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Doppelmord von Krailling:Festnahme nach Kraillinger Doppelmord

Nach dem Mord an zwei Schwestern hat die Polizei am Tatort Blut gefunden, das vom Mörder stammen muss. Am Freitagabend ist nun ein Tatverdächtiger gefasst worden. Es soll sich um einen 50-jährigen Verwandten der Mutter handeln, der selbst vier Kinder hat.

Susi Wimmer und Christian Deussing

Die Polizei hat im Fall der ermordeten Mädchen aus Krailling einen Verdächtigen festgenommen. Nach Informationen der Süddeutschen Zeitung erfolgte der Zugriff am Freitagnachmittag in Peißenberg im Landkreis Weilheim-Schongau. Der mutmaßliche Mörder der achtjährigen Chiara und ihrer elf Jahre alten Schwester Sharon stammt aus der Familie: Der 50-jährige ist ein Onkel der beiden Kinder. Er wurde zu Hause gefasst und zur Vernehmung ins Polizeipräsidium München gebracht.

Krailling gedenkt der beiden ermordeten Maedchen

Ein Dorf gedenkt zweier ermordeter Mädchen: Bewohner von Krailling haben Kerzen und Blumen aufgestellt. Jetzt wurde ein Tatverdächtiger gefasst.

(Foto: dapd)

Der Tatverdächtige habe bislang "kein Geständnis abgelegt", sagte der Leiter der Mordkommission, Markus Kraus, bei einer Pressekonferenz am Samstag in München. Bei den beiden Vernehmungen habe es jedoch Widersprüche gegeben - der Mann habe insgesamt einen eher distanzierten und desinteressierten Eindruck gemacht.

Die Ermittler halten den Fall für aufgeklärt. Laut der Sprecherin der Staatsanwaltschaft München II, Andrea Titz, soll noch im Laufe des Samstags Haftbefehl wegen zweifachen Mordes gegen den Tatverdächtigen beantragt werden. Aufgrund der Spurenlage sei davon auszugehen, dass dem Antrag stattgegeben werde. Das besondere Mordmerkmal sei Heimtücke - zum möglichen Motiv des Mannes wollte Titz keine Angaben machen.

SZ-Informationen zufolge ist der mutmaßliche Mörder selbst Vater von vier Kindern. Gegen seine Festnahme am Freitag hatte er keinen Widerstand geleistet.

Zuvor war den Fahndern bei der Suche nach dem Mörder der elfjährigen Sharon und ihrer acht Jahre alten Schwester Chiara ein Durchbruch gelungen: Sie fanden heraus, dass die in der Wohnung gesicherte DNS-Spur vom Täter stammen musste. Denn kriminaltechnische Untersuchungen schlossen aus, dass sie eine der anderen Personen hinterlassen hatte, die sich in der Nacht nach dem Verbrechen am Tatort aufhielten. Nach SZ-Informationen handelt es sich um eine Blutspur. Und offenbar führte sie die Polizei zum Erfolg.

Was in der Nacht auf den 24. März im ersten Stock der Wohnung an der Margaretenstraße passierte, konnten die Ermittler der Sonderkommission auch zehn Tage nach dem Verbrechen nicht genau sagen.

Die Mädchen waren nachts von ihrer Mutter und deren Lebensgefährten blutüberströmt aufgefunden worden; das Paar kehrte gegen vier Uhr aus einem benachbarten Lokal heim, das der Lebensgefährte betreibt. Alle Versuche, die Kinder zu retten, scheiterten.

Danach mussten alle, die sich am Tatort aufgehalten hatten - Sanitäter, Ärzte, Polizisten und Helfer -, DNS-Proben abgeben. Nach einem Abgleich mit der Blutspur wusste man, dass "berechtigte Spurenverursacher", wie solche Einsatzkräfte im Polizeijargon heißen, ausscheiden. Von diesem Zeitpunkt an war klar: Unter den Materialien, die die Spurensicherung in akribischer Arbeit gesammelt hat, befindet sich Täter-DNS.

Der Mörder muss sich demnach in der Tatnacht in der Wohnung verletzt haben. Vielleicht, als er mit dem Messer zustach. Vielleicht, weil eines der Mädchen ihm diese Verletzung zufügen konnte. Für die Ermittler ist der Fund ein Meilenstein. Zwar reicht eine DNS-Spur alleine nicht aus, um einen Doppelmörder zu überführen. Dazu bedarf es weiterer Beweise oder einer schlüssigen Indizienkette, die auf sorgfältiger Polizeirecherche gründet.

Die Polizei hatte 80 Speichelproben von Männern aus dem Umfeld der Familie gesammelt. Alle hatten diese auf freiwilliger Basis abgegeben - auch der mutmaßliche Mörder. Beim Vergleich seiner Probe mit der Blutspur stießen die Kriminaltechniker auf den DNS-Treffer.

Sharon und Chiara wurden am Freitagnachmittag in bunt bemalten Särgen auf dem Gräfelfinger Friedhof beigesetzt - im engsten Familien- und Freundeskreis. Zuvor fand auf dem Münchner Westfriedhof eine ergreifende Trauerfeier statt, zu der mehr als hundert Gäste kamen. Ob auch der mutmaßliche Mörder daran teilgenommen hat, ist nicht bekannt.

Als sich die Nachricht von der Festnahme des 50-Jährigen im Lauf des Abends herumsprach, gab es erleichterte Reaktionen in Krailling. "Gott sei Dank haben sie ihn", sagten Menschen, die sich vor dem Haus der ermorderten Kinder zum Trauern getroffen hatten. "Und Gott sei Dank ist er nicht aus Krailling."

© SZ vom 02.04.2011/liv/jab

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