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Dreifachmord in Starnberg:Zwei Männer und die Gier nach Waffen

Das Haus der Mordopfer; Am Haus der Mordopfer

Nach dem Mord an der Familie im Januar 2020 sammelten sich Kerzen und Blumen vor dem Haus der Opfer.

(Foto: Franz Xaver Fuchs)

Den beiden wird vorgeworfen, eine dreiköpfige Familie in Starnberg ermordet zu haben, weil sie womöglich an alte Gewehre und Pistolen wollten. Im August beginnt der Prozess gegen die Tatverdächtigen.

Von Christian Deussing, Starnberg/München

Das Kapitalverbrechen in einem Starnberger Anwesen im Januar vergangenen Jahres hat die Region erschüttert. Nun wird der Mord an einem Ehepaar und seinem 21-jährigen Sohn in einem Prozess vor der Jugendkammer des Landgerichts München II unter dem Vorsitz von Richterin Regina Holstein aufgearbeitet.

Die Habgier nach Waffen könnte als Tatmotiv eine wichtige Rolle spielen. Denn im Keller des Starnberger Einfamilienhauses soll sich der Sohn, der eine Lehre als Büchsenmacher absolvierte, nach SZ-Informationen einen Werkraum eingerichtet haben. Angeblich hantierte er dort illegal mit alten Gewehren, Pistolen und Dekowaffen und machte sie funktionstüchtig. Und der mutmaßliche Mörder und sein Komplize hatten es womöglich auf einige der Waffen abgesehen.

Mehr als 50 Verhandlungstage sind vorgesehen, in dem Prozess geht es auch um zwei bewaffnete Raubüberfälle auf Supermärkte im November 2019 in Olching und am 22. Januar 2020 in Emmering. Auftakt ist am 23. August. Das Strafverfahren werde bis zum nächsten Jahr dauern, erklärt ein Justizsprecher.

Angeklagt wegen Mordes beziehungsweise Beihilfe zum Mord, wegen besonders schweren Raubes sowie Verstößen gegen das Kriegswaffenkontroll- und Waffengesetz sind ein 20-jähriger Olchinger und ein 19 Jahre alter Starnberger. Die jungen Männer waren 13 Tage nach dem Dreifachmord verhaftet worden, nachdem sie laut Anklage am Abend zuvor, am 22. Januar 2020, den Discounter in Emmering überfallen und 1640 Euro erbeutet hatten.

Die Verhaftung der beiden Tatverdächtigen in Olching war die überraschende Wende in dem Fall. Denn zunächst war die Kriminalpolizei Fürstenfeldbruck davon ausgegangen, dass der Sohn in der Nacht zum 11. Januar 2020 seine 60 Jahre alte Mutter und seinen 64-jährigen Vater in deren Schlafzimmer erschossen und sich danach selbst getötet habe. Die Mutter war Psychologin, ihr Mann als Beleuchter beim Fernsehen tätig.

Die Ermittler sind sich jedoch sicher, dass der Olchinger Freund des 21-jährigen Opfers den zweifachen Mord mit Suizid nur vorgetäuscht habe. Die konkreten Schilderungen und ein rekonstruiertes Handyvideo des Olchingers vom Tatort belegten das Eingeständnis des verhafteten Mannes, so die Staatsanwaltschaft.

Welche Rolle spielt der Komplize? War er eingeweiht?

Die Ankläger glauben, dass der 20-Jährige und sein damals 18 Jahre alter Komplizen mehrere voll- und halbautomatische Schuss- sowie Kriegswaffen aus dem Haus gestohlen und zu ihrem Waffenarsenal ins Dachgeschoss der Olchinger Wohnung gebracht haben. Im Prozess soll auch geklärt werden, inwieweit der mitangeklagte Starnberger in den Mordplan eingeweiht war. Laut Anklage hatte er den Haupttäter zum Haus gefahren und dort nach den tödlichen Schüssen abgeholt.

Das Mordhaus war sieben Wochen versiegelt. Die Spurenermittler haben den Tatort dreidimensional vermessen und digital erfasst. In dem Haus im Starnberger Norden wurden zwölf bis 15 Schüsse abgefeuert. Der Sohn lag zugedeckt in seinem Bett im ersten Stock. In der Nähe des Kopfes befand sich eine Pistole, gefunden wurde auch eine weitere Tatwaffe.

Der Mörder hatte nach Kripo-Angaben auch auf den Familienhund geschossen, der mit Verwundungen überlebte. Die Beamten entdeckten keine Kampf- und Einbruchspuren. Der mutmaßliche Täter soll seinen 21-jährigen Freund am Abend des 10. Januar 2020 besucht haben. Dabei könnte es um Waffen und Munition gegangen sein, die die Polizei später in dem geheimen Depot in Olching fand.

© SZ vom 12.06.2021/infu
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