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Eltern ergreifen die Initiative:Neuer Schwung im Jugendzentrum

Seeshaupt Jugendhaus

Eine Herzensangelegenheit: Jörg und Daniela Bayer sowie Alexandra und Peter Ott (von links) wolen das alte Jugendhaus auf Vordermann bringen.

(Foto: Georgine Treybal)

Vier Seeshaupter wollen den zuletzt verwaisten Treff wieder beleben und die Räume renovieren

Von Kia Ahrndsen, Seeshaupt

Das Seeshaupter Jugendzentrum ist in die Jahre gekommen, die letzte Terminankündigung auf der Homepage der Gemeinde lädt zu einem Ausflug im Juni 2010 ein. Ansonsten gab es nur gelegentlich private Feiern. Daniela und Jörg Bayer sowie Alexandra und Peter Ott, die selbst Kinder im entsprechenden Alter haben, wollen nun frischen Wind in das alte Gebäude bringen.

Zunächst einmal pro Woche wollen sie für 13- bis 18-Jährige die Türen öffnen. Die Jugendlichen sollen sich von 18 bis 22 Uhr in zwangloser Atmosphäre treffen können, allerdings unter Aufsicht. "Wir müssen erst einmal herausfinden, was die wollen", sagt Daniela Bayer, dann werde man entsprechende Angebote machen. Dabei könne man auch mit dem Jugendzentrum in Iffeldorf zusammenarbeiten. Dort hatten Jugendliche selbst die Initiative ergriffen und im Frühjahr das Juze im Pfarrzentrum wiederbelebt. Die Seeshaupter Initiatoren erhoffen sich denn auch, dass sie einmal abgelöst werden, wenn junge Besucher in die Rolle als Betreuer hineinwachsen. Dafür bedürfe es schließlich keiner besonderen Ausbildung. Die Gemeinde, so erklärt Bürgermeister Fritz Egold (CSU), ist Hausherr und Veranstalter.

Zunächst einmal geht es jetzt aber um die Räume selbst. Laut Egold, haben sich einige Arbeiten angestaut, die zum Erhalt des Gebäudes ohnehin nötig wären. Deshalb wird jetzt schadhafter Putz ausgebessert, die Elektrik modernisiert und frisch gestrichen. Marode Möbel werden ersetzt, eine Leinwand mitsamt Beamer steht auf der Einkaufsliste. Der Gemeinderat hat dafür 5000 Euro bewilligt, es gibt aber auch Unterstützung von anderer Seite: "Einen Billardtisch haben wir schon geschenkt bekommen", erzählt Daniela Bayer. Hilfe auch der künftigen Nutzer sei bei der Renovierung ebenfalls willkommen, so der Bürgermeister, das erhöhe schließlich die Wertschätzung. "Wenn man einfach was hinstellt, wird es eher kaputtgemacht", sagt er. "Für Jugendliche haben wir eine Zeit lang wirklich nicht viel gemacht", jetzt sei es an der Zeit dafür.

Zuletzt hatte es öfter Anwohnerbeschwerden über lautstark feiernde Jugendliche am Dampfersteg oder Müll an der Emilsruh gegeben. Bürgermeister Egold rechnet damit auch beim Jugendzentrum: "Es wird halt mal Anrufe geben", sagt er gelassen. Das Juze gebe es seit nunmehr 30 Jahren, zu Exzessen sei es aber seines Wissens nie gekommen. Die Besucherzahl ist bisher auf 25 beschränkt. Egold verweist auf die Fenster als zusätzlichen Fluchtweg, nach der Sanierung werde es aber auf jeden Fall eine Begehung mit Kreisbrandrat und Landratsamt geben.

Das Bürgerplatzl soll nach Egolds Worten als Ort der Begegnung weiter aufgewertet werden. Um die Bäume werden Bänke installiert, der Verkaufsstand der Hühnerbraterei wird nach den Ferien an den Parkplatz im Ortszentrum umziehen. Gemeinderätin Tine Helfenbein regt an, einen "Bürgerbackofen" zu errichten, der regelmäßig eingeheizt wird, um mitgebrachtes Brot zu backen. Die Boulerunden soll es auch weiter geben, das versichert Gerd Sparrer, der sich zuletzt um Platz und Gebäude gekümmert hat. Der Platz vor dem Jugendzentrum war vor vier Jahren als erstes sichtbares Projekt der Dorfentwicklung hergerichtet worden. Viele Freiwillige hatten geholfen, seither gab es einige Feste, Lesungen oder Filmabende.

Im Herbst soll das Seeshaupter Jugendzentrum eröffnen. Dabei wollen sich die vier Initiatoren auch vom Corona-Virus nicht stören lassen: "Wir machen das jetzt einfach", sagt Daniela Bayer, "irgendwann wird Corona schon vorbei sein - und wenn es mit Maske sein muss, dann ist das eben so!"

© SZ vom 22.08.2020

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