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Energiegenossenschaft Fünfseenland:Öko aus einer Hand

Das Unternehmen kümmert sich um Planung, Finanzierung und Bau umweltfreundlicher Anlagen

Von Christine Setzwein, Gilching

Aus dem zarten Pflänzchen ist eine kräftige Pflanze geworden, die "eines Tages ein starker Baum mit starken Wurzeln sein wird": Aufsichtsrat Michael Padberg ist überzeugt, dass sich die Energiegenossenschaft Fünfseenland (EGF) so entwickeln wird. Ein Erfolgsmodell ist der 2011 gegründete Verband mit seinen 500 Mitgliedern jetzt schon.

Erneuerbare Energiequellen anzapfen, regionalen Strom nutzen, Projekte zur Energieeinsparung und Effizienzsteigerung verwirklichen, eine solide Finanzierung auch mit Darlehen der Mitglieder sowie den lokalen Mittelstand fördern, das sind die Ziele der EGF. Zusammengefasst: "Wir bringen die Energiewende voran", sagte Padberg auf der Generalversammlung der Genossenschaft im Gilchinger Rathaus. Inzwischen stemmt der Verbund auch Großprojekte wie das Nahwärmenetz in Seefeld oder die komplette Energieversorgung der Munich International School und der Mittelschule Herrsching, die in dieser Woche in Betrieb geht. Die EGF sei zu einem kleinen mittelständischen Unternehmen herangewachsen, der Vorstandsvorsitzende Gerd Mulert sei darum fest angestellt worden. "Ein Meilenstein", sagte der Wörthseer Unternehmer Padberg.

Seefeld

In Seefeld wird das Nahwärmenetz von der Energiegenossenschaft Fünfseenland betreut.

(Foto: Nerotec Photovoltaik, EGF)

Das Coronavirus ist der Grund, dass die Generalversammlung nicht wie üblich im Frühjahr stattfinden konnte und der Aufsichtsratsvorsitzende Thomas Vogl wegen Quarantäne zu Hause bleiben musste. Die Krise ist offensichtlich aber auch die Ursache dafür, dass die Nachfrage nach Beratung im Energiewendezentrum in Herrsching mittlerweile so groß ist, "dass wir kaum mehr nachkommen", berichtete Mulert. Die Erstplanung durch die EGF sei weiterhin kostenlos.

Andechs

In Andechs betreut die Genossenschaft Solaranlage und Blockheizkraftwerk für Schule und Rathaus.

(Foto: Nerotec Photovoltaik, EGF)

Auch finanziell steht die Genossenschaft gut da, wie Vorstand Klaus Drexler erläuterte. Die Bilanzsumme habe sich von 2018 auf 2019 "enorm verbessert", die Umsatzerlöse lagen bei etwa 1,5 Millionen Euro, der Bilanzgewinn bei 131 000 Euro. Die Mitglieder können sich auf drei Prozent Dividende freuen.

Rathaus, Kindergarten, Schulen, Carports: Die Energiegenossenschaft Fünfseenland hat schon einige Photovoltaikanlagen gebaut. Die großen Projekte sind die Contractings wie beim Schulkomplex in Gilching oder in der Ortsmitte von Andechs, bei der Munich International School in Percha, beim Tierheim Starnberg oder der Christian-Morgenstern-Schule in Herrsching. Bald werden voraussichtlich auch die IWL-Werkstätten für Menschen mit Behinderung in Machtlfing dazukommen - Investitionssumme: mehr als eine Million Euro. Bei den Contracting-Projekten übertragen Großenergieverbraucher ihre Energieversorgung komplett an die EGF und die macht alles, von der Planung über Sanierung, Optimierung, Neubau, Betriebsführung und Finanzierung. Vom ersten Tag, an dem die neue Anlage und Heizung laufen, zahlen die Auftraggeber Pacht. Zehn, 15 oder 20 Jahre.

Tierheim Starnberg

Zwei alte Ölheizungen mit zwei Öltanks haben das Tierheim Starnberg mit drei Gebäuden jahrzehntelang mit Wärme versorgt. Die Anlage hätte spätestens in drei Jahren ausgetauscht werden müssen, zudem lag der 10 000-Liter-Erdtank noch nahe dem Naturschutzgebiet, berichtete Mulert. Eine neue Anlage musste her, Das Geld dafür konnte der Tierschutzverein natürlich nicht aufbringen. Immerhin sprach man von Investitionen in Höhe von 150 000 bis 180 000 Euro. Da kam die EGF ins Spiel. Seit Anfang des Jahres wird das Tierheim über Blockheizkraftwerk, Photovoltaik, Gasbrennwertkessel und Gebäudeleittechnik mit Energie versorgt. Jetzt spart der Verein vier Tonnen Kohlendioxid ein, der Erdöltank nahe dem Naturschutzgebiet ist stillgelegt und der Verein hat durch die fixe Pacht kalkulierbare Kosten.

Nahwärmenetz Seefeld

Die Hauptbeschäftigung der EGF heuer war das Nahwärmenetz in Seefeld. Nach einigem Hin und Her hatte sich der Gemeinderat schließlich durchgerungen, das "Leuchtturmprojekt" zu unterstützen und TSV-Sportheim, Jugendhaus und Bauhof zusammen mit Feuerwehr und Schule anzuschließen. Das klimafreundliche Wärmenetz wird mit dem Restholz aus dem Sägewerk der Peter Schlecht GmbH beheizt. So können laut EGF im Vergleich zu einer Gasheizung 70 Prozent der CO₂-Emissionen eingespart werden. 1,5 Kilometer Leitungsnetz sind fast fertig, sagte Mulert, aber noch fehlt die Überbrückung von einem Knotenpunkt. Auch das Heizhaus der Firma Schlecht ist fertig. Abnehmer sind außer der Gemeinde die Wohnungsbaugenossenschaft Maro, das Seniorenstift Pilsensee und sieben Privatpersonen.

E-Mobilität

Großes Lob bekam auf der Generalversammlung die Gemeinde Pöcking. Die Kommune und die Wohngenossenschaft Starnberg erhalten von der EGF zwei Ladesäulen und zwei E-Autos zum Carsharing. "Ganz schön mutig für so eine kleine Gemeinde", meinte Mulert. Die Genossenschaft organisiert alles, Partner sind Stattauto München und die Stadtwerke Landsberg.

"Wir können alle miteinander stolz sein", meinte Aufsichtsrat Michael Padberg.

© SZ vom 05.10.2020

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