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Ehrenamt:Bleiben bis zum Schluss

"Es ist mir ein Herzensanliegen zu ermöglichen, dass Menschen daheim sterben können", sagt Carola Riedner (li.), die für ihr ehrenamtliches Engagement von Bürgermeisterin Brigitte Kössinger geehrt wird.

(Foto: Arlet Ulfers)

Für ihr Engagement im Hospizdienst erhält Carola Riedner die Gautinger Bürgermedaille

Eigentlich stehe sie ja nicht so gerne im Mittelpunkt, sagt Carola Riedner, ehe es an diesem Abend doch vor allem um sie und ihre Verdienste um den Hospizdienst in Gauting geht. "Aber es freut mich unglaublich", sagt sie vor dem Festakt zur Verleihung der Bürgermedaille am Freitag im Rathausfoyer und betont, sie sehe dies als eine Auszeichnung stellvertretend für die Hospizarbeit in der Gemeinde. Viele Wegbegleiter sind gekommen, viele Hospizhelfer der ersten Stunde. Als die Gäste eintreffen, wird Carola Riedner begrüßt, beglückwünscht, umarmt. Es ist eine besonders herzliche Atmosphäre an diesem Abend, an dem es auch um den Tod geht.

"Es ist mir ein Herzensanliegen zu ermöglichen, dass Menschen daheim sterben können, wenn sie das möchten", erklärt Riedner, ehe der Festakt mit Musik und Ansprachen beginnt. "Wir sind die Gesellschaft, die bis zum Schluss bleibt", schildert sie die Bedeutung des Hospizdienstes für Schwerstkranke und Sterbende. Die Palliativmedizinerin hat in ihrer psycho-onkologischen Praxis in München auch beruflich mit diesem Thema zu tun. "Im Angesicht des Todes lebt sich das Leben anders", sagt sie. Wie sie darüber spricht, macht aber auch deutlich, dass man auch diesem Thema ohne Scheu und mit einer geradezu positiven Einstellung begegnen kann. Auch am Abend der Preisverleihung wird das spürbar.

Als Einrichtung von unschätzbarem Wert würdigt Bürgermeisterin Brigitte Kössinger (CSU) den Hospizdienst, in dem sich Carola Riedner seit der Gründung im Jahr 2006 mit Leidenschaft und Ausdauer engagiere, und bekundete zugleich großen Respekt vor diesem Ehrenamt. Sie sei Stütze, Kraft und Zuversicht.

In ihrer Ansprache erinnerte die Bürgermeisterin an die Anfänge. Einen wichtigen Anstoß gab demnach eine 1996 von Walter Fürnrohr organisierte Podiumsdiskussion unter dem Titel: "Leben bis zuletzt - Sterben als Teil des Lebens", bei der der damalige Pfarrer Gerhard Pfister über seine Erfahrungen mit der Hospizarbeit berichtete. Zusammen mit der ebenfalls in dem Bereich erfahrenen Sozialpädagogin Elisabeth d'Elsa und dem Arzt Peter Spaich wurde die Hospizidee in Gauting in die Tat umgesetzt. Sterbebegleiter wurden ausgebildet, es gab Kontaktpersonen zu Alten- und Pflegeheimen. Schwerstkranke und sterbende Menschen in der Palliativstation des Starnberger Krankenhauses sowie in der Asklepios-Klinik und im Caritas-Altenheim Marienstift wurden betreut. Auch die Rummelsberger Stifte in Starnberg und Söcking gehören mittlerweile zum Einsatzgebiet. Zu den Angeboten gehören außer der Begleitung Sterbender auch Palliativberatung und die Trauerbegleitung von Angehörigen. Zu den Förderern gehören außer der Gemeinde auch mehrere Stiftungen.

Seit mehr als 13 Jahren ist Carola Riedner, die Ehefrau des früheren evangelischen Pfarrers Güntner Riedner, nun für den Hospizdienst tätig. Dieses Engagement gehe weit über das Organisatorische hinaus, wie Bürgermeisterin Kössinger in ihrer Ansprache betonte. Zusätzlich zu ihrer Arbeit im Leitungsgremium habe Carola Riedner auch Hausbesuche übernommen und Überzeugungsarbeit in der Gemeinde geleistet, Informationsveranstaltungen zu verschiedenen Themen und Gedenkfeiern für Verstorbene vorbereitet. "Sie war immer wieder bereit einzuspringen, wenn Personalnot bestand, die Urlaubsvertretung zu übernehmen, mit vollem Einsatz ehren- oder hauptamtliche Mitarbeiter zu gewinnen, weiter auszubilden und unterstützend zur Seite zu stehen", heißt es in einer Würdigung der Gemeinde.

Wer Interesse an einer ehrenamtlichen Mitarbeit im Gautinger Hospizdienst hat, kann sich unter der Telefonnummer 0176/80221943 an die Koordinatorin Marion Jettenberger wenden oder per E-Mail an hospizdienst@christuskirche-gauting.de melden.

© SZ vom 10.02.2020
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