Doppelmord von Krailling:Anwalt belastet mutmaßlichen Mörder

Das Haus des mutmaßlichen Doppelmörders von Krailling sollte versteigert werden. Thomas S. erfuhr davon kurz vor der Tat. Der Anwalt seiner Ehefrau sieht darin einen möglichen Auslöser für die Tat.

Christian Deussing

Nur kurze Zeit vor dem Doppelmord am 24. März in Krailling hat der tatverdächtige Postzusteller Thomas S. offenbar erfahren, dass das Peißenberger Haus der Familie versteigert werden soll. Eigentümerin der Immobilie ist nach SZ-Informationen Ehefrau Ursula S. Die vierfache Mutter soll von dem drohenden Verlust und den hohen Schulden jedoch nichts gewusst haben. Ihr Weilheimer Anwalt begründete das damit, dass Thomas S. "dominant alles verwaltet und finanziell gesteuert" habe.

Peißenberg Haus des Onkel der Kraillinger Mädchen

Das Haus des mutmaßlichen Doppelmörders von Krailling wird versteigert. Kurz vor dem Doppelmord am 24. März soll der Familienvater von der Versteigerung erfahren haben.

(Foto: Georgine Treybal)

In der drohenden Versteigerung sieht der Anwalt der Ehefrau einen "passenden Auslöser" für S., als letzten Ausweg den Mordplan an seiner Schwägerin und deren Töchtern Chiara und Sharon zu fassen. Denn dann wäre die anteilig geerbte Kraillinger Wohnung im Wert von rund 80.000 Euro komplett an die Ehefrau von Thomas S. überschrieben worden.

Eine Versteigerung des Hauses hätte sich damit womöglich noch abwenden lassen, sagte der Jurist. Wie berichtet, hat der Anwalt für die 44-jährige Ursula S. die Scheidung beantragt. Seine Mandantin wolle Thomas S. "nie wieder sehen" und fordere von ihm eine Aussage zu dem Verbrechen an ihren Nichten.

Unterdessen sucht die Staatsanwaltschaft nach weiteren möglichen Mordmotiven. Durchleuchtet wird auch das Testament des vor einigen Jahren verstorbenen Großvaters, wie Oberstaatsanwältin Andrea Titz bestätigte. Sie räumte auch ein, dass die Ermittler bislang im Auto des 50-jährigen Thomas S. keine Blutflecken oder andere Spuren gefunden hätten. Dagegen belasten DNS-Spuren an den Tatwaffen und an den Opfern den mutmaßlichen Täter schwer.

Der Postbote sitzt inzwischen in Straubing in Untersuchungshaft. Die Verlegung von Stadelheim sei vorsorglich wegen der größeren Krankenstation erfolgt, es bestehe aber keine Suizidgefahr, sagte die Oberstaatsanwältin.

© SZ vom 17.05.2011/bica
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