeinde. Robert Klier, Zweiter Bürgermeister von Andechs, kann die Baustelle von seinem Schlafzimmerfenster aus beobachten. "Der Spatenstich ist das Symbol für ein gutes Fundament", sagte Klier. Damit meint er vor allem die Zusammenarbeit zwischen Bank und Gemeinde, die den baldigen Bau des Gebäudes ermöglichte.

Ortsansässige Unternehmen haben bevorzugtes Zugriffsrecht

Auch die örtliche Wirtschaft soll von dem Neubau der VR-Bank profitieren. Für die Wohnungen im Gebäude - zwischen 45 und 130 Quadratmetern Wohnfläche ist alles dabei - sollen insbesondere Angehörige örtlicher Unternehmen ein bevorzugtes Zugriffsrecht erhalten - so lautet eine Abmachung zwischen Bank und Gemeinde. Damit sollen heimische Unternehmen bessere Möglichkeiten bekommen, um weiter expandieren zu können.

Investitionen in Immobilien - 20 Millionen Euro kostet der Neubau - hält Konrad Hallhuber trotz höherem Leitzins auch in Zukunft für sinnvoll. Dieser ist aktuell zwar von der EZB erhöht worden, es sei jedoch unsicher, ob das so bleibe. "Wir müssen ja in Jahrzehnten denken", sagte das VR-Vorstandsmitglied. Das Grundstück, auf dem jetzt gebaut wird, gehörte der Bank schon zuvor - einer der Hauptgründe, warum man sich für den Neubau in Erling entschied. "Das war eine pragmatische Entscheidung", bestätigt Hallhuber. Ende 2023 soll das neue Haus fertig sein, und am 2. Januar 2024 soll die VR-Filiale in der Herrschinger Straße ihre Geschäfte dann wieder aufnehmen.

Zur SZ-Startseite

Banken
:Was tun mit 2,3 Milliarden Euro?

In einem nicht mehr benötigten Fonds zur Bankenrettung liegt eine Menge Geld. Nun wollen die Institute es zurück, allen voran die Deutsche Bank. Aktivisten finden das "unverschämt".

Lesen Sie mehr zum Thema

Süddeutsche Zeitung
  • Twitter-Seite der SZ
  • Facebook-Seite der SZ
  • Instagram-Seite der SZ
  • Mediadaten
  • Newsletter
  • Eilmeldungen
  • RSS
  • Apps
  • Jobs
  • Datenschutz
  • Abo kündigen
  • Kontakt und Impressum
  • AGB