bedeckt München 16°

Energiewende:Die Zukunft liegt auf den Dächern

Willi Meyerhöfer hat ein früheres Feriendomizil in Breitbrunn zum "Sonnenenergiehaus" umgebaut und wird dafür mit dem oberbayerischen Bürgerenergiepreis ausgezeichnet. Der 69-jährige Tüftler will Nachahmer anregen und klärt über Vorurteile auf.

Von Armin Greune, Herrsching

"Man kann auch aus einem Schuppen etwas machen": In diesen Worten des Hausherren schwingen sowohl Understatement wie auch Stolz mit. Als Willi Meyerhöfer vor 40 Jahren die Immobilie in Breitbrunn erwarb, war sie ein fast fensterloses Feriendomizil ohne Bad mit höchstens 80 Quadratmeter Wohnfläche. Heute steht an der Steingrabenstraße ein Vorzeigeobjekt im wahrsten Sinne des Wortes. Das "Sonnenenergiehaus" bietet 120 Quadratmeter Wohnraum und ist ein Musterbeispiel effizienter und nachhaltiger Nutzung von natürlichen Ressourcen. Am Mittwoch wurde das in Holzständerbauweise errichtete Gebäude als eines von drei Objekten mit dem Bürgerenergiepreis 2020 der Bayernwerk Netz GmbH und der Regierung von Oberbayern ausgezeichnet.

Durch Um- und Anbauten haben Willi Meyerhöfer und seine Frau Gudrun ein "Leuchtturmprojekt" geschaffen, lobte Regierungspräsidentin Maria Els. Der Bau wurde unterkellert, die Holzfassade erhielt eine neue Dämmung und 32 dreifach verglaste Fenster, im Eingangsbereich dient ein Glasanbau als Klimapuffer. Die Beleuchtung wurde auf LED umgestellt; natürlich arbeiten alle Haushaltsgeräte wie Herd, Spül- und Waschmaschine energiesparend. Die Photovoltaik auf dem Ostdach liefert fünf Kilowatt, für die noch sechs Jahre eine rentable Einspeisevergütung läuft. Danach will Meyerhöfer damit ein Elektroauto "betanken".

Mit seinen weit heruntergezogenen Dächern im 45-Grad-Winkel ist das Sonnenenergiehaus schon aus architektonischer Sicht ein markantes Gebäude. Viel Holz schafft auch im Innenausbau eine behagliche Atmosphäre.

(Foto: Privat)

Geheizt wird vor allem mit einer thermischen Solaranlage auf dem Süddach, die einen 400-Liter-Schichtspeicher speist. Lässt die Sonne nach, springt eine Luft-Wasser-Wärmepumpe mit neun Kilowatt Leistung ein. Oder man heizt mit jährlich etwa vier Ster Scheitholz den Kaminofen ein - oder den Grundofen, den Willi Meyerhöfer ebenso selbst konzipiert und gebaut hat wie den Großteil der Innenausstattung, die mit all dem Holz eine warme, stubenähnliche Atmosphäre schafft.

Bei so viel Eigenleistung geriet bei der Preisübergabe im Garten des Hauses auch der Landrat auf den Holzweg. Stefan Frey stufte den Hausherrn, der auch das Konzept für die Modernisierung entwickelte, irrtümlich als Elektrotechniker ein. Sicher aber treffen die Bezeichnungen "Tüftler" und "echter Selfmademan" auf den 69-jährigen Mediengestalter und Sohn eines Heizungsbauers zu.

Doch anders als ein typischer, nur auf sich selbst bezogener Tüftler ist Meyerhöfer von geradezu missionarischem Eifer erfüllt, andere Eigenheimbesitzer zum Nachmachen anzuregen. Beim Umsetzen der Energiewende in den eigenen vier Wänden habe er selbst erfahren, "dass viele Leute mit diesem Problem allein gelassen werden". Oder falsch informiert: Noch immer werde Hausbesitzern oft suggeriert, sie sollten für eine Solarwärmenutzung die gesamte Heizanlage erneuern. Meyerhöfer kann dank der von der Wärmepumpe gelieferten Vorlauftemperatur die alten, aber intakten Heizkörper weiter nutzen. Und um Solarstrom zu erzeugen, müsse man nicht zwingend ein Süddach bestücken, sein Ostdach eigne sich dazu mindestens genauso gut: Mit seiner modernen Vakuumröhrenanlage benötigt er nur ein Viertel der Dachfläche, die herkömmliche Photovoltaik bei gleicher Leistung beansprucht.

Bürgerenergiepreis Oberbayern

Großer Bahnhof im Garten: Wilhelm und Gudrun Meyerhöfer nehmen von Regierungspräsidentin Maria Els (links) den Bürgerenergiepreis Oberbayern entgegen. Mit dabei (hinten von links): Bürgermeister Christian Schiller, Landtagsabgeordnete Katharina Schulze und Kreisrätin Martina Neubauer von den Grünen, Landrat Stefan Frey und Karl Krapf vom Bayernwerk.

(Foto: Franz Xaver Fuchs)

Nicht aus Eitelkeit, sondern aus Pragmatismus will der Hausherr, der bei den örtlichen Grünen und im Energiewendeverein des Landkreises mitwirkt, als gutes Beispiel dienen. Stets stehen die Türen interessierten Besuchern offen. Demnächst haben sich auch Herrschings Bürgermeister Christian Schiller samt Frau für eine Führung angesagt. Meyerhöfer habe dankenswerterweise "die Grenzen des Anreizprogramms der Gemeinde aufgezeigt", das nun überarbeitet werde, sagte der Rathauschef. Den mit einem Scheck über 3000 Euro verbundenen Preis und "den großen Bahnhof, der hier geboten wird" habe Meyerhöfer mit seinem "Aushängeschild für die Gemeinde wirklich verdient". Frey überreichte "etwas Hochprozentiges, damit ihre Leidenschaft erhalten bleibt".

Der mit insgesamt 10 000 Euro dotierte Bürgerenergiepreis wird jährlich vergeben, Bewerbungsunterlagen und Infos finden sich unter www.bayernwerk.de/buergerenergiepreis im Internet. Neben Meyerhöfer wurden damit heuer noch zwei Schulen in Kirchseeon und Taufkirchen geehrt.

© SZ vom 07.08.2020

Lesen Sie mehr zum Thema

Zur SZ-Startseite