Doppelmord von Krailling:Ermittler haben genug Beweise

Es wurden 200 Zeugen vernommen und mehr als 215 Hinweise überprüft: Zwei Monate nach dem Doppelmord an zwei Mädchen in Krailling löst die Polizei die Sonderkommission "Margarete" auf.

Christian Deussing

Die Sonderkommission "Margarete" im Mordfall Krailling ist am Freitag aufgelöst worden. Der Tatverdacht gegen den Onkel der getöteten Mädchen habe sich nach "derzeitiger Spurenlage weiter verstärkt", teilte die Staatsanwaltschaft München II mit. Genetische Fingerabdrücke wurden an den Leichen der acht- und elfjährigen Geschwister sowie an einer Kurzhantelstange, einem Messer und einem Seil gesichert, das der mutmaßliche Doppelmörder Thomas S. gekauft hatte. Seit der Mordnacht am 24. März wurden mehr als 200 Zeugen vernommen, zudem gingen die Ermittler 215 Hinweisen nach.

Unklar ist allerdings, ob der 50-jährige Peißenberger mit seinem Auto nach Krailling gefahren ist, um dort seine Nichten zu töten. Denn es sind bislang keine tatrelevanten Spuren in dem Fahrzeug des inhaftierten Postzustellers entdeckt worden. Es gab aber offenbar eindeutige Indizien am Tatort, dass der Onkel auch der Mutter der Mädchen auflauern wollte. Er hatte die 41-Jährige in der Mordnacht nicht in ihrer Wohnung angetroffen.

Die Polizei geht weiterhin davon aus, dass die Ehefrau von Thomas S. nichts von dem Mordplan gewusst hat. Die 44-Jährige und andere Personen aus dem familiären Umfeld würden aber weiter vernommen, sagte die Leitende Oberstaatsanwältin Andrea Titz der SZ. Die Staatsanwaltschaft will möglichst noch im August Anklage wegen Doppelmordes gegen den Peißenberger Familienvater erheben. Bis dahin wollen die Ermittler die Motive des Verbrechens noch klarer herausfiltern - derzeit gelten als mögliche Tatgründe Habgier sowie die Finanznot und die drohende Zwangsversteigerung des Peißenberger Hauses. In dessen Keller sollen ungeöffnete Briefe gefunden worden sein, die mit den finanziellen Problemen der Familie zusammenhängen. Wie berichtet, will sich Ursula S. von ihrem Mann scheiden lassen, der weiterhin schweigt.

© SZ vom 28.05.2011/bica
Zur SZ-Startseite

Lesen Sie mehr zum Thema

Süddeutsche Zeitung
  • Twitter-Seite der SZ
  • Facebook-Seite der SZ
  • Instagram-Seite der SZ
  • Mediadaten
  • Newsletter
  • Eilmeldungen
  • RSS
  • Apps
  • Jobs
  • Datenschutz
  • Kontakt und Impressum
  • AGB