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Einkaufen in Seefeld:Trüffel und Weißwürste

Die Einheimischen schätzen ihren Wochenmarkt, der Feinkost und Deftiges zu bieten hat - die Mischung macht's

Von Christine Setzwein, Seefeld

Die Kommunikation funktioniert auch ohne Worte. Silvia Hierat schaut zu Thomas Horgai hinüber und deutet nur auf ihren Becher. Heißt: "Soll ich dir vielleicht einen Kaffee mitbringen?" Zustimmendes Nicken. Die Stimmung ist gut auf dem Seefelder Wochenmarkt, die Standlbesitzer kennen sich teilweise schon seit Jahren und schätzen sich. Die Seefelder wiederum schätzen ihren Markt, der - auch im Winter - jeden Donnerstag von 8 bis 13 Uhr Waren feilbietet. Da gibt es Gemüse und Obst, frischen Fisch, Brot und Brezn, Feinkost und Honig, Käse, gegrillte Hähnchen und Haxen, Fleisch und Wurst. Bio oder konventionell.

2008 wurde der Markt auf dem Parkplatz gegenüber dem alten Rathaus eröffnet, im Juli und August sind weitere Anbieter dazugekommen, freut sich Gebhard Fritschi, der seit 2011 Marktleiter ist. Er ist Ansprechpartner für die Marktleute und kümmert sich darum, dass der Laden läuft, dass das Angebot attraktiv ist und bleibt - und der Mindestabstand der Stände in Coronazeiten gewahrt wird.

Lachssemmel ist nicht gleich Lachssemmel, erklärt Thomas Horgai einem Kunden. Wer eine Lachssemmel bei ihm ordert, bekommt sie entweder mit gefärbtem und in Salz gebeiztem Seelachs, dem so genannten Lachsersatz, oder mit "echtem" geräuchertem Lachs. Ganz nach Belieben. Horgai, der aus Tödtenried bei Adelzhausen kommt, ist mit seinem Fisch-Feinkost-Stand von Anfang an dabei auf dem Seefelder Wochenmarkt. "Es hat sich gut gemacht hier", sagt er. Sein Tag beginnt um vier Uhr früh, die frische Ware muss in den Wagen, Fischsemmeln müssen zubereitet werden. Er verkauft nur auf Märkten, wenn er in Seefeld zumacht, fährt er nach Gilching. In seiner Auslage hat er Forellen und Saiblinge, aber auch Makrelen, Jakobsmuscheln, Lachs und Kabeljau. Auf Schildern ist das Fanggebiet angegeben. "Die Leute wollen schon wissen, woher der Fisch kommt", sagt er. Isst er selber noch Fisch? "Ja, sehr gerne sogar."

Ganz neu vertreten ist die "Kaffee-Kutsche" von Julian Büchner, der seine schwarze Piaggio Ape vor dem alten Rathaus aufgestellt hat. Seine Bohnen bezieht er von der "Kafferösterei am Ammersee", aber "es ist meine eigene Mischung", sagt er. Er verkauft Espresso, Cappuccino oder Milchkaffee, aber auch österreichischen Flaschenwein und Traubensaft. Keine kalten Getränke, weil es die beim Kollegen vom Hendlwagen gibt. Wenn Büchner seine Kaffeespezialitäten nicht auf dem Seefelder Wochenmarkt anbietet, steht seine Ape auf dem Campingplatz Buch, auf Messen, Streetfood Festivals, Privat- oder Firmenfeiern. Früher war er in der Filmbranche, erzählt er, bis ihm das zu stressig wurde. Jetzt ist er Barista und freut sich, "dass ich etwas Gutes anbieten kann".

"Frische Trüffel" lockt ein Schild am Wagen von Guiseppe Angiuli. In seinem "Tiroler Bauernstandl" liegen österreichische Schinken, Speck- und Käsespezialiäten, aber auch italienische Salami - und Trüffel. "Aus den Marken von Freunden", sagt er, alle italienischen Waren beziehe er von kleinen Familienbetrieben. Frisch und original muss alles sein, Billigware kommt ihm nicht in die Auslage. Für hochwertige und gesunde Lebensmittel sollte man auch bereit sein, mehr Geld auszugeben, sagt Angiuli, der in Geretsried einen italienischen Feinkostladen betreibt.

Mittlerweile füllt sich der Platz. Junge und ältere Kunden kommen, Mütter mit Kinderwagen, aber auch Touristen. Alle tragen Mund-Nasen-Schutz. Weißwürste werden bei Jaqueline Luther und Franz Karl geordert. Die Metzgerei Widmann aus Maisach verkauft seit einem halben Jahr in Seefeld. Ein Hofladen und eine kleine Landwirtschaft gehören zum Betrieb, auf Märkte fahren sie, "weil wir gute Produkte haben", sagt Luther: Fleisch und Wurst vom Weideochsen und Strohschwein.

Auch Silvia Hierat hat eigentlich einen Laden in Waakirchen. Aber das Verkaufen auf einem Markt "ist Abwechslung und macht Spaß", sagt sie. "Die Leute kaufen mehr regional und sie fragen, wo die Ware herkommt", hat sie festgestellt. Vieles bezieht sie von Gärtnern aus dem Münchner Umland, jetzt hat sie auch Steinpilze und Pfifferlinge im Angebot. Keine Blattsalate, denn die verkauft die Kollegin am Nachbarstand, dafür auch Olivenöl, frische Pasta und Pesto.

Ernst Deiringer ist nicht nur Kunde vom ersten Tag an, sondern auch Mitinitiator des Wochenmarkts in Seefeld. Es sei ein hartes Stück Arbeit gewesen, den Wochenmarkt zu etablieren, zu unterschiedlich seien die Vorstellungen der Agenda seinerzeit gewesen. Schließlich habe man einen reinen Bio-Markt verworfen. Nun sei das Angebot vielfältig, frisch und regional, sagt er - und bringt seine Einkäufe nach Hause.

© SZ vom 23.09.2020

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