Einkaufsbummel Billige Bücher und teure Autos

Cheerleaders der Fürstenfeldbrucker Football-Mannschaft zeigen beim Marktsonntag in der Karolingerstraße akrobatische Showeinlagen.

(Foto: Arlet Ulfers)

Das Angebot beim Marktsonntag in Gilching lockt wieder zahlreiche Besucher an

Von Patrizia Steipe, Gilching

Von weitem wehte den Besuchern des Gilchinger Marktsonntags der Geruch von gebrannten Mandeln entgegen. Der Jahrmarkt entlang der Karolingerstraße und auf dem Hochstift-Freising-Platz hat sich zu einer Fressmeile entwickelt. Zu den obligatorischen Halsgratsemmeln der Feuerwehr und dem neuen Craft-Bieren aus der Brauerei in Geisenbrunn haben sich ausgefallene Angebote wie "Pulled Pork Burger" sowie thailändische und türkische Spezialitäten gesellt. Diätprodukte und eine Ernährungslinie für Tiere rundeten das Angebot ab.

Dicht gedrängt schoben sich die Menschen durch die Haupteinkaufsstraßen Gilchings. Vor allem am Marktplatz stauten sich die Besucher vor den verschiedenen Autos. Viele nutzten bei der Autoschau die Gelegenheiten und setzten sich selbst ans Steuer ihres Traumwagens. Zwei junge Männer mit lässigen Base-Caps wollten ein 280 PS starkes Gefährt, das mit einem Preis fon 85 000 Euro zu den teuersten am Platz zählte, am liebsten gar nicht mehr verlassen. Eine Fahranfängerin erkundigte sich lieber nach den Vorzügen des kleinen Autos nebenan, das für 7000 Euro zu kaufen war.

Neben den Geschäften, die Kunden mit Sonderangeboten locken wollten, hatten auch viele Vereine die Gelegenheit genutzt, sich vorzustellen. Zum Beispiel der Sportverein "TUS Fürstenfeldbruck" mit seiner Abteilung American Football und Cheerleading. Viel Applaus gab es für die Mädchen, die mit ihren bunten Pompoms tanzten und dabei akrobatische Hebefiguren vorführten. Die aus den amerikanischen Serien bekannten Cheerleader sind längst zu einer eigenen Sportart geworden. Quasi ein Kontrapunkt zu den lebenslustigen Tänzerinnen war der Stand des Ambulanten Hospiz- und Palliativberatungsdienstes der Malteser. Im Gemeindesaal der Kirche warben Mitglieder für einen "Letzte-Hilfe-Kurs", in dem es um das Sterben und Abschied nehmen gehen wird.

Neben Hüpfburg, Kinderkarussell und Biergarten blieb der Blick vieler Besucher am Hochstift-Freising-Platz auf dem langen roten Teppich liegen, der zur "Offenen Kirche" in Sankt Sebastian einlud. "Marktgeschrei können wir zwar nicht bieten, dafür aber einen Ort, an dem Sie zur Ruhe kommen können", hieß es auf der Einladungstafel. Im Gotteshaus gab es verschiedene Stationen, an denen die Menschen zum Nachdenken über sich selbst oder zu ihrer Einstellung gegenüber dem Lebensmittel Brot als symbolischen Wert aufgefordert worden waren.

Lange Schlangen bildeten sich an der Kasse des Bücherflohmarkts im Pfarrsaal von Sankt Sebastian. Etwa 10 000 gespendete Bücher hatten Tina Reuther und Isabelle Feix angeboten. Bei einem Euro pro Stück konnten viele Besucher nicht widerstehen. Vor allem Romane mit Titeln wie "Insel im Sturm" oder "die Chaos-Queen" fanden Abnehmer. "Das ganze Jahr über bekommen wir die schönsten neuwertigen Bücher gespendet", freute sich Reuther. Darunter finden sich auch Klassiker. Kafka, Kästner oder Grass als Gesamtausgabe sowie die unverwüstlichen Pucki-Bände, die bereits die Großmütter auf ihre Rolle als Hausfrau und Mutter vorbereitet hatten. Ein wenig traurig blickte Reuther auf die vielen, teilweise noch originalverpackten Jugendbücher. "Die Jugend liest nicht mehr", stellte sie fest. Bei den Büchern handelte es sich scheinbar um ungelesene Geschenke, die jetzt auf dem Flohmarkt verramscht wurden. Mit dem Erlös werden soziale Projekte in Gilching und auf der ganzen Welt unterstützt.