Süddeutsche Zeitung

Entwicklungsplan :Frischer Wind fürs alte Tanklager in Krailing

Auf der 90 Hektar großen Fläche sollen künftig Naturschutz und regenerative Energien im Vordergrund stehen

Über das Ziel sind sich alle einig: Auf der knapp 90 Hektar großen Tanklagerfläche in Krailling sollen sich künftig wirtschaftliche Interessen und Naturschutz harmonisch zusammenfügen. Doch wie genau das funktionieren soll und wie man eine Planung am besten anpackt, da gibt es gleichwohl unterschiedliche Herangehensweisen. Die Gemeinde hat bereits Ende 2018 mit der Entwicklung eines städtebaulichen Konzepts begonnen. "Wir wollen, dass hier nichts passiert, was die Gemeinde nicht will". Eigentümer und Betreiber, die G1 Krailling Real Estate und die Krailling Oil Development GmbH, haben ihre Vorstellungen in ein Fünf-Punkte-Programm gepackt und der Rathausverwaltung vorgelegt.

Viel mag Bernhard Breitsameter, Geschäftsführer der Eigentümerfirma, nicht verraten. "Vieles sind noch ungelegte Eier", sagt er. Doch zwei der fünf Punkte seien Naturschutz und regenerative Energien. Ob dort eine Windkraftanlage entstehen soll - auf dem Gelände liegt eine Vorbehaltsfläche - oder Freiflächen für Photovoltaikanlagen geschaffen würden, müsse sich zeigen. "Wir sind da ganz offen." Er bietet sich der Gemeinde damit als Partner an, die sich die Energiewende auf die Fahnen geschrieben hat. Als sicher gilt indes auch, dass sich Eigentümer und Betreiber als Gegenleistung Unterstützung der Gemeinde erwarten, was die wirtschaftlichen Interessen betrifft. Was genau geplant ist, lässt Breitsameter offen. "Die Lagerkapazitäten wollen wir nicht erweitern", sagt er lediglich. Aktuell können in den unterirdischen Tanks bis 125 Millionen Liter Treibstoff gelagert werden.

Der Gemeinderat hat sich nun darauf verständigt, den Bau einer Windkraftanlage auf dem Gelände prüfen zu lassen. Man werde klären, ob das angesichts der Nähe zum Fliegerhorst in Fürstenfeldbruck und dem Sonderflughafen in Oberpfaffenhofen überhaupt möglich wäre", sagt Kraillings Bürgermeister Rudolph Haux (FDP). Der nächste Schritt wäre dann ein Windgutachten, "das wäre dann aber schon die Aufgabe des Betreibers". Die Gemeinde sieht er hier aus finanziellen Gründen nicht als Zugpferd. Bergs Bürgermeister Rupert Monn stellte dem Gemeinderat zuletzt das Bürgermodell der Anlagen in Berg vor, das im Gremium auf großes Interesse stieß. Sollte die Planung in Richtung eines Windrads gehen, wären auch die Eigentümer und Betreiberfirmen des Tanklagers dabei, versichert Breitsameter. "Die nachfossile Ära wird kommen müssen." Er würde den erzeugten Strom dann gerne nutzen, um auf dem Gelände synthetische Kraftstoffe herzustellen.

Eine zweite Säule soll der Naturschutz werden. Auf dem Gelände, das seit Jahrzehnten unberührt hinter meterhohen Zäunen liegt, haben sich wertvolle Biotope entwickelt. Diese langfristig zu schützen, ist das Interesse der Gemeinde - und auch Breitsameter als gelernter Förster beteuert, dass dies auch der Eigentümer- und Betreiberfirma am Herzen liege. Er ist sich sicher: "Sollte es gelingen, das Fünf-Punkte-Programm umzusetzen, dann werden Omnibusse aus ganz Deutschland kommen, um sich das anzuschauen." Das Tanklager habe die Chance, ein Vorzeigeprojekt zu werden. Voraussetzung sei dabei vor allem "politisches Fingerspitzengefühl". Bürgermeister Haux formuliert es diplomatisch. Es gebe diverse Wünsche und Vorstellungen, welche es in Einklang zu bringen gelte.

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SZ vom 25.02.2020
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