Erling/Andechs Was der Mensch zum Leben braucht

Nudelvorhang, Zauberstäbe und andere Dinge: Susanne Hauenstein und Günter Stiegelmaier zeigen aktuelle Arbeiten in ihrem Ladengeschäft "Kunst am Berg" in Andechs

Von Katja Sebald, Erling/Andechs

Zwischen Durst und Bier erhebt sich in Andechs bekanntlich ein Berg, den es zu erklimmen gilt. Per aspera ad astra - durch Mühsal zu den Sternen. Direkt vor dem Berg gibt es seit einiger Zeit "Kunst am Berg". Das kleine Ladengeschäft, in dem Susanne Hauenstein und Günter Stiegelmaier einen charmanten Präsentationsraum für ihre eigene Kunst und die Arbeiten befreundeter Künstler geschaffen haben, ist jedoch alles andere als ein Hindernis auf dem Weg zum Heiligen Berg: In der aktuellen Ausstellung zeigen sie "einen Nudelvorhang, Zauberstäbe und andere Dinge, die der Mensch zum Leben braucht."

Die Malerin Susanne Hauenstein studierte bei Mac Zimmermann, Robin Page und Daniel Spoerri an der Akademie der Bildenden Künste in München und absolvierte eine therapeutische Ausbildung. Seit 1983 lebt sie in Andechs, wo sie eine bekannte Malschule betreibt. Sie veranstaltet unter anderem Mal-Events für Firmen und bietet seit 2007 eine einjährige "Grundausbildung Malerei" an, die für nicht wenige Malerinnen aus dem Starnberger Raum den Einstieg ins künstlerische Schaffen bedeutete. Susanne Hauenstein selbst beschäftigte sich unter anderem mit Illusionsmalerei, mit Bemalung von Möbeln und hat sich seit einigen Jahren vor allem dem Ornament verschrieben. Eine eher kleinteilige Malweise, die Ornamentales mit Elementen der Pop Art und Collage-Techniken verbindet, mag zunächst typisch für sie erscheinen. Bei genauerem Hinsehen muss man jedoch feststellen, dass Hauenstein sich nicht auf einen "Stil" festlegen lässt: Gekonnt bannt sie mit einigen wenigen Pinselstrichen Landschaftseindrücke auf die Leinwand, ebenso gekonnt entstehen abstrakte Kompositionen und großformatige Arbeiten wie etwa ein nahezu monochromes Schüttbild in Grün.

Susanne Hauenstein und Günter Stiegelmaier (links) mit ihren Werken, dem Nudelvorhang "Per aspera ad pasta" und einem Bild Stiegelmaiers ohne Titel.

(Foto: Georgine Treybal)

"Die Vielfalt ist mein Naturell", sagt die Künstlerin, die sich auch von Fundstücken aus dem Alltag inspirieren lässt: So schuf sie etwa auf dem Boden einer Obstkiste aus Verpackungsschnipseln, Etiketten, Preisschildchen und Zettelchen eine Collage mit dem Titel "Die Ordnung der Welt". Zu ihrem "Nudelvorhang" ließ sie sich von Martin Kippenberger inspirieren, der für seine Arbeit "Per pasta ad astra" das berühmte Diktum des römischen Philosophen Seneca abgewandelt hatte. Anders als Kippenberger, dessen Nudelvorhang lediglich ein "Bastelset" zum Selbermachen war, verbrachte Hauenstein viele Abende mit dem Auffädeln kleiner Nudeln - und kam deshalb auch zu einem anderen Ergebnis: "Per aspera ad pasta" heißt ihre Arbeit, die noch einmal am Mittwoch, 1. Mai, in der Galerie zu sehen ist.

Mit leichter Hand hingegen fertigt Günter Stiegelmaier seine "Zauberstäbe". Auf Spaziergängen am Ammersee sammelt er verschiedene Hölzer und Stöckchen, die ihn durch ihre besondere Form oder die Struktur ihrer Rinde ansprechen. "Manche sind so schön, dass man fast nicht mehr daran arbeiten muss", sagt er. Mit dem Schnitzmesser betont er das Gefundene, schneidet Kerben und Muster, bis daraus kleine, völlig unprätentiöse Kunstwerke entstehen, die er in schlichten Holzkästchen präsentiert. Ihre Zauberkraft entfalten diese ausnehmend hübschen Handschmeichler allerdings erst mit dem richtigen Wunsch: "Wichtig ist doch, dass der Mensch überhaupt Wünsche hat", sagt der Künstler, "und dann kann man ja immer noch entscheiden, ob man es mit oder ohne Zauberstab probiert."

Dieses Bild von Susanne Hauenstein trägt keinen Namen. Reproduktion: Georgine Treybal

(Foto: )

Zur Kunst fand Günter Stiegelmaier, der eigentlich aus einem IT-Beruf kommt, vor knapp zwanzig Jahren als Autodidakt. In der aktuellen Ausstellung zeigt er vor allem seine abstrakt-monochromen Bildtafeln, die in einer eigenwilligen Mischtechnik entstehen. In vielen Arbeitsschritten wird die Farbe aufgespachtelt, dann geglättet, zum Teil wieder abgenommen und weiter bearbeitet, bis das gewünschte Ergebnis erzielt wird: Komplexe, zuweilen beinahe changierende Bildwelten aus tiefer und höher liegenden Farbschichten, in denen die Bearbeitungsspuren sichtbar bleiben, als wären es zeichnerische Elemente. Man könnte an Wasserflächen denken oder an Lichtstimmungen. "Jeder kann darin sehen, was er will", sagt Stiegelmaier - er will den Betrachter nicht festlegen und verzichtet deshalb auf Titel.

"Kunst am Berg" in der Andechser Straße 35 in Erling ist noch einmal am 1.5.2019 von 14 bis 20 Uhr und danach nach telefonischer Vereinbarung unter Telefon 08152/3287 zu sehen.