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Einzelhandel in Seehaupt:Umstrittener Supermarkt

Die Gemeindemitglieder wünscht sich ein Einkaufszentrum, der Gemeinderat ist sich uneins

Das Interesse ist groß: 723 von 1800 Fragebögen zur Nahversorgungssituation in Seeshaupt kamen retour, das ist eine Quote von 40 Prozent. Gabriele Ostertag von der Gesellschaft für Marktanalyse GMA in München zeigte sich beeindruckt. Ihr Kollege Gino Meier erläuterte im Gemeinderat Seeshaupt, dass sich 71 Prozent dieser Bürger eine Verbesserung der Situation wünschen, mehrheitlich einen Supermarkt. Die derzeit vorhandene Verkaufsfläche ist laut Meier stark unterdurchschnittlich, rechnerisch wären etwa 1000 Quadratmeter zusätzlich möglich.

Die Kaufkraft in Seeshaupt liegt laut Statistik 25 Punkte über dem Bundesdurchschnitt, 56 Prozent davon fließen aber ab, die Seeshaupter kaufen also überwiegend auswärts ein. "Das bedeutet, dass Sie als Gemeinde Ihrem Grundversorgungsauftrag nicht nachkommen", sagte Ostertag. Ein neuer Supermarkt am Ort böte auch den Vorteil, dass weniger CO2 anfiele. Herausforderung bei einer Verlagerung des Marktes aus der Postkurve sei jedoch die Nutzung der dortigen Ladenfläche. Die lebhafte Diskussion im Gemeinderat zeigte, wie sehr das Thema die Gemüter bewegt. Armin Mell (FDP) verwies darauf, dass die kleinen Geschäfte das Dorf ausmachten. Er bemängelte, dass die Händler in den Einzelinterviews nicht nach ihren Befürchtungen bei der Ansiedlung eines neuen Supermarktes gefragt wurden. Im Übrigen gebe es in Seeshaupt hohen Zuzugsdruck, mehr Attraktivität brauche es nicht. Georg Leininger (PfB) erinnerte daran, dass der Rat einiges an neuen Wohnungen auf den Weg gebracht habe. Vor wenigen Jahren habe es für weniger als 3000 Einwohner zwei Supermärkte und zwei Bäcker gegeben, jetzt existiere nur noch jeweils einer - und die Einwohnerzahl werde absehbar weiter steigen.

Petra Eberle (parteifrei) beteuerte dagegen in einem leidenschaftlichen Plädoyer, dass man in Seeshaupt zu Fuß und per Fahrrad alles zum Leben Notwendige bekommen könne, ein Supermarkt auf der "grünen Wiese" sei nicht notwendig. Barbara Kopf (PfB) bewertete die Untersuchung indes als "glasklaren Auftrag, die Situation zu verbessern". Eine Gefahr für die ansässigen Läden sieht sie eher nicht. Nach dem Wegzug des Netto-Marktes habe sie in ihrem früheren Blumengeschäft an der Hauptstraße einen drastischen Umsatzrückgang erlebt.

Bürgermeister Michael Bernwieser (PfB) stellte die Frage nach dem weiteren Vorgehen - ein Grundstück sei an der Osterseenstraße schließlich vorhanden. Eine sofortige Entscheidung lehnte sein Fraktionskollege Fritz Stuffer aber rundweg ab: Er vermisse in der Untersuchung eine Empfehlung für die Größe eines potenziellen Marktes. Nur damit könne man sich auf die Suche nach einem passenden Grundstück machen.

© SZ vom 18.01.2020
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