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"Ein Meilenstein":Radwege für jeden Tag

Kreisräte beschließen millionenschweres Konzept für Alltagsradler. Die Realisierung dürfte allerdings Jahrzehnte dauern

Bei diesem Tagesordnungspunkt gerieten die Kreisräte in ihrer Sitzung am Montagvormittag ins Schwärmen: "Ein Meilenstein", sagte Harald Schwab (CSU), und Albert Luppart (Freie Wähler) setzte noch eins drauf: Als "ein Jahrhundertwerk" bezeichnete er das Konzept für den "Alltagsradverkehr", das der Kreistag nun nach langer Vorbereitungsphase einstimmig beschlossen hat. Darin werden Radwegeverbindungen aufgezeigt, bei denen es nicht um landschaftliche Schönheiten oder Ausflugsziele geht, sondern um schnelle, das ganze Jahr über nutzbare Verbindungen für Radfahrer, die zur Arbeitsstelle oder zum Einkaufen wollen. "Jetzt wissen wir endlich wo es lang geht", fasste Landrat Karl Roth das Ergebnis des Prozesses mit vielen Sitzungen und Workshops zusammen." 444 Kilometer umfasst das "Alltagsradroutennetz", wie es offiziell heißt; Ingenieur Günter Bendias hat das Konzept erstellt und, wie er sagte, alle Radwege selbst abgeklappert. Und er hat auch einen Umsetzungsplan erarbeitet, welche Maßnahmen höchste Priorität genießen und welche nicht so wichtig sind. "Wir dürfen keine Zeit bei der Umsetzung verlieren", mahnte Peter Unger (Grüne).

Allerdings scheint es so, als ob die Verwirklichung im Schildkröten-Tempo angegangen würde. Bendias hatte in seinem Konzept die Radfahrer in "Hasen" und "Schildkröten" eingeteilt. Erstere sind flotte und wendige Radler, während sich die Schildkröten ängstlich und langsam bewegen. 22,3 Millionen Euro würde es kosten, sämtliche im Konzept vorgesehenen Maßnahmen zu realisieren. Also Radwege entlang von Staatsstraßen neu zu bauen, bestehende zu verbreitern und zu ertüchtigen, und eine große Zahl an Querungshilfen - eine Art Verkehrsinsel in der Fahrbahnmitte - einzubauen. Knapp 14 Millionen Euro soll der Freistaat an Zuschüssen liefern, 2,5 Millionen sollen die Kommunen zahlen, in etwa die gleiche Summe wie der Landkreis. Der Rest kommt aus anderen Quellen. "Das ist ein Programm für die nächsten zehn, zwanzig Jahre", sagte Roth.

Wenn man nach der Summe geht, die der Kreis im Haushaltsplan für 2017 vorgesehen hat, könnte es allerdings noch länger dauern. Gerade mal 41 000 Euro sind in den Etat eingestellt, womit vier kleinere Maßnahmen wie das Austauschen eines Stücks Pflasterung gegen Asphalt finanziert werden können. Wann die großen Brocken in Angriff genommen werden, steht noch nicht fest. Als erstes wird vermutlich der Bau des seit langem geforderten Radwegs entlang der Straße von Gauting nach Neuried begonnen. "Die Gespräche mit dem Landkreis München sind weit gediehen", sagte Verkehrsmanagerin Susanne Münster. Der Landkreis hat ein 640 Meter langes Stück zu finanzieren, wofür rund 230 000 fällig sind.

Mit 680 000 Euro ist die Radwegeverbindung von Erling bis zur Landkreisgrenze in Richtung Fischen veranschlagt. Knapp eine halbe Million Euro soll der Radweg zwischen Perchting und Hadorf kosten. Noch teurer ist der Radweg zwischen Unering und Hochstadt mit 982 000 Euro. Roth schwant schon, dass es 2017 mit 41 000 Euro nicht getan sein wird. "Da kommen bestimmt noch neue Anträge", sagte er, und die Vertreter der Grünen quittierten dies mit Kopfnicken.

© SZ vom 18.10.2016
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