Es war kein festes Ensemble, dennoch eine bestens eingespielte, kammermusikalisch versierte Besetzung, die den Abend im Gautinger Bosco bestritt. Der Zugriff ist ein anderer, denn eine Klangbalance, wie sie etwa das Fauré Quartett pflegt, ist das Resultat jahrelangen engsten Zusammenspiels. US-Amerikaner Jonathan Biss (Klavier), Niederländerin russisch-jüdischer Herkunft Liza Ferschtman (Violine), Schwedin Malin Broman (Viola) und Franzose Antoine Lederlin (Violoncello) brachten indes andere Qualitäten ins Spiel, die etwa mit ihrer jeweiligen Mentalität, sicher auch mit ihrem individuellen musikalischen Werdegang zu tun haben. Die scheinbar heterogene Mixtur ergab denn auch eine geschmacklich wohl abgestimmte Melange, die jedem Temperament Freiräume zugestand. Mozart und Brahms waren selbst Pianisten und ließen es sich nicht nehmen, ihrem Part behutsam, doch raffiniert phasenweise eine gewisse konzertante Dominanz zuzugestehen. Und letztendlich kommt es in der Konstellation eines Streicherensembles mit Klavier darauf an, wie die spieltechnisch im Grunde konträren Zutaten zueinander in Beziehung gebracht werden. Changieren ist das zentrale Gestaltungsmittel bei Mozart, sowohl in der Dramaturgie der feinsinnigen Wechsel von Hell und Dunkel wie auch im Ensemblespiel zwischen gemeinsamer Klangkörperformung und Individualität. Nachdem Dynamik, also plastische Lautstärkemodellierung, in Mozarts Zeit noch nicht ausgebildet ist, nutzten die vier Musiker im Es-Dur-Quartett (KV 493) strukturelle Verdichtungen oder Intensivierungen im Legato für adäquate Wirkungen. Insgesamt gelang es dem Ensemble, die Ecksätze mit muntererer Frische und Leichtigkeit zum gewichtiger sinnierenden Mittelsatz in ein schlüssiges Verhältnis zu bringen. Diese Abstimmung ist auch im viersätzigen A-Dur-Klavierquartett (op. 26) von Brahms eine wichtige Qualität, doch weit farbenreicher, emotional wesentlich reichhaltiger. Vielleicht fiel Letzteres nicht gar so auf, nachdem Ferschtman und Biss dem Mozart-Werk die Sonate für Violine und Klavier von Leoš Janáček folgen ließen. Ein Werk, das vor dem Hintergrund des Vormarsches russischer Truppen im Ersten Weltkrieg entstand und hier mit seinen wilden Ausbrüchen und störenden Einwürfen im lyrischen Fluss des Schlusssatzes emotional extrem aufgeladen erklang. Der harmonisch austarierte Klangkörper mit Brahmsens Warmtönung war demgegenüber eine reine Wohltat. Das Ensemble gab sich auch mit viel Leidenschaft dem Wogen zwischen zartester Lyrik und nahezu orchestralen Höhenflügen hin. In der extremen Ausformung war es kammermusikalisch vielleicht nicht ganz korrekt, aber es zeigte sich einmal mehr als - im Applaus hörbar - publikumswirksam.
KulturSpiel der Beziehungen
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Im Gautinger Bosco waren Stücke von Mozart, Brahms und Janáček zu hören.
Von Reinhard Palmer, Gauting