Ein Handschlag mit einem Roboter, ein Blick ins Raumfahrtkontrollzentrum und der Versuch, einen Modell-Marsrover über unwegsames Gelände zu steuern: Beim Antrittsbesuch von Dorothea Bär am Standort Oberpfaffenhofen präsentierte das Deutsche Zentrum für Luft- und Raumfahrt (DLR) ausgewählte Projekte und zeigte der Bundesministerin für Forschung, Technologie und Raumfahrt, was hier möglich ist.
Die Ministerin wurde nicht alleine von DLR-Vorständin Anke Kaysser-Pyzalla und Institutsleitern willkommen geheißen, auch Roboter David reichte seinen Metallarm zum Handschlag. Der perfekte Händedruck überraschte Bär: „Nicht zu fest, aber auch nichts zu lasch.“ 38 Motoren waren nötig, um dieses Gefühl zu erreichen. „Mehr als in einem Auto“, erklärte Alin Albu-Schäffer, Direktor des Instituts für Robotik und Mechatronik. Roboter seien ein Massenmarkt der Zukunft, den man in Europa nicht den Chinesen überlassen wolle. Als Ziel nannte Albu-Schäffer zehn Millionen Roboter für Europa. Für Zulieferer aus der schwächelnden Automobilbranche könnte dies neue Absatzmärkte eröffnen, wenn sie ihr Know-how in neue Produkte für die Robotik übertragen.

Für Thomas Reiter, Abteilungsleiter für Raumfahrt im Forschungsministerium, war das Raumfahrtkontrollzentrum GSOC ein vertrauter Ort. Von hier aus wird das Columbus-Modul der internationalen Raumstation ISS gesteuert. Der ehemalige Astronaut hat auf der ISS und auf anderen Missionen insgesamt 350 Tage im All verbracht. Auf riesigen Bildschirmen sah man den Tagesplan der aktuellen Crew, Bilder aus dem All, dazu unzählige Daten und Zahlen. „Der Schichtbetrieb läuft rund um die Uhr. Oben sind schließlich Menschen, die müssen stets überwacht werden“, sagte Felix Huber, Leiter der Einrichtung Raumflugbetrieb und Astronautentraining.

Das nächste Ziel ist der Mond. Dafür entsteht gerade das Human Exploration Control Center (HECC), das Europas Kontrollzentrum für Missionen zum Mond und Mars sein soll. Die riesige Baustelle sah Bär bei ihrem Gang über das Areal: Kräne, Gerüste und Baufahrzeuge zeugen von intensiver Bautätigkeit.
Man dürfe das Weltall keinem Schurkenstaat überlassen, sagt die Ministerin
Und es gab eine Premiere. Als eine der Ersten, die ihn offiziell sahen, präsentierte Albu-Schäffer der Ministerin den neuen Mehrzweck-Rover TRP Luna. Der Rover erfasst die Umgebung mit Kameras, hat einen Greifarm sowie Räder und Beine. So kann er sich durch unwegsames Gelände bewegen. In ein paar Jahren soll er auf dem Mond fahren. Dass diese Aufgabe viel Fingerspitzengefühl erfordert, erfuhr Bär an einer Experimentierstation des School-Labs. Eine Schülerin drückte ihr einen Controller in die Hand, damit versuchte Bär einen kleinen Modell-Rover über einen Parcours zu bugsieren. Gar nicht so einfach. Immer wieder stellte sich das Gefährt quer. An anderen Stationen übten die Zwölftklässlerinnen das Fliegen im Simulator oder erstellten aus Satellitendaten eigene Karten.

2100 Mitarbeitende sind in den 17 Instituten in Oberpfaffenhofen beschäftigt. Dafür, dass sich die Jugend für Berufe in der Luft- und Raumfahrt begeistern kann, sorgt das School-Lab mit seinen Workshops. Die Kooperation mit Schulen gefiel Bär besonders. Schließlich wolle Deutschland im Weltall an der Spitze bleiben, sagte die Ministerin. Zum Beispiel in der Satellitennavigation. „Satelliten sind unsere Augen im Weltall“, betonte Bär. „Man darf das Weltall keinem Schurkenstaat überlassen.“ Deswegen sei es wichtig, dass ein demokratischer, wertebasierter Staat wie Deutschland eigene Satelliten ins All schickt. Die zeigten nicht nur Überschwemmungen oder Feuer, sondern auch wenn „eine Flotte eines nicht befreundeten Staats unterwegs ist“.

Im Institut für Hochfrequenztechnik und Radarsysteme stellte Direktor Alberto Moreira die Ergebnisse der deutschen Radarsatelliten Terra SAR-X und Tan DEM-X vor. Sie haben ein hochpräzises, dreidimensionales und digitales Höhenmodell der Erde erstellt. Die Daten sind Grundlage für wissenschaftliche und kommerzielle Anwendungen. So können Reisbauern etwa erkennen, wann ein Feld bereit für die Ernte ist. In wenigen Jahren läuft die Lebensdauer der beiden Satelliten ab. Eine Idee für eine Nachfolge-Radarmission gibt es schon. Sie heißt „Mirror SAR“. Das Projekt besteht aus einem sendenden Hauptsatelliten und drei oder mehr Empfangssatelliten. „Bei dieser Technologie wird die Höhengenauigkeit im Vergleich zu Tan DEM-X noch einmal erheblich gesteigert“, versicherte Moreira.
Am Ende versammelte sich die Gruppe für ein Foto in der Compact Test Range CTR. Diese Messkammer zur genauen Bestimmung von Antenneneigenschaften wirkt mit ihren unzähligen blauen Spitzen, die in den Raum ragen, wie aus einer anderen Welt. Am Ende versprach die Ministerin Unterstützung. Wer im All mitreden wolle, müsse hier unten die Kontrolle behalten. Raumfahrt beginne nicht im Orbit, sondern hier in Bayern.

