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Echolot-Festival:Kurios und unterhaltsam

Mit Sinn fürs Bizarre: Simon Rummel (li.) und Matthias Schriefl bei ihrem Auftritt in Berg.

(Foto: Arlet Ulfers)

Das Duo Schriefl und Rummel spielen sich in Berg durch die europäische Musikgeschichte

Am Ende ließen es Matthias Schriefl und Simon Rummel krachen. Die beiden Multiinstrumentalisten, die den zweiten Abend des Echolot-Festivals für Neue Musik eröffneten, setzten zur völlig schrägen "Hommage à Enzo Grillo" an, wobei Rummel zur Melodika griff, während Schriefl ein Miniakkordeon traktierte und mit der anderen Hand dazu noch Trompete spielte. Mit dem Trinklied demonstrierte das Duo in sauberer Intonation stimmliche Sicherheit. Nur, mit Neuer Musik hatte das wenig zu tun, eher mit der sogenannten Volxmusik, zumal es zum Abschluss einen (rein instrumentalen) Jodler gab.

Dass Schriefl und Rummel in der im Stil des süddeutschen Spätbarocks ausgestatteten Kapelle des Schlosses Kempfenhausen auftraten, war akustisch von Vorteil. Die kleine historische Orgel war mit ihrer trägen Ansprache für Rummel sicher schwierig zu handhaben, lieferte aber doch eine passable Unterlage für die Blasinstrumente, die Schriefl stilistisch sehr unterschiedlich spielte. Der Grund dafür lag vordringlich im Repertoire, das sich das Duo auch mit einem Blick fürs Kuriose nach unterschiedlichsten Vorlagen erarbeitet.

Den Puristen unter den Jazzfreunden ist wohl eher Matthias Schriefls jüngerer Bruder, der Trompeter Magnus Schriefl (etwa mit den Ensembles Subton und Blume), ein Begriff. Matthias Schriefl ist der Grenzgänger, der mit seinen vielen musikalischen Aktivitäten auch seiner Heimat, dem Allgäu, mit Ausflügen in die Folklore die Treue hält. Im Duo mit dem experimentierfreudigen Rummel geht es aber in eine etwas andere Richtung: Gemeinsam durchstreifen sie vom Genre gänzlich unabhängig die europäische Musikgeschichte auf der Suche nach besonderem Material, das dann in der Verarbeitung - auch schon mal vortrefflich zweistimmig gesungen - zu einem recht eigenwilligen Ergebnis führt.

Schriefl ist dabei der forschende Geist, während Rummel den Blick fürs Kuriose und Bizarre einbringt. Das Duo selbst beschreibt die Bandbreite seines Programms so: "Angefangen beim deutschen Tenorlied der Renaissance (Heinrich Isaac, Ludwig Senfl) und dem frühen Trinklied der Renaissance (Henning Dedekind - trink ich Wein, so verderb ich) über barocke Madrigale, Choralbearbeitungen unterschiedlicher Stile (Johann S. Bach, Johannes Brahms u.a.), Tanzsätze von Ludwig van Beethoven bis hin zu alpinen Jodlern und Kompositionen aus dem 20. und 21. Jahrhundert der europäischen und amerikanischen Tradition."

Ungefähr das bekamen die zahlreichen Zuhörer in Kempfenhausen auch zu hören. Allerdings blieb es nicht dabei. Das beschriebene Material ist immer nur der Ausgangspunkt für dramaturgisch inszenierte Eskapaden bis in die virtuosesten Sphären des Jazz. Und griff Schriefl zum Alphorn oder zur Tuba, gewann die Musik eine zusätzliche Ebene - eine perkussive. Mit besonderen Spieltechniken blies, unkte und röchelte sich Schriefl rhythmisch in einen Groove, der schon nach wenigen Tönen mitriss und die Zuhörer in die Bewegung hineinzog. Gerade in den tiefen Bereichen kann diese Art zu spielen eine enorme Eigendynamik entwickeln. Mit den Trompeten und dem Flügelhorn pendelte Schriefl indes zwischen glanzvollem Barock und jazzigem Schmetterblech.

Für ihr kurioses Finale samt Jodler verließen die beiden Musiker die Empore, um vor dem Altarraum ein paar chaotisch-humoristische Einlagen nachzuschicken. Das alles machte viel Laune und kam beim Publikum bestens an.