Dießen - 1911 hat die Marktgemeinde die Seeanlagen für 500 Mark vom Bayerischen Staat erworben, im gleichen Jahr organisierte dort der örtliche Sportverein MTV das erste Volksfest. Ausgerechnet im 100. Jahr des Bestehens hat der Marktgemeinderat das Aus für das traditionelle Seefest nach jahrelangem Siechtum besiegelt: Zumindest für heuer wird die Veranstaltung abgeblasen, nachdem die Verhandlungen mit zwei Festwirten gescheitert sind.

Nachdem die Besucherzahl über zwei Jahrzehnte stetig zurückging, hatte sich vor zwei Jahren eine vierköpfige Arbeitsgruppe formiert, die das Fest mit neuen Konzepten wieder beleben wollte. Ihr gehören die Gemeinderäte Antoinette Bagusat, Jürgen Zirch und Volker Bippus sowie Beate Bentele an, Pressebeauftragte für den Töpfermarkt und einige Dießener Vereine. Erste Erfolge hätten sich eingestellt, meint Zirch: Der Umsatz im Festzelt sei seit vier Jahren gestiegen, 2010 sei zur Eröffnung und bei der "Miss-Dießen-Wahl" das Zelt voll gewesen: "Das Publikum geht wieder hin", findet Zirch.
Um so überraschender kam im Herbst von der Wirtefamilie Krämmer die Kündigung des Fünf-Jahres-Vertrags. Ihr Angebot, das Fest auf den 15. bis 19. Juli zu begrenzen, lehnte der Marktgemeinderat ab, weil damit gerade die beliebte Miss-Wahl weggefallen wäre. Die Arbeitsgruppe nahm daraufhin Kontakt mit dem Reichlinger Festwirt Jochen Mörz auf. Um zum Jubiläumsjahr ein attraktives Programm über zehn Tage zu bieten, habe das Team monatelang an einem mehrseitigen Konzept gefeilt, sagt Bentele: Kontakte mit zugkräftigen Musikgruppen und zu Bundespolitikern waren geknüpft, ein Fischerstechen war wieder im Programm, der Kinder- und Familientag sollte ebenso aufgewertet werden wie der Seniorennachmittag.
"Den Gemeinderat hat das Konzept nicht überzeugt", sagt Bürgermeister Herbert Kirsch: "Das Seefest ist einfach zu schlecht besucht." Vor allem aber sei in der jüngsten nichtöffentlichen Sitzung das Vertragsangebot des neuen Festwirts an zwei Bedingungen gescheitert: Mörz wollte im ersten Jahr die Pacht erlassen bekommen und eine Ausfallbürgschaft für die von der Arbeitsgruppe geplanten Veranstaltungen. Über die Pacht hätte man zur Not reden können, meint Kirsch - sie beträgt 600 Euro am Tag. Aber eine "ganz große Mehrheit" der Räte sei nicht zur Bürgschaft bereit gewesen. Veranstaltungen, bei denen Eintritt erhoben wird, "haben in Dießen noch nie gezogen", meint der Bürgermeister. Der Rat müsse entscheiden, ob man für 2012 das Seefest noch einmal ausschreibt.
Der MTV-Vorsitzende Bippus will nun mit dem Verein am 16./17. Juli ein Jubiläums-Turnwochenende mit Sommernachtsball und Spielen ohne Grenzen durchführen. Weil am 9./10. Juli anlässlich des "Ammersee-Cups" für Fußball-Jugendteams ohnehin ein Zelt auf dem Vereinsgelände aufgestellt wird, sei "vage angedacht", es bis zum 17. Juli für weitere Veranstaltungen zu nutzen. Andere Vereine hätten schon Interesse signalisiert, sagt Bippus - "aber das Konzept ist "überhaupt noch nicht ausgereift".