Doppelmord von Krailling:Trauer und ein wenig Trost

"Zeichen für Leben": In Krailling erinnern Schüler und Lehrer an die beiden im März ermordeten Mädchen. Im Februar 2012 soll der Prozess gegen den mutmaßlichen Doppelmörder beginnen.

Christian Deussing

Im Pausenhof stehen zwei frisch gepflanzte Zierbäume - sie erinnern an Chiara und ihre Schwester Sharon, die beide die Grundschule Krailling besucht hatten. Ein Bub in der ersten Reihe legt seinen Arm um einen Klassenkameraden. Auch Christina und Julia sind ergriffen: Sie hatten gern mit Chiara gespielt, und diese Veranstaltung weckt viele Erinnerungen. Nun, ein gutes halbes Jahr nach der verstörenden Tat, stehen beide Mädchen mit 290 Mitschülern vor den drei Meter hohen Felsenbirnen-Bäumchen und singen: "Im Kleinen liegt verborgen."

Krailling Grundschule Pfanzaktion

Ehemalige Mitschüler pflanzen zwei Bäume in Erinnerung an die ermordeten Mädchen Chiara und Sharon.

(Foto: Georgine Treybal)

Die acht- und elfjährigen Mädchen Chiara und Sharon waren in der Nacht zum 24. März in ihrer Wohnung ermordet worden. Das Verbrechen inmitten des Ortes belastet noch immer viele Menschen in der Gemeinde. Kraillings Bürgermeisterin Christine Borst erinnert an die beiden Mädchen: In ihrer Heimatgemeinde, an ihrer Schule hätten Chiara und Sharon einst "unbeschwert gespielt und gelernt".

Schulleiterin Hermine Freystätter beschwört die symbolische Kraft der beiden Bäume, die Trost spenden sollen. Die Pflanzen seien ein "Zeichen für Leben". Sie würden Früchte tragen, es fielen auch Blätter ab. Aber das zeige auch deutlich, dass "nach dem Sterben wieder Leben" entstehe. Die Mädchen und Buben hören still zu. Nach der Zeremonie hängen Klassenkameraden von Chiara - die jetzt in die 4c gekommen wäre - Bilder mit den Namen der getöteten Geschwister an die Zweige. Auch das Gesicht eines weinenden Kindes ist zu sehen, darunter steht: "Gute Mädchen kommen in den Himmel."

Die Kraillinger Grundschüler mussten zuletzt auch andere schlimme Ereignisse verkraften: Ein junger Lehrer war an Leukämie gestorben, und kurz vor den Sommerferien wurde eine siebenjährige Mitschülerin auf einem Zebrastreifen angefahren und lebensgefährlich verletzt. Das Mädchen hat den Unfall überlebt und nimmt nun an der Feier teil - immerhin ein Lichtblick.

Der Prozess gegen den mutmaßlichen Doppelmörder Thomas S., dem Onkel von Chiara und Sharon, beginnt vermutlich im Februar 2012, noch ist das Hauptverfahren nicht eröffnet. Der Vorsitzende Richter Ralph Alt schließt derzeit Nachermittlungen nicht aus. Wie berichtet, hatte die Staatsanwaltschaft München II im August gegen den 50-jährigen Familienvater Thomas S. aus Peißenberg Anklage erhoben, weil er seine Kraillinger Nichten aus Habgier umgebracht haben soll.

© SZ vom 05.10.2011/tob
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